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Jahresrückblick_2018

Seite 49 Jahresrückblick_2018Dezember startete eine Rakete, um die Mondsonde
,,Chang'e 4" mit einem Roboterfahrzeug an Bord zum Erdtrabanten zu schicken. Als
erste Raumfahrtnation will
China damit ­ wohl noch in
diesem Jahr ­ eine Landung
auf der Rückseite des Mondes
versuchen. Im Mai wurde der
Übertragungssatellit
,,Queqiao" (Brücke der Elstern) in
eine bestimmte Position gebracht, um Signale aus dem
Funkschatten der erdabgewandten Seite des Mondes
zur Erde senden zu können.
Das Landemodul ,,Chang'e 4",
das nach der chinesischen
Mondgöttin benannt ist, soll
im wissenschaftlich interessanten Aitken-Krater nahe
des Südpols des Mondes aufsetzen.
2019 plant China eine weitere unbemannte Landung,
um Gesteinsproben zur Erde
zurückzubringen. Bis 2030
soll erstmals ein Chinese einen Fuß auf den Erdtrabanten setzen. Die Mondmissionen sind nur ein Teil des ehrgeizigen
Raumfahrtprogramms Chinas, das auch den
Bau einer Raumstation um
2022 vorsieht.
Chinas Raumfahrtvorhaben
dienen nicht nur dem Prestige
und der wissenschaftlichtechnischen
Entwicklung,
verfolgt werden ganz klar
auch militärische Interessen.
Militärexperten in China verweisen gerne darauf, dass
künftige Kriege im All gewonnen werden.

Indien

Indiens Weltraumprogramm ist für das 1,3-Milliarden-Einwohner-Land
eine
Frage von Stolz und Prestige.
Das machte Premierminister
Narendra Modi deutlich, als
er am Unabhängigkeitstag im
August ankündigte, dass bis
zum 75. Unabhängigkeitstag
im Jahr 2022 ,,ein Sohn oder
eine Tochter Indiens mit unserer Trikolore in der Hand
ins All fliegen" werde. Es wäre nicht der erste indische Astronaut im All, wohl aber der
erste in einem indischen
Fahrzeug.
Auch die zweite Mondsonde
des Landes, ,,Chandrayaan2", soll eine rein indische Angelegenheit werden ­ wobei
Russland ursprünglich den
Lander beisteuern sollte. Anhand von Daten eines NasaInstruments an Bord von
,,Chandrayaan-1" hatten USForscher im Jahr 2009 Spuren von Wasser auf dem
Mond gefunden. Der immer
wieder verschobene Start des
Nachfolgers ist derzeit für Januar 2019 geplant. Die Sonde
beinhaltet diesmal neben einem Orbiter auch einen Rover, der unter anderem das
Mondgestein chemisch analy-

sieren soll. Als erste Mondmission soll ,,Chandrayaan-2"
am Südpol des Erdtrabanten
landen.

Russland

Die
ersten
Kosmonauten sollen Anfang
der 2030er Jahre auf dem
Mond landen. 14 Tage sollen
sie bleiben. Russland will anknüpfen, wo die Sowjetunion
vor Jahrzehnten aufgehört
hat: Nach technischen Pannen hatte Moskau in den
1970er Jahren seine kostspieligen Pläne für eine Mondlandung auf Eis gelegt. Diesmal
setzen die Russen bei der Erforschung des Mondes auf eine Zusammenarbeit mit den
USA, Europa und China. Der
Chef der Raumfahrtbehörde
Roskosmos, Dmitri Rogosin,
betonte aber jüngst, dass sich
sein Land nicht mit der Rolle
des Juniorpartners begnügen
wolle.
Russland will sich auch an
dem US-Projekt einer Raumstation beteiligen, die um den
Mond kreisen soll. Von dort
aus sollen Flüge tiefer ins All
möglich sein, so die Hoffnung. Für den Bau einer solchen Station entwickle sein
Land Schwerlastraketen, sagte Rogosin. Vorher will Moskau noch mehrere Sonden
zum Erdtrabanten schicken.

Europa

Mit seinem Konzept des ,,Moon Village" hat
der Chef der europäischen
Raumfahrtorganisation Esa,
Jan Wörner, vor einiger Zeit
für Aufsehen gesorgt. Seine
Idee: Nicht ein kurzer Hinund Rückflug solle das Ziel
sein, sondern eine internationale gemeinsam von Industrie, Raumfahrtagenturen und
öffentlicher Hand geschaffene Mond-Basis. Ein klassisches Esa-Programm ist das
,,Moon Village" aber nicht,
nur eine Vision. Vorbild eines

