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Jahresrückblick_2018

Seite 41 Jahresrückblick_2018Events statt Kunst
In den großen Auktionshäusern halten medienwirksame Events Einzug. Der Kunstmarkt ist gierig,
das Angebot begrenzt. Geld kann man inzwischen sogar mit Maschinen-Bildern machen.

W

Von Dorothea Hülsmeier
o ist eigentlich
der
,,Salvator
Mundi" geblieben, das Bild
von Leonardo da Vinci, das
für legendäre 450 Millionen
Dollar versteigert wurde? Der
absolute Auktions-Weltrekord
ließ Ende 2017 den Kunstmarkt weltweit fast in Ekstase
fallen. Ein Jahr danach hing
das Jesus-Gemälde immer
noch nicht wie versprochen
im Louvre Abu Dhabi, und
Spekulationen über die Echtheit des Rekord-Bildes blühen.

Nur noch Schnipsel
2018 hat sich der Kunstmarkt
wieder in Preisbereichen eingependelt, wo zumindest im
Top-Segment Erlöse in zweibis dreistelliger Millionenhöhe inzwischen als normal gelten. Jahresspitzenreiter ist ein
Aktgemälde von Amedeo Modigliani, das für 157 Millionen US-Dollar (etwa 132 Millionen Euro) bei Sotheby's
den
Besitzer
wechselte.
Deutschlands teuerster lebender Maler Gerhard Richter
rangiert mit 32 Millionen
Dollar für eine abstraktes Bild
immerhin noch auf Platz 30
der höchsten Auktionserlöse
des Jahres 2018.
Doch weniger die Preisrekorde als spektakuläre Events
in den Auktionssälen hielten
die Branche in Atem. Da lief
ein Bild des britischen Graffiti-Künstlers Banksy bei Sotheby's durch einen im Rahmen
versteckten Schredder, kurz
nachdem der Hammer bei
umgerechnet 1,2 Millionen
Euro gefallen war. Übrig blie-

Das Gemälde ,,Liegender Akt (auf der linken Seite)" des italienischen Malers Amedeo Modigliani brachte etwa 132 Millionen Euro ein. Damit ist das Werk der Jahresspitzenreiter.
ben nur längliche Schnipsel.
Ein PR-Coup für Sotheby's
und Banksy gleichermaßen.
Fast ebenso medienwirksam
war die Versteigerung eines
von einem Algorithmus produzierten Porträts im Stil des
19. Jahrhunderts bei Christie's: Rund 430.000 Dollar
brachte der verschwommene
Mann. ,,Künstler" waren Studenten, die eine Maschine
mit Daten gefüttert hatten.
Über die Qualität des Computer-Porträts braucht man
nicht zu streiten. Sie ist einfach schlecht. Aber der PRCoup ging auf ­ und erbrachte darüber hinaus eine stattliche Summe. Mit solchen

Banksys Coup: Sein Werk ,,Girl with Balloon" wurde kurz
nach der Versteigerung geschreddert.

,,Gags" werde Geld gemacht,
ärgert sich Hans Neuendorf,
Gründer des Internetdienstleisters Artnet. ,,Das ist doch
peinlich", sagt er. ,,Reden da
auch noch welche über
Kunst? Es wird nur noch über
Preise geredet."
Die Auktionshäuser jedenfalls geben sich mit ihrem Geschäft hoch zufrieden. Sotheby's habe innerhalb einer Woche im November mit Auktionen in New York, Genf, London und Paris sowie online
Objekte für mehr als eine Milliarde Dollar verkauft, sagt
Bastienne Leuthe, Expertin
für zeitgenössische Kunst bei
Sotheby's Deutschland. Kon-

kurrent Christie's erlöste allein bei der Versteigerung der
Rockefeller-Sammlung 833
Millionen Dollar ­ es war die
bisher teuerste versteigerte
Privatkollektion.
,,Das Interesse für Kunst ist
allgegenwärtig, die Nachfrage
für marktfrische Werke mit
hervorragender Qualität hält
an", sagt Leuthe. ,,Der Ausblick auf das kommende Jahr
könnte nicht besser sein."
Auch die deutschen Auktionshäuser, deren Umsatz sich mit
den großen Kunsthäusern
Sotheby's und Christie's zwar
nicht messen kann, zeigen
sich optimistisch. Aber sie
verhehlen auch den Kampf

um das knappe Angebot
nicht. ,,Das Geschäft läuft bei
uns
entgegen
manchem
Trend extrem positiv", sagt
Robert Ketterer vom gleichnamigen Auktionshaus in
München. ,,Auf dem Kunstmarkt verschärft sich aber ein
allgemeiner Trend: Die gefragten Objekte werden immer weniger und der Kampf
um sie größer", so Ketterer.
,,Das führt am Ende dazu,
dass das Geschäft auf immer
weniger
Häuser
verteilt
wird."
Die Rekordpreise führen bei
manchen Einlieferern inzwischen zu überzogenen Preisvorstellungen. Aber Sammler
kaufen trotzdem nicht um jeden Preis. So gingen Objekte
bei Auktionen auch reihenweise zurück. ,,Nur wenn es
eine Top-Arbeit ist, ein exemplarisches Werk mit hoher
Wiedererkennung, tadelloser
Provenienz und einem attraktiven Preis, dann geht nichts
schief", sagt Ketterer.

Online wird wichtiger
Sowohl Ketterer als auch Van
Ham in Köln sehen einen
Trend zur Kunst des 19. Jahrhunderts ­ die nicht so teuer
ist. Markus Eisenbeis vom
Kölner Auktionshaus Van
Ham hat eine Erklärung dafür. Für 20.000 bis 50.000 Euro bekomme man ,,tolle Werke" aus dem 19. Jahrhundert.
Im 20. Jahrhundert werde
man für solche Summen nicht
mehr mehr fündig. Immer
wichtiger fürs Geschäft würden auch die inzwischen alle
zwei Wochen angesetzten Online-Auktionen. ,,Das darf
aber keine Resterampe sein."

Das Kunstwerk ,,Edmond de Belamy", vor dem diese Menschen stehen, wurde von einer
künstlichen Intelligenz erschaffen.
FOTOS: DPA

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