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Jahresrückblick_2018

Seite 43 Jahresrückblick_2018Anfang des Jahres versuchte
Facebook, die Initiative zurückgewinnen. Mark Zuckerberg (Foto) kündigte im Januar überraschend an, dass die
Nutzer künftig mehr Beiträge
von Freunden im FacebookNewsfeed zu sehen bekommen ­ und weniger von Facebook-Seiten, denen man folgt.
So sei das besser für das
Wohlbefinden. Der Schritt
werde nicht nur den Konsum
von Katzenvideos (jedenfalls
mit dem Nutzer nicht persönlich bekannten Tieren) senken, sondern wohl auch einen
Teil der Medieninhalte etwas
aus dem Blickfeld rücken,
räumte Facebook ein.

Vermächtnis ­ auch in den
Augen seiner Kinder ­ sorgt.
Erst sah es danach aus, als
wäre der Sturm wieder einmal an Facebook vorbeigezogen ­ und dann kam der Fall
Cambridge Analytica ans
Licht. Auf den ersten Blick
war es nicht einmal der
schlimmste
DatenschutzFehltritt, den sich Facebook
in all den Jahren geleistet hatte. Ein Cambridge-Professor
hatte bei Facebook eine Umfrage-App veröffentlicht, mit
der Persönlichkeits-Merkmale
ermittelt werden konnten.
Spielerei auf den ersten Blick,
Daten für Forschung ­ oder
mögliche Manipulation ­ auf
den zweiten. Er hatte dabei
Zugriff nicht nur auf die Daten der rund 300.000 Nutzer,
die die Umfrage ausfüllten ­
sondern auch auf einige
Grundinformationen
ihrer
Facebook-Freunde.
Damit
ging es um Dutzende Millionen. Das war auch erlaubt, so
funktionierte die Plattform
damals, bis Facebook den Zugang zu den Daten von Freunden 2014 schloss.

Kurswechsel
Es wirkte wie ein Befreiungsschlag, um dem Schlamassel
mit dem US-Präsidentschaftswahlkampf zu entkommen:
Weniger Platz für Politik bedeutet auch weniger Gefahr,
dass nächstes Mal wieder gefälschte
Propaganda-Accounts ihr Unwesen treiben.
Nach all den Jahren, in denen Facebook alles und jeden
­ Unternehmen, Medien, Influencer, Videofilmer ­ auf
die Plattform zu locken versuchte, wirkte das wie ein
Kurswechsel. Und Zuckerberg
sagte der ,,New York Times":
,,Es ist wichtig für mich, dass
wenn Max und August aufwachsen, sie das Gefühl haben, dass das, was ihr Vater
aufgebaut hat, gut für die
Welt war." Noch nie hatte der
manchmal etwas emotionslos
wirkende Milliardär so offen
gezeigt, dass er sich um sein
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wusste, aber sich mit der Zusicherung zufriedengab, dass
die Informationen gelöscht
worden seien, goss noch Öl
ins Feuer. Zuckerberg wurden
vor den US-Kongress zitiert und
dort
insgesamt
zehn Stunden lang
gegrillt. Der Ton
war nicht freundlich. So beschloss
Senator Dick Durbin, den Wert von
Privatsphäre am
Facebook-Chef
persönlich zu demonstrieren.
,,Mister Zuckerberg, würden Sie
sich wohl damit
fühlen, uns mitzuteilen, in welchem Hotel Sie
die vergangene Nacht verbracht haben", fragte der 73jährige Demokrat in der Anhörung. Nein, Zuckerberg
war nicht wohl dabei. ,,Um...
Äh...", entgegnete der verblüffte Tech-Milliardär und
quittierte die Frage vorsichtig
lächelnd mit einem ,,Nein".
Nachdem er auch nicht berichten wollte, wem er diese
Woche Kurzmitteilungen geschrieben hat, resümierte
Durbin süffisant: ,,Ich denke,
das zeigt, worum es hier eigentlich geht."
Zuckerberg entschuldigte
sich viel auf dem Capitol Hill.
Und danach auch vor dem
Europaparlament sowie in
Blogeinträgen und Medieninterviews. Wenige Monate später musste er aufgebrachte
Gemüter beruhigen, nachdem
Hacker sich Zugriff zu Profi-

