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Ortszeit

Seite 38 OrtszeitAn der richtigen Stelle
Profiling will die Stärken von
Mitarbeitern gezielt entdecken
Wer regelmäßig Krimiserien im Fernsehen schaut oder
Kriminalromane liest, kennt
den Beruf des Profilers nur
allzu gut: Er kommt zum Einsatz, wenn eine Straftat zunächst einmal nicht aufgeklärt werden kann. Der
Profiler versetzt sich dann
in die Position des Täters, er
versucht quasi seine Gedanken zu lesen und ein Motiv
zu finden.
Nur die wenigsten wissen, dass
Profiling nicht nur in der Polizeiarbeit, sondern auch in der
Berufswelt eine wichtige Rolle
spielen kann. Dabei geht es darum, Bewerber und Mitarbeiter
beispielsweise anhand von Fotos zu analysieren und auf diese
Weise Unternehmen zu helfen,
die richtige Person für die richtige Position zu finden.
Gesicht kann auf
Fähigkeiten hinweisen
Benita Justus beispielsweise ist
Profilerin in Hamburg. Für sie
ist die sogenannte Psycho-Physiognomie eine Methode, Talente zu fördern und Potenziale zu stärken: ,,Nach einem
festgelegten Verfahren analysiere ich Fotos, etwa von Bewerbern. Meine Aufgabe sehe
ich dann darin, Puzzlestücke,
die zu dem Menschen gehören,
zu einem Gesamtbild zusammenzufügen und ihn und das
Unternehmen auf diese Weise voranzubringen." Zahlreiche
definierte Bereiche im Gesicht
geben demnach Auskunft über
unterschiedlichste Fähigkeiten.
So sei der Sinn für Zahlen am
äußeren Ende über den Augen38 | Ortszeit Mai 2018

brauen angesiedelt, das Konzentrationsvermögen befinde
sich im Bereich der Nasenwurzel, der Mut zur Kommunikation nahe der Nasenflügel, die
Reichhaltigkeit des Wortschatzes in den Augen. ,,Dies sind Anlagen. Aber auch im Laufe des
Lebens entstandene Charaktereigenschaften sind erkennbar",
betont Benita Justus. So gäben
bestimmte Faltenpartien Auskunft darüber, ob der Einzelne
viele extreme Entscheidungen
trifft oder wie ausgeprägt seine
Gabe sei, Dinge im Gedächtnis
abzuspeichern.
,,Falsche" Position kann
fatale Folgen haben
Die Hamburgerin sieht sich weder als Psychologin noch als
Coach: ,,Meine Tätigkeit ist frei
von Schubladendenken oder
Vorurteilen. Bei der Persönlichkeitsanalyse konzentriere ich mich auf Vernetzungen
der Fakten. Dadurch teile ich
meinem Gegenüber ­ etwa
einem Personaler ­ keine Neuigkeiten von sich mit, sondern
erinnere ihn nur an seine eigene Stärken und Schwächen."
Dies sei die beste Möglichkeit, Potenziale eines Menschen nachhaltig zu optimieren. Im Unternehmen sollen
auf diese Weise Talent und Position zusammenfinden. ,,Es
kann etwa fatale Folgen haben,
wenn ein ausgeprägter Zahlenmensch kein Gespür für die Bedürfnisse von Mitarbeitern hat,
doch genau in diesem Bereich
Verantwortung trägt", nennt
Benita Justus ein Beispiel dafür,
was bei der Besetzung von Stellen schief gehen kann. (djd)

Fotos: djd/Benita-JustusKatrin-Dugaro-Carrena

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