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Aufreger Altro Mondo
Mieter in Kamen wütend über die schlechten Wohnzuständen

Erika Kochtokrak zeigt die nagelneue Haustür, die ohne Schloss eingebaut wurde.
Schimmel in der Wohnung,
neue Haustüren ohne Schlöss e r, s e i t M o n a t e n d e f e kte Aufzüge, nicht gemähte
Grünflächen und verdreckte
Hausflure: Das sind nur einige der Mängel, die die Mieter der Altro Mondo GmbH
in Kamen wütend machen.
Im Juli 2017 haben sich rund
40 Mieter zum Protest in der
Blumenstraße versammelt.
Verschiedene Medien haben
darüber berichtet und die
Immobiliengesellschaft aus
Niedersachsen hat, laut dem
WDR-Bericht vom 10. Juli, versprochen, dass schnell mit
dem Rasenmähen und auch
mit der Reinigung der Treppenhäuser begonnen werde.
Ein halbes Jahr später bietet sich
ein unverändertes Bild in der
Blumenstraße in Kamen. ,,Nach
dem Protest hat sich was getan, aber das hat nur kurze Zeit
gehalten", erklärt Horst Dinter,
Vorsitzender des Bürgervereins
Flower Street e.V., der für ein
besseres Wohnumfeld in dem
Problemviertel kämpft.
,,Im November 2014 hat die
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Altro Mondo GmbH die Hausverwaltung von Häusern in der
Blumenstraße übernommen
und seit dieser Zeit gibt es immer wieder Probleme", so Dinter. Nach einigen gescheiterten
Versuchen, alle Parteien an einen Tisch zu bekommen, um
eine endgültige Lösung des Problems zu finden, gab es im Februar 2017 ein Treffen. Hieran
nahmen der Bürgermeister von
Kamen, Hermann Hupe, ein Vertreter der Altro Mondo GmbH
und einige Mieter teil. Sie übergaben 50 Mängellisten an die
Immobiliengesellschaft. Danach
habe sich auch was getan, es
wurden Mängel behoben. Aber:
,,Es ist leider immer das gleiche:
Es funktioniert mal zwei oder
drei Monate und dann ist wieder alles verdreckt", so Dinter,
der seit zwölf Jahren in der Blumenstraße wohnt, jedoch einen
anderen Vermieter hat.
Stadt auf Seiten der Mieter
Die Stadt steht hinter den Mietern und tut, was sie kann. ,,Die
Stadt kann beim Müll-Problem
helfen, so lange die übervollen
Mülltonnen auf öffentlicher Flä-

che stehen und über den Kreis
den Vermieter, also die Wohnungsgesellschaft, auffordern,
die Privatflächen sauber zu machen", sagt Hanno Peppmeier, Pressesprecher der Stadt Kamen. ,,Ein zweites Mittel, das wir
anwenden, ist das Wohnungsaufsichtsgesetz. Es gibt der
Stadt die rechtliche Grundlage,
die Wohnungsgesellschaft aufzufordern, Mängel, wie defekte
Fahrstühle, nasse Kellerräume
oder Ungeziefer, zu beseitigen.
Dieses Druckmittel wirkt, haben wir festgestellt", so Peppmeier. Diese Nachbesserungen
seien jedoch aus seiner Sicht nur
Tropfen auf den heißen Stein. Es
müsse grundsaniert werden, damit es eine nachhaltige Lösung
des Problems gebe.
Spricht man mit Mietern aus
der Blumenstraße, sowie den
Straßen Auf dem Spiek und der
Karl-Arnold Straße, in denen
ebenfalls einige Häuser unter
der Verwaltung von Altro Mondo stehen, scheint dies die einzig richtige Lösung zu sein.
Schimmel an der Wand
Das zeigt das Beispiel des jun-

gen Paares Ina Budimir und
Rene Sokolowski mit ihrem vier
Monate alten Sohn Ben. Das
Paar ist im Dezember 2016 in
ihre Wohnung eingezogen und
bereits zu dem Zeitpunkt ist ihnen die Feuchtigkeit im Elternschlafzimmer aufgefallen. Die
nasse Wand wurde auch in die
Mängelliste beim Einzug aufgenommen. ,,Es waren dann auch
Handwerker da, haben die Tapeten runtergerissen, ein Antischimmelmittel draufgestrichen
und die Tapeten wieder neu angeklebt. Dann waren die damit
durch", so Ina Budimir. Gebracht
hat die Maßnahme nichts, der
Schimmel ist immer noch da. Inzwischen steht das Zimmer leer
und das Paar schläft jetzt beengt im Kinderzimmer. Verursacht wird die Nässe vermutlich
von dem an der Wand verlaufenden durchgerosteten Fallrohr.
,,Wir haben schon vom Kinderarzt ein Attest, das die Gefährdung durch Schimmel bescheinigt. Damit können wir
eigentlich sofort ausziehen. Wir
finden allerdings keine Wohnung. Unter anderem, weil wir
die Mitschuldenfreiheitsbescheinigung, die uns der Vermieter ausstellen muss, bisher
nicht bekommen haben. Jetzt
sieht es so aus, als hätten wir
Schulden", so Budimir. Die Miete habe das Paar schon in Absprache mit dem Mieterschutzbund um 25 Prozent gekürzt.
Trotzdem ändert sich nichts, obwohl auch vor einigen Wochen
erneut Handwerker vor Ort wa-

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