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Ortszeit

Seite 5 OrtszeitTitel

Feuchter Kelleraum mit Kabelprovisorium
ren und sich den Schimmel angesehen haben. ,,Die Baufirma
könnte den Schaden beheben,
aber ihr wird der Auftrag nicht
erteilt." Ina Budimir und Rene
Sokolowski suchen weiter nach
einer Wohnung, denn ein Auszug ist für sie die einzige Option.
Feuchte Kellerräume und defekter Fahrstuhl
Der Meinung sind auch die
81-jährige Erika Kochtokrak und
Tochter Christine Frank. Beide
wohnen seit sechs Jahren in ihren Wohnungen und sie sind
wütend. ,,Die Wohnungen selbst
sind gut geschnitten, aber das
Drumherum geht gar nicht! ",
sind sie sich einig. ,,Mein Kellerraum steht unter Wasser, es
gibt heraushängende Kabel,
der Fahrstuhl funktioniert seit
fast zwei Jahren nicht mehr, wir
müssen unsere Heizungen selber regulieren, weil kein Hausmeister mehr vor Ort und ansprechbar ist. Wenn man bei der
Beschwerdenummer von Altro
Mondo anruft, dann geht keiner
mehr ran. Die ist abgestellt und
bei der Hausmeisterservicehotline bekommen wir immer nur
zu hören: ,Wir leiten das weiter`",
so Erika Kochtokrak.
Seit über einem Jahr putzen die Frauen abwechselnd
das Treppenhaus, vom ersten
Stock, in dem sie wohnen, bis
zum Erdgeschoss, weil das vom
Hausmeisterservice nicht ge-

macht wird, obwohl die Reinigung mit 12 Euro im Monat in
den Nebenkosten veranschlagt
ist. ,,Ich konnte den Dreck einfach nicht mehr sehen", so Christine Frank. Besonders ärgern
sich die Frauen über die aus ihrer Sicht sinnlose Maßnahme,
das Treppenhaus bis in den ersten Stock neu zu streichen, anstatt die gravierenden Mängel
zu beheben. ,,Zum Glück haben
wir bereits neue Wohnungen
gefunden. Wir werden fristlos
kündigen und zur Not klage
ich die Kaution ein. Ich habe eh
schon alles beim Mieterschutzbund und einem Rechtsanwalt.
Der hat mir auch versichert, dass
ich eine Entschädigung für das
Flurputzen einklagen kann", so
Frank.
,,Ein Stück weit stigmatisiert"
,,Wer kann, zieht hier weg", lautet auch das Urteil von Horst
Dinter. Aber das ist jedoch nicht
so einfach. ,,Leider sind die Mieter der Blumenstraße ein Stück
weit stigmatisiert. Sie können
bei Wohnungsbesichtigungen
gefragt werden, wo sie denn aktuell wohnen. Wenn Leute dann
,Blumenstraße` sagen, bekommen sie eher die Absage. Das
haben mir verschiedene Mieter bestätigt", sagt Hanno Peppmeier. Und das, obwohl es dort
keine Sozialwohnungen gebe,
die Miete liege laut dem Pressesprecher im normalen Miet-

Schimmel und eine nasse Wand in der Wohnung
spektrum von Kamen.
Die Stadt versucht, neben der
Unterstützung der Mieter, das
Viertel durch ein Quartiersmanagement aufzuwerten. Es gibt
bereits einen Manager und das
bestehende Jugendfreizeitzentrum soll mit Hilfe von Fördermitteln zu einem Haus der
Begegnung umgebaut und erweitert werden. Die Stadt hofft
so, die Situation zu verbessern.

Auf Anfrage unserer Redaktion hat der Anwalt der Firma
Altro Mondo eine Stellungn a h m e z u d e n Vo r w ü r f e n
abgegeben. Das Abdrucken
der Stellungnahme ( in verkürzter Form) sollte nur nach
erneuter Genehmigung erlaubt sein. Diese Genehmigung war jedoch vor Redaktionsschluss nicht mehr
einzuholen.
Ortszeit Januar 2018 | 5

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