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Der Lippetaler

Seite 26 Der LippetalerDie Forderung ist klar: Sicherheit durch 1zu1
500 Bürger unterstreichen Wille der Bürgerinitiative ,,Sicherheit vor Therapie"
Kritische Blicke vom ,,Landesbeauftragen für den Maßregelzug": Er glaubt nicht, dass eine
Gesetzesänderung durchzusetzen ist.

Nicht nur Eickelborn...
Bis zuletzt haben die Veranstalter gezittert: Wird die Schützenhalle wirklich voll, ist das Interesse bei den Bürgern wirklich so
groß wie vermutet? Die Erleichterung war der Bürgerinitiative
anzusehen, als am Ende sogar noch Stühle aufgestellt werden
mussten, damit die mehr als 500 Zuhörer drei Stunden diskutieren konnten. Die meisten Zuhörer kamen dabei direkt aus
Eickelborn, Benninghausen und Lohe, Bürger aus Lippetal
oder dem direkt angrenzenden Kreis Warendorf waren eher
selten zu sehen.
Leider, denn man sollte sich nicht täuschen: Ohne Panik machen zu wollen, aber Schoneberg, Hovestadt oder Herzfeld ist
nicht weniger betroffen als Eickelborn direkt. Zurzeit sind es
noch sehr wenige Patienten, die die streng gesicherte Klinik
allein verlassen dürfen, das kann sich aber ändern. Deshalb
sollten auch die Kommunalpolitik und möglichst viele Bürger
genau verfolgen, was in Eickelborn geschieht und sich mit
einbringen.
Die ärztliche Leiterin der Fachklinik in Eickelborn lief zur
Hochform auf: ,,Wir alle wollen
hier Sicherheit, dafür arbeiten
wir", macht Dr. Nahlah Saimeh bei der großen Bürgerversammlung in Lippstadt-Eickelborn deutlich. Und wenig
später, als sie direkt auf den 1
zu 1-Ausgang angesprochen
wird: ,,Ich war und bin Fan dieser Regelung". Die Schützenhalle: bis auf den letzten Platz
besetzt. Mehr als 500 Bürger
- in erster Linie direkt aus Eickelborn, vereinzelt auch aus
den benachbarten Orten, hören gebannt zu. Die Bürgerinitiative ,,Sicherheit vor Therapie" und der Beirat der Klinik
26 | Lippetaler April/Mai 2018

haben gemeinsam zur Versammlung eingeladen: die Resonanz riesengroß.
In unserer Januar-Ausgabe
(nachzulesen unter www.derlippetaler.de) haben wir ausführlich die Hintergründe erklärt. die
Kurzfassung: Ein Gericht hat den
1zu1-Ausgang gestoppt. Nach
mehreren schlimmen Mordfällen durch Patienten vor über
20 Jahren in Eickelborn und
Benninghausen wurde diese
Sonderregelung eingeführt. Unbegleitete Ausgänge durfte es
direkt in Eickelborn, im ganzen
Kreis Soest und den Nachbarkreisen nicht mehr geben. Patienten wurden in ihre Heimat-

Volles Haus: Das Thema 1zu1-Ausgang interessiert an diesem Abend
mehr als 500 Zuhörer.
regionen gefahren, um dort die
ersten Schritte in Freiheit zu erproben. In und um Eickelborn
wurden die Patienten von Pflegekräften begleitet.
Regelung hat sich bewährt
Diese Sonderregelung hat sich
bewährt, darin waren sich bei
der Bürgerversammlung Ende
Februar wohl alle einig. Dass sie
vor Gericht keinen Bestand haben dürfte, war aber vielen klar:
Was in Dortmund, Münster oder
Köln erlaubt ist, kann nicht in
Eickelborn verboten werden,
sagten Richter in Hamm, das sei
mit den Gesetzen nicht zu vereinbaren.
,,Dann müssen die Gesetze
eben entsprechend verändert
werden", heißt die Antwort der
Bürgerinitiative. Dass das nicht
leicht wird, ist allen Beteiligten
klar. Der Landesbeauftragte für
den Maßregelvollzug, der neben der Klinikleitung auf dem
Podium der Bürgerversammlung sitzt, sieht das Unterfan-

gen sogar als nahezu unmöglich
an. Dem widersprechen sowohl
die Initiative als auch Lippstadts
Bürgermeister. In diesen Tagen
sind Gespräche in Düsseldorf
geplant. Als vor mehr als 20 Jahren die Eickelborner Sonderregelung eingeführt wurde, war
das Ganze auch eine hoch politische Angelegenheit. Minister
und sogar der Ministerpräsident
schalteten sich ein, machten den
Sonderweg für die gebeutelte
Bevölkerung in und um Eickelborn frei.
Teil des Sicherheitssystems
Bei der Versammlung wurde
mehrfach betont, dass der 1zu1Ausgang nur ein Teil eines kompletten Sicherheitssystems ist.
,,Die Forensik der 80er und 90er
Jahre ist mit der von heute nicht
zu vergleichen", betonte Dr.
Nahlah Saimeh gleich mehrfach:
Sie brachte den Vergleich eines
Kleinwagens aus den 60er Jahren mit einem Oberklassewagen
von heute. Ganz konkret: Wäh-

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