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Ortszeit

Seite 2 OrtszeitDachdeckerei Koschinski ­
50 Jahre Familiengeschichte
Traumberuf Dachdecker? Für
Günter Koschinski zunächst
nicht, aber als Alternative zum
Bergbau taugte er allemal, denn
mit 14 Jahren musste man
schließlich Geld verdienen!
Ebenso gut hätte er Artist werden können, denn Arbeitssicherheit wurde in dieser Zeit nicht
besonders groß geschrieben.
Handstand auf dem Kamin und
Leitern, die in Dachrinnen aufgestellt wurden, weil dem Kunden
ein Gerüst zu teuer war, waren
keine Seltenheit. Bei der Firma
Hoffmann machte er die Lehre bis zum Gesellen. Dank seines
Chefs, der sein Potential erkannte, lernte er dabei überdurchschnittlich viel und hatte jetzt
richtig Spaß an seinem Beruf. Er
sparte seinen Lohn und absolvierte die Meisterschule. Die damals noch nötige Eignungsprüfung dafür schaffte er mit Links.
Aber er wollte weiter hoch hinaus und sein eigener Chef sein.
So machte er sich vor 50 Jahren
in Dortmund-Sölde regelrecht

ohne Netz und doppelten Boden
selbstständig und biss sich durch,
mit unermüdlichem Einsatz und
trotz eines Arbeitsunfalls mit
zwei gebrochenen Handgelenken. Die kleine Familie, die er inzwischen hatte, musste versorgt
werden. Bald hatte sich die Firma
so etabliert, dass sogar Urlaube
unterbrochen werden mussten,
weil die Auftragsbücher aus allen
Nähten platzten.
Kein Wunder, dass seine Ehefrau
Reinhild Koschinski ihren beiden Söhnen zu einem kaufmännischen Beruf rät. Für Torsten,
den älteren der beiden, stellt das
Schicksal auf seinem Weg zum
Fachabitur dann die beruflichen
Weichen: Der Vater stürzt vom
Dach und liegt lange Zeit auf Messers Schneide im Krankenhaus.
Um den Betrieb zu retten geht es
für Torsten Koschinski regelrecht
von 0 auf 100. Er bricht die Höhere
Handelsschule ab, übernimmt die
Aufsicht über die Baustellen und
die Mitarbeiter und vertraut dabei
auf die praktische Erfahrung sei-

ner zwei Gesellen. Nach und nach
erlangt auch er viel an Praxiswissen, auch mit Beratung seines Vaters, der Gott sei Dank auf dem
Weg der Genesung ist, aber berufsunfähig bleiben wird. Es werden Nägel mit Köpfen gemacht:
Torsten Koschinski darf eine verkürzte Ausbildung zum Dachdecker machen und absolviert mit
25 Jahren in Windeseile seinen
Dachdeckermeister, denn es geht
um den Fortbestand der Existenz
seiner Eltern. Den Betrieb führt er

für seine Mitarbeiter und Kunden
innovativ, serviceorientiert und
ohne Risikofreude, denn Sicherheit in allen Bereichen hat für ihn
Priorität. Vor 20 Jahren setzt sich
sein Vater als Firmeninhaber zur
Ruhe. Die Firma Koschinski wird
als Familienbetrieb fortgeführt.
Ehefrau Silke Koschinski kümmert
sich viele Jahre um die Buchhaltung und Sohn Marvin wird der
Beruf in die Wiege gelegt. Er hat
die Meisterschule mit 20 Jahren
absolviert und bereitet sich durch
ständige Weiterbildungen auf die
Zukunft als Chef vor. Wenn er den
Fleiß, die Freude und die Qualitätsansprüche beibehält, ist der
Fortbestand der Firma für die Zukunft gesichert. Text u. Foto: E.B.

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Thomas Behrning (l.)
von der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe
überbrachte Blumen
und eine Urkunde
zum Jubiläum.

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