Vom US-Kongress gegrillt
Regelwidrig war für den
App-Entwickler hingegen, die
Daten an Cambridge Analytica weiterzugeben. Besonders
brisant machte den Fall auch,
dass die Datenanalysefirma
später für Trumps Wahlkampfteam arbeitete. Entsprechend weitete sich der eigentlich Jahre zurückliegende Fall zu einem Skandal aus.
Dass Facebook seit Ende 2015
von dem Datenmissbrauch
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len von 30 Millionen Nutzern
verschafften. Und sich rechtfertigen, nachdem bekannt
wurde, dass Facebook eine
PR-Firma engagierte, um die
Glaubwürdigkeit von Kritikern zu untergraben.
Zuckerberg erklärte, er habe davon
erst aus einem
Bericht
der
,,New
York
Times" erfahren.
Inzwi-

schen belasten die Probleme
auch das Geschäft. In Europa
verlor Facebook in zwei Quartalen in Folge jeweils eine
Millionen Nutzer und hat hier
noch 375 Millionen mindestens einmal im Monat aktive
Mitglieder. Aber auch insgesamt steht Facebook
ein Umbruch in seinem
Werbegeschäft
bevor, der die jahrelang auf Hochtouren
laufende Geldmaschine
des Online-Netzwerks abbremsen wird.

Neue Formate
Die
Mitglieder
teilen ihre Beiträge verstärkt
im
kleineren
Freundeskreis
statt im Newsfeed, der bisher
das Herzstück
der FacebookNutzung war.
Das Problem
für das Online-Netzwerk:
Aktuell kommen die Milliardengewinne
fast
ausschließlich aus
dem
Newsfeed, der viel
Platz für Anzeigen bietet.
Beim Geldverdienen in
seinen
Chatdiensten
WhatsApp und Messenger
sowie den neuen Formaten
auf der Facebook-Plattform
steht die Firma dagegen
erst am Anfang.
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Im Rampenlicht der Tech-Industrie
Neben Zuckerberg werden 2019 auch weitere Manager aus der Netzwelt im Fokus der Öffentlichkeit stehen
Jeff Bezos
Kursgewinne der Amazon-Aktie haben
den 54-jährigen Gründer des weltgrößten Online-Händlers zum reichsten Menschen der Welt gemacht. Zum
Jahresende schätzt der Finanzdienst
Bloomberg sein Vermögen auf 139
Milliarden Dollar. Der Titel lenkt stärker das Augenmerk auf die Arbeitsbedingungen bei Amazon ­ aber auch darauf, was Bezos aus
seinem Vermögen
macht. Im September kündigt er an,
zwei Milliarden
Dollar für Kindergärten und
den
Kampf
gegen
Obdachlosigkeit
zu spenden.

Sundar Pichai
Auf dem 46-jährigen Google-Chef lastet eine immer größere Verantwortung. Er muss den Internet-Konzern durch heftigen politischen Gegenwind steuern, während sich Google-Mitgründer
Larry Page an der Spitze der Dachgesellschaft Alphabet weitgehend aus dem
Tagesgeschäft zurückgezogen hat. Von Pichais Weichenstellungen zu Themen
wie künstliche Intelligenz,
Datenschutz und Hass im
Netz hängt die Zukunft
von Google ab ­ in
vieler
Hinsicht
auch, in welche
Richtung es mit
dem Web weitergeht.

John Krafcik
Der 57-Jährige spielt eine Vorreiterrolle in der
Autoindustrie. Unter seiner Führung startet
die Google-Schwesterfirma Waymo den weltweit ersten kommerziellen Robotertaxi-Service. In einem Vorort der Stadt Phoenix in Arizona können Einwohner weiße Minivans bestellen, die zunächst in einem eingeschränkten Gebiet unterwegs sind. Waymo experimentiert auch mit Roboterwagen, die ganz
ohne Sicherheitsfahrer am Steuer auskommen sollen. Mit einem
Erfolg könnte Waymo
den Anspruch auf die
Führung im autonomen Fahren untermauern und andere
Entwickler sowie die
Autohersteller unter
Druck bringen.

Das Jahr 2018 | 43

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