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LTO_Sonderausgabe_DAT2011

Seite 7 LTO_Sonderausgabe_DAT20117 www.LTO.de LEGAL TRIBUNE Als Jurist im Ausland++ FORTSETZUNG von SEITE 1 ++ Menschliche und beru? iche Berei-cherungDer in einer anderen rechtlichen Kultur ausgebildete Kollege durch-p? ügt verzweifelt seine Erinnerung nach der einschlägigen Einzelfall-rechtsprechung, wobei er über ein überwältigendes Wissen verfügt. Der Deutsche dagegen greift zuerst zur Methodik, um dann im Anschluss das Prüfungsergebnis mit der Rechtspre-chung abzugleichen. Am Ende ist es vielleicht gerade diese Vielfalt unter-schiedlicher Ansätze, die bei interna-tionalen Projekten zu überzeugenden Ergebnissen führt.Wer sein Metier dann auch noch in ein oder zwei Fremdsprachen ausüben kann, ist als in Deutschland ausgebil-deter Jurist mit Sicherheit bestens für den internationalen Einsatz gewappnet. Überheblichkeit gegenüber den Kolle-gen aus den anderen Rechtskreisen ist allerdings keineswegs angebracht.Die Erfahrung, Teil eines solchen internationalen Teams zu sein, ist viel-mehr eine große menschliche und be-ru? iche Bereicherung, die einen nicht zuletzt in die Lage versetzt, auch die eigene Ausbildung kritisch zu würdi-gen. Das dann aber gerne abends, beim Glas Rotwein, im Café de Flore.Matthias Zenner ist Chefsyndikus bei der Compagnie de Saint-Gobain und leitet die Rechtsabteilung für die Aktivitäten des Konzerns in Mittel- und Nordeuropa. Zuvor war er für Faurecia, eine Tochter des Peugeot-Konzerns, zwei Jahre in Paris tätig und hat anschließend in Deutschland die Rechtsabteilung aufgebaut. arbeiten und wie eine ef? ziente Ver-waltung aussieht. Wir sind heldenhaft durch zwei Staatsprüfungen gegan-gen, deren Prüfungsdruck schon in Deutschland seinesgleichen sucht.Was haben wir, zumal mit unserem Talent für Fremdsprachen, denn da zu befürchten, fragt sich der deutsche Ju-rist, den es nach seiner Ausbildung in die große weite Welt zieht.Der internationale Vergleich: Vieles anders, manch Deutsches über-? üssigDa emp? ehlt sich ein selbstkriti-scher Blick auf das Anforderungspro- ternehmensjuristen, dafür zu sorgen, dass man einen Richter oder gar einen Staatsanwalt eigentlich nicht mehr zu Gesicht bekommt.Auch fundierte Kenntnisse über die Tiefen und Untiefen des Prozessrechts benötigt der Unternehmensjurist nicht. Sein spanischer Kollege, der stattdes-sen einen LL.M. in den USA absolviert hat, hat da möglicherweise seine Zeit sinnvoller genutzt. So ist es keine Sel-tenheit, dass italienische oder franzö-sische Kollegen bei der Verhandlung eines Unternehmenskaufs noch nachts um zwei freihändig englischsprachige Klauseln in den Computer diktierten.Und doch bewährt sich auch im Verschiedene international täti-ge Konzerne haben inzwischen ihre Konzern-Rechtsabteilung, jedenfalls für Europa, in nur einem Land konzen-triert. Von dort aus betreuen Juristen unterschiedlicher Herkunft zentral die Rechtsfragen, die das jeweilige Hei-matrecht betreffen.Aus einer solchen Position heraus ergibt sich auch die Möglichkeit, sich als Spezialist beispielsweise für die gesamten europäischen Aktivitäten des Konzerns in Bereichen wie dem Kartellrecht oder dem M&A-Geschäft zu quali? zieren.Und? Gelingt es uns als deutschen Juristen, uns in diesem ungewohnten internationalen Wettbewerb mit den juristischen