solchen internationalen
Projekts könne die
Raumstation
ISS
sein, so Wörner:
,,Bei allen technischen Schwierigkeiten, die es
bei der ISS gab
­ es gab nie
politische.
Das ist etwas,
was man in
unserer volatilen
Welt
sehr
hoch
einschätzen
darf."
Die Esa unterstützt andere Raumfahrtagenturen bei ihren Mond-Plänen
vor allem mit Technik. Für die USRaumkapsel ,,Orion"
der Nasa hat die Esa
jüngst ein Servicemodul geliefert ­ das Herzstück des
Raumschiffes. Ohne dieses
Antriebsmodul könnte ,,Orion" nicht fliegen. Die Chinesen erhalten ebenfalls Hilfe
bei ihren Mondmissionen ­
etwa bei der Raumsonde
,,Chang'e-5", die ein Landefahrzeug auf den Mond bringen soll. Russland bekommt
technische Unterstützung bei
den Raumsonden ,,Luna 25"
und ,,Luna 27". ,,Wir sind Teil
der Mondgeschichte", so
Wörner.
Mit der ,,Lunar Mission
Campaign" bereitet die Esa
zudem eine Robotermission
zum Mond vor, um in der Folge eine menschliche Mondmission voranzubringen. Wie
es dabei konkret weitergeht,
ist noch offen ­ der Esa-Rat
tagt erst Ende 2019 dazu.

Japan

Auch Japan
hat
den
Mond fest im Blick. Die
Hightechnation will sich an
der Nasa-geführten Mission
beteiligen, die ab Mitte der

Auch für die Erdbewohner spielte der Mond im vergangenen Jahr eine besondere Rolle. Mit etwa 103 Minuten
Dauer ist am 27. Juli über weiten Teilen Deutschlands die
längste Mondfinsternis des Jahrhunderts zu sehen.

2020er Jahre den Bau einer
Raumstation in der Umlaufbahn des Mondes vorsieht.
Japan hegt die Hoffnung, eines Tages eigene Astronauten
zum Mond schicken zu können. 2007 hatte Japan seine
erste Mondsonde ,,Selene",
auch ,,Kaguya" genannt, auf
den Weg gebracht. Aufgabe
des Drei-Tonnen-Orbiters mit
zwei jeweils 50 Kilogramm
schweren Satelliten war es,
die Mondoberfläche zu erkunden.
Auf Aufnahmen der japanischen Mondsonde entdeckten
Wissenschaftler einen alten
Lava-Tunnel, der Forschern
künftig als Mondhotel dienen
könnte. Derzeit ist Japans
Weltraumagentur Jaxa dabei,
ein Landegerät zur Erkundung des Mondes zu entwickeln. Die SLIM (Smart Lander for Investigating Moon)
genannte Mission hat das
Ziel, eine präzise Navigation
zu einem bestimmten Landepunkt zu ermöglichen. Zudem wollen Japans Forscher
die Technologie für ein kleines, leichtes Explorationssystem zur Monderforschung
entwickeln.

Südkorea

So könnte aus Sicht der Europäischen Weltraumorganisation
(ESA) eine Basisstation auf dem Mond aussehen.
FOTO: ESA

Südkorea
will im Raumfahrt-Wettlauf
in Asien mit Japan, China und
Indien mithalten. Dabei geht
es der viertgrößten asiatischen Volkswirtschaft nicht
nur um das Geschäft mit der
Satelliten-Beförderung, sondern auch um Forschung. Bis
Ende 2020 soll die mit technischer Hilfe der Nasa entwickelte Sonde ,,Korea Pathfinder Lunar Orbiter" (KPLO) an
Bord einer Rakete des US-

Raumfahrtunternehmens
SpaceX zum Mond fliegen.
Südkoreas erste Mondmission
war ursprünglich für Dezember 2018 geplant.
Neben der Entwicklung der
Technologien für künftige
Raumflüge wird KPLO wissenschaftliche Instrumente
einschließlich einer Kamera
für die farbige Kartierung des
Mondes an Bord haben. In
der zweiten Phase des koreanischen Mondprogramms soll
in Eigenregie unter anderem
ein Mondlandefahrzeug entwickelt werden, wie es auf
der Internetseite des Raumfahrtprogramms heißt.

Israel

Die israelische
Organisation
SpaceIL will Anfang 2019 mit
einer kleinen Raumsonde
starten und etwa zwei Monate später auf dem Mond landen. Befördert werden soll
,,Sparrow" (Spatz) von einer
Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX
von Tesla-Chef Elon Musk.
Das unbemannte Mini-Raumschiff mit einem Gewicht von
585 Kilogramm und eineinhalb Metern Höhe soll eine israelische Flagge auf dem
Mond aufstellen und das Magnetfeld untersuchen. Initiiert wurde das Projekt 2011
als Teil des Wettbewerbs
,,Google Lunar X-Prize". Präsident von SpaceIL ist der israelische Milliardär Morris Kahn.
Er trägt ein knappes Drittel
der Gesamtkosten von umgerechnet 84 Millionen Euro.
SpaceIL erhält auch Unterstützung von der israelischen
Raumfahrtbehörde (ISA) und
Israel Aerospace Industries
(IAI).

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