< Seite 3
Seite 5 >

Seite 4

Ortszeit

Seite 4 OrtszeitTitel

,,Jede Sekunde zählt"
,,Mobile Retter" leisten Erste Hilfe im Kreis Unna

Niko Rosener, Marcel Drawe, Sven Günther und Jens Normann (von links) schulen ehrenamtliche Notfallhelfer im Umgang mit der ,,Mobilen Retter"
-App im Zentrum für Gefahrenabwehr in Unna.
Bei einem Herz-KreislaufStillstand zählt jede Sekund e . Vo n d e r Al a rm i e ru n g
des Rettungswagens bis zu
se ine m Eint re f fe n ve rge hen in Nordrhein-Westfalen acht bis zwölf Minuten
­ damit hat das Land eines
der schnellsten hauptamtlichen Rettungsdienstnetzwerke bundesweit. Seit Oktober 2016 unterstützt Jens
N ormann als e hre namt li cher Ersthelfer den Rettungsdienst im Kreis Unna.
Er schafft es oft in vier Minuten zum Notfallort! Möglich
ist dies durch die App ,,Mobile Retter".
Das Prinzip ist ganz ein fach: Qualifizierte Ersthelfer,
die sich in unmittelbarer Nähe
zum Not fall bef inden, werden durch das GPS-Signal ihrer Smartphones kontinuierlich geortet und nach Wahl des
Notrufs 112 durch die Leitstelle
automatisch parallel zum Rettungsdienst durch die MobileRetter-App informiert. Allein
durch die örtliche Nähe können die ehrenamtlichen Helfer
4 | Ortszeit Oktober 2017

sehr oft schneller als der Rettungsdienst am Notfallort sein
und schon Erste -Hilfe -Maßnahmen vornehmen, die gerade in den ersten Minuten entscheidend sind. So steigern
sie die Überlebenschancen
der Patienten und verringern
die möglichen Folgeschäden
durch Sauerstof fmangel im
Gehirn.
Projektstart war 2013
Das ,,Mobile Retter"-System
wurde bundesweit erstmalig
als Pilotprojekt im Kreis Gütersloh 2013 eingeführt. Seither sind zehn Kreise hinzugekommen. Der Kreis Unna hat
das System im Oktober 2016
eingeführt und schult jetzt seine ehrenamtlichen Notfallhelfer selbst. Aktuell sind über
400 ,,Mobile Retter" im Kreis
aktiv, die bisher 620 Einsätze
absolviert haben, und die Zahl
steigt.
Jens Normann ist ,,Mobiler Retter" der ersten Stunde:
,,Ich bin auf die App über Facebook vor zwei oder drei Jahren aufmerk sam geworden,
als es die nur im Kreis Güters-

loh gab. Da fand ich sie schon
gut. Ich dachte, so kann man
das ursprüngliche ,Abfallprodukt` GPS mal wirklich sinnvoll
nutzen. Als es dann in Unna los
ging, war ich sofort dabei", erzählt Jens Normann.
Der 45-Jährige aus Schwerte arbeitet als ausgebildete Pädagogische Fachkraft in einem
Krankenhaus. Außerdem ist er
seit 20 Jahren bei den Maltesern aktiv, ist Rettungssanitäter und Erste-Hilfe-Ausbilder.
,,Mir ist der Leitspruch der Malteser ,Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedür ftigen` wichtig, deshalb helfe
ich immer, wo ich kann", so
Normann. Neben seinem Engagement als ,,Mobiler Retter" hat er jetzt gemeinsam mit
vier weiteren Freiwilligen die
,,Ausbildung" der neuen Helfer im Kreis Unna und zusätzlich die Ausbildungskoordination übernommen.
Um sich ,,Mobiler Retter"
nennen zu können, muss jeder ehrenamtliche Retter an einer Schulung zum Umgang mit
der App und einem Erste-Hilfe-Training teilnehmen. Dabei

werden die stabile Seitenlage, die Mund-zu-Mund-Beatmung an Säuglingen, Kindern
und Erwachsenen sowie der
Umgang mit dem ,,Automatisierten externen Defibrillator" (AED) geübt. ,,Bei den Trainings geht es darum, zu sehen,
ob die Handgriffe sitzen und
noch einmal zu üben. Gerade
bei der Kinderreanimation haben alle Angst, etwas falsch zu
machen. Selbst ich als Trainer
habe da Beklemmungen", erklärt Normann.
Wer kann ,,Mobiler Retter"
werden?
Das g es amte Proj e k t is t
als Verein organisiert. Angesprochen und als ehrenamtlich e M itglie d e r re k r utie r t
we r d e n s o l l e n h au p t s ä c h lich qualif izier te Ersthelfer,
das heißt Krankenschwestern,
Pfleger, Sanitäter, Rettungsassistenten, Feuerwehrkräfte,
DLRG-Schwimmer, Einsatzersthelfer oder Ärzte. Aber auch
Menschen, die zwar hauptberuflich etwas anderes tun, aber
beispielsweise Mitglied beim

zurück zum Anfang von "Ortszeit"