Kollegen anderer Länder durchzusetzen? Seien wir ehrlich zu uns selbst: Unsere spontane Reaktion ist Überheblichkeit. Die wollen uns das Wasser reichen?Unabhängig, prüfungsgestählt, ef? zient: Das deutsche Bollwerk?Als letztes Bollwerk gegen den Bologna-Prozess in Europa haben die deutschen Juristen ihre Ausbildung zum selbständigen und unabhängigen Denken bis zum heutigen Tage erfolg-reich verteidigt, wo unsere Kollegen aus dem romanischen Kulturkreis sich doch schon lange hatten verschulen lassen.Wir haben alle die Befähigung zum Richteramt erlangt, haben gesehen, wie Staatsanwälte und Großkanzleien © Daniel Mock ? Fotolia.com ? l des internationalen Wirtschaftsjuri-sten. Schnell stellt man fest, dass sich große Teile jedenfalls der praktischen Referendarausbildung in ihrer Bedeu-tung für einen international tätigen Syndikusanwalt stark relativieren las-sen. Ist es doch erste Aufgabe des Un- internationalen Vergleich unser deut-scher Ansatz immer wieder. Wir wer-den zu soliden juristischen Handwer-kern ausgebildet, die sich mit ihrer abstrakten und analytischen Herange-hensweise furchtlos jedem unbekann-ten Rechtsgebiet nähern. Anwälte im Web 2.0Mit dem Mandanten auf Klick und KlickBloggen zwischen Aktenstapeln, twittern in der Verhandlungspau-se: Immer mehr Rechtsanwälte erobern das Web 2.0. Ob Mandan-tenakquise oder Selbstdarstellung, die Ziele sind verschieden und ebenso der Erfolg. Glaubwürdig bleiben, Vertrauen schaffen und sich der Öffentlichkeit stellen ? wer das richtig macht, kann nur gewin-nen, sagen PR-Experten.Deutsche Rechtsanwälte lassen die Tasten glühen: Über 470 Blogs nennt das Verzeichnis www.jurablogs.com, Tendenz steigend. Bei Twitter sieht es ähnlich aus: Laut der Twitter-Liste von Ralf Zosel, Jurist und Community-Manager bei der Saarbrücker e.Consult AG, sind es aktuell über 430. Vor zwei Jahren zählte er nur 80.Dabei sind die Inhalte sehr unter-schiedlich: ?Einige Kollegen betrei-ben interessante und für Laien und Kollegen gut lesbare Blogs, die sehr unterhaltsam sind. Andere schreiben eher wissenschaftlich oder auf einem fachlich enorm hohen Niveau, das insbesondere für Laien nicht mehr auf Anhieb verständlich ist?, beobachtet der Kölner Rechtsanwalt und Fachan- walt für IT-Recht Dominik Boecker. Aber wenn die Zielgruppe stimme, müsse das kein Fehler sein, meint der Spezialist, der selbst in Seminaren sei-nen Kollegen das Werkzeug für Social Media an die Hand gibt.Sein Juristenkollege Christian Dingler, der in seiner Agentur genu-in4 in Köln Rechtsanwälte in Sachen Public Relations berät, sieht das ähn-lich: ?Es gibt wenige, die es schlecht machen und noch weniger, die es rich-tig gut machen.? Viele ? ngen jetzt erst an, das Web 2.0 für sich zu entdecken. ?Die Mehrzahl der in Social Media aktiven Anwälte kommt aus kleinen Kanzleien. Offizielle Social Media Angebote von Großkanzleien sind äußerst selten und bleiben hinter den Möglichkeiten zurück.?Weniger als ein Prozent der gesam-ten Anwaltschaft habe das Potenzial bisher erkannt, schätzt Rechtsanwalt Michael Friedmann aus Hannover, der als einer der Geschäftsführer der QNC Gmb H das Rechtsportal www.123recht.net betreibt.Vorurteile gegen das Medium könnten der Grund für die Zurück-haltung sein, so Experte Christian ++ WEITER AUF SEITE 8 ++

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