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Mehr verkaufsoffene Sonntage in Unna?

Foto: Thorsten Krüger_Tk-Foto

So steht der City-Werbering zu der Neuregelung

De r N RW- L andt ag hat im
März beschlossen, die im Jahr
zulässigen verkaufsoffenen
Sonntage von vier auf acht zu
erhöhen. Auf diese Weise will
die Landesregierung den stationären Einzelhandel und die
Kommunen stärken, denn neben dem Montag ist der Sonntag der am meisten frequentierte Tag im Online-Handel.
Die Gewerkschaften haben
bereits angekündigt, gegen
die neue Regelung vorgehen
zu wollen. Die Ortszeit-Redaktion hat mit dem Vorsitzenden des City-Werberings
Unna und Inhaber von ,,Der
Hosen-Spezialist", Thomas
Weber, über die Neuregelung
gesprochen.
,,Allgemein bin ich persönlich
ein Befürworter von verkaufsoffenen Sonntagen, wenn es nicht
ausufert. Denn der Online-Handel macht uns allen zu schaffen
und nachweislich wird am Wochenende online am meisten
gekauft. Trotzdem machen die
verkaufsoffenen Sonntage meistens nur für Geschäfte in den
Toplagen oder für größere Betriebe Sinn. Viele kleinere Fachbetriebe machen schon deshalb nicht mit, weil es sich für sie
6 | Ortszeit Mai 2018

nicht lohnt", sagt Thomas Weber. Natürlich nehme er gerne
den Umsatz vom Sonntag mit,
allerdings mieden viele seiner
Kunden diese Tage, weil es ihnen einfach zu voll sei.
,,Grundsätzlich glaube ich,
dass das neue Gesetz nicht viel
ändern wird. Mich würde es
aber freuen, wenn die bürokratischen Hürden, um einen verkaufsoffenen Sonntag zu veranstalten, mit dem neuen Gesetz
abgebaut werden. Denn es ist
immer ein immenser Aufwand,
bis so etwas genehmigt wird",
so Weber.
Keine acht Sonntage in Unna
Klar ist für ihn aber auch, dass
es in Unna keine acht offenen
Sonntage geben wird, denn
aus Sicht des Unnaer Einzelhandels ist die aktuelle Situation mit
Sonntagen zu den drei großen
Events ­ Westfalenmarkt, Automeile am 30. September und
zum Weihnachtsmarkt am 2.
Dezember ­ gut. ,,Man könnte
allerdings auf einen vierten
aufstocken, zum Beispiel den ersten Sonntag nach Weihnachten. Denn gerade dann strömen
viele Menschen in die Stadt, um
zum Beispiel Gutscheine einzulösen", so der Einzelhändler.

Gewerbegebiet wieder miteinbeziehen
,,Mir wäre es am allerliebsten,
wenn wieder jeder, der möchte,
mitmachen könnte", so Weber.
Aktuell seien die Geschäfte hinter dem Ring ausgeschlossen,
weil der vorgeschriebe räumliche Bezug zum Event in der Innenstadt fehle. Das betrifft zum
Beispiel das gesamte Gewebegebiet in der Feldstraße mit Zurbrüggen. ,,Als diese Geschäfte
noch öffnen durften, war das
immer eine Win-Win-Situation.
Wir konnten gegenseitig und
auch ­ dank Zurbrüggen ­ überregional Werbung machen. Wir
hatten (der City-Werbering Anm.
d. Red.) für diesen Tag einen kostenlosen Shuttleservice zwischen Innenstadt und Gewerbegebiet organisiert, das hat
immer super funktioniert. Wenn
wir dahin zurück könnten, das
wäre mir persönlich sehr lieb."
Dortmund ist
keine Konkurrenz
Angst vor einer größeren Dortmunder-Konkurrenz durch die
nun möglichen längeren Öffnungszeiten und höhere Anzahl
an verkaufsoffenen Sonntagen
hat Thomas Weber nicht. Denn:
,,Wir haben hier zwei riesige Vor-

Foto: Doris Schwingenheuer
teile: Zum einen hat Unna eine
sehr attraktive Innenstadt sowohl von den Einzelhändlern als
auch von der Gastronomie. Das
macht das Verweilen hier sehr
angenehm. Zum anderen liegen
wir zwar neben Dortmund, haben aber trotzdem ein großes
Einzugsgebiet. Extrem viele
Kunden kommen aus den Dortmunder Vororten. Für sie ist die
Strecke die gleiche, sie fahren
aber lieber nach Unna, weil es
hier gemütlicher ist."
Problematischer sei eine mögliche Konkurrenz für andere
Städte im Kreis, denen auch der
Online-Handel deutlich mehr zu
schaffen macht als den Unnaer-Einzelhändlern. ,,Ich bin aber
auch der Meinung, dass die Einwohner einer Stadt hier Verantwortung tragen", so Weber. ,,Sie
müssen den lokalen Einzelhandel unterstützen. Denn wer will
schon durch leere Innenstädte
laufen?"

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