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Cannabis legalisieren?
Die Regierung sollte das Cannabis-Verbot in Deutschland
streichen ­ mit dieser Forderung hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK)
jüngst für Schlagzeilen gesorgt. André Schulz, der Vorsitzende des BDK sagte der
,,Bild"-Zeitung im Februar,
das Verbot von Cannabis sei
,,historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch
zielführend". Es habe in der
Menschheitsgeschichte noch
nie eine Gesellschaft ohne
D ro ge nkonsum ge ge be n ,
dies müsse akzeptiert werden. Der BDK setze sich daher
für eine ,,komplette Entkriminalisierung von CannabisKonsumenten ein".

Sprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe wurden im
Landesteil WestfalenLippe in 2017 knapp 5.000 Einheiten Cannabis-Blüten abgegeben. ,,Zur Abgabe gehört
immer eine Beratung durch
pharmazeutisches Personal. Es

Foto: fotolia.com © Africa Studio

Zur Begründung erklärte Schulz
der ,,Bild", durch das derzeitige
Rechtssystem würden Menschen stigmatisiert und kriminelle Karrieren erst befördert.
Auf diese Aussagen reagierte
die Bundessärztekammer (BÄK)
empört. Aber welche sind die
Vor- und Nachteile einer Legalisierung von Cannabis? Und wie
stehen die Menschen in Unna
zur Legalisierung? Die OrtszeitRedaktion ist diesen Fragen
nachgegangen.

Cannabis als Medizin
Cannabis ist laut Weltdrogenbericht 2017 das meistgenutzte
illegale Rauschmittel. Gleichzeitig gilt die Pflanze in Gesellschaft und Politik seit langer Zeit
als gefährliche Einstiegsdroge.
Doch seit einigen Jahren entdeckt die Wissenschaft die medizinischen Vorteile wieder.
So kann Cannabis etwa bei
chronischen
Schmerzen, Multipler Sklerose,
Übelkeit infolge von
Chemotherapien, bei
Appetitlosigkeit wegen Aids, Krebs oder
Alzheimer helfen.
D eshalb hat der
Bundestag 2017 ein Gesetz verabschiedet, das
Ärzten unter strengen Auflagen erlaubt, ihren Patienten,
denen andere Arzneimittel nicht mehr
oder nur schlecht
helfen, Cannabis zu verordnen. Die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen
die Kosten dafür, prüfen jedoch
zunächst, ob eine Kostenübernahme gerechtfertigt, also ein
therapeutischer Nutzen gegeben ist.
Laut Sebastian Sokolowski,

Foto: Jiri Hera © fotolia.com

So steht Unna zu der Frage

4 | Ortszeit April 2018

wird beispielsweise erklärt, wie
die Blüten konsumiert werden
sollen (mittels einem elektronischen Verdampfer) und dass
dies eben nicht mit einem Joint
geschieht", so Sokolowski. Denn
beispielsweise das Rauchen mit
Tabak als Joint wäre für medizinische Zwecke ungeeignet,
da die Dosis nicht reproduzierbar wäre.
Keine ,,holländischen
Verhältnisse"
Volker Heiliger, Pressespre cher der Ärztekammer Westfalen Lippe sagte uns: ,,In der
Diskussion um die Legalisierung von Cannabis warnt der
Präsident der Ärz tekammer
West falen- Lippe, Dr. Theo dor Windhorst, vor ,,holländischen Verhältnissen": ,,In der
Suchtproblematik dürfen wir
nach Alkohol und Nikotin nicht
noch unnötigerweise ein drittes Problemfeld aufmachen.
Die Gefahr der psychischen
Abhängigkeit von der Droge
ist zu groß. Eine Freigabe darf

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