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Jahresrückblick_2018

Seite 40 Jahresrückblick_2018Elon Musk und Tesla

Spaceman behält
den Bodenkontakt
Elon Musk hat das vergangene Jahr geprägt
wie kaum ein zweiter Unternehmer. Der Tesla-Chef pöbelte bei Twitter, kiffte vor laufender Kamera und brachte die Börsenaufsicht
gegen sich auf. Am Ende bekam er die Kurve.

Von der ,,Produktionshölle" zum
Rekordgewinn: Das Jahr 2018
brachte Tesla-Chef Elon Musk ans
Limit, doch letztlich konnte er es
seinen Kritikern doch noch zeigen.
Das bedeutet aber nicht, dass das
kommende Jahr für den schillernden Tech-Milliardär zur Siegesrunde wird ­ trotz der jüngsten Erfolge bleiben etliche Herausforderungen.
Tesla lieferte mit seinem Hoffnungsträger Model 3 eines der
größten Dramen des abgelaufenen
Wirtschaftsjahres. ,,Tesla stand
während des Anlaufs der Model3-Produktion wirklich einer ernsthaften Todesgefahr gegenüber",
räumte Musk kürzlich ein.

Zitterpartie mit dem Model 3
Die Euphorie war riesig, doch mit
dem günstigeren E-Auto, das Tesla
den Weg in den Massenmarkt ebnen soll, hätte sich Musk fast übernommen. Man habe ,,wie verrückt"
Geld verloren und kurz vor der
Pleite gestanden, gab der TeslaChef im Nachhinein zu.
Der umtriebige Tech-Unternehmer, der neben Tesla auch noch
das Weltraumunternehmen SpaceX und die Tunnelbohr-Firma Boring Company betreibt, schien
zeitweise mit den Nerven am Ende. Musk blaffte Finanzanalysten
an, pöbelte bei Twitter, kiffte vor
laufender Kamera und stritt öffentlich mit der US-Börsenaufsicht
SEC. Nach all den Eskapaden und

Problemen beim Model 3 schlug
Ende Oktober jedoch Musks Stunde des Triumphs. Tesla schaffte im
dritten Quartal einen Überschuss
von 312 Millionen Dollar ­ der
größte Gewinn in der Geschichte
des 2003 gegründeten Unternehmens, das zuvor überhaupt nur
zweimal ein Vierteljahr mit
schwarzen Zahlen abschließen
konnte.
Als ,,wahrhaft historisch" bezeichnete Musk die Ergebnisse und
auch bei Anlegern war die Erleichterung nach dem Rekordminus
von 718 Millionen Dollar im Vorquartal groß. ,,Man sollte nie
selbstgefällig werden, also müssen
wir weiter hart arbeiten ­ aber ich
denke, wir sind über den Berg",
sagte Musk dem Tech-Blog ,,Recode" im November.
Zuvor hatte der 47-jährige Starunternehmer überraschend düstere Einblicke in sein Seelenleben offenbart. Es sei ,,das schwierigste
und schmerzhafteste Jahr meiner
Karriere", sagte Musk. ,,Es war unerträglich." Er könne manchmal
nur mit einem Schlafmittel Ruhe
finden.
Inzwischen scheint Musk wieder
obenauf. Teslas Aktienkurs ist seit
Wochen im Höhenflug ­ an der
Börse ist der Elektroautobauer mit
zuletzt gut 58 Milliarden Dollar
deutlich mehr wert als die USMarktführer General Motors und
Ford. Doch auch wenn die Skeptiker vorerst verstummt sind ­ Tesla

und Musk haben weiter alle Hände
voll zu tun. Ob die Firma dauerhaft profitabel wirtschaften kann,
muss sich erst zeigen. Die jüngsten
Quartalszahlen waren von Sonderfaktoren geprägt, zudem bleibt
Musk das Model 3 für 35.000 Dollar immer noch schuldig. Bislang
gibt es nur teurere Versionen mit
entsprechend höheren Gewinnspannen zu kaufen. Erschwerend
hinzu kommt, dass die staatliche
E-Auto-Prämie von 7500 Dollar in
den USA 2019 ausläuft.

Tesla muss jetzt abliefern
Und auch wenn die von Musk
selbst wiederholt als ,,Produktionshölle" beschriebene Massenfertigung des Model 3 mittlerweile gut
in Fahrt gekommen ist, muss Tesla
zeigen, dass es kontinuierlich hohe
Stückzahlen liefern kann. Darüber
hinaus kämpft Musk weiter mit
den Folgen seines missglückten
Plans, Tesla von der Börse zu nehmen.
Weil die SEC zu dem Schluss
kam, dass Musk falsche Angaben
machte, als er im August bei Twitter eine Privatisierung Teslas erwog, musste der
Firmenchef
bereits Strafe zahlen
und den Vorsitz
im übergeordneten
Verwaltungsrat abgeben. Es laufen jedoch
weiter Anlegerklagen mit
dem Vorwurf der Markt-

manipulation. Zudem ermittelt die
SEC wegen des Verdachts irreführender Prognosen zum Model 3.
Trotz aller Herausforderungen
macht Musk ständig mit neuen
abenteuerlichen Ideen von sich reden. Zuletzt führte er in Los Angeles mit der Boring Company eine
Teststrecke eines High-Tech-Tunnelsystems vor, das eines Tages
den zähen Verkehr in US-Metropolen revolutionieren soll. Endlich
gebe es etwas, das das ,,gottverdammte Verkehrsproblem" lösen
könnte, triumphierte Musk.
Dass der Tesla-Chef wieder guter
Dinge ist, darauf weist auch die
,,fart app" hin - eine neue versteckte Funktion für Tesla-Autos. Dem
US-Blog ,,Electrek" zufolge soll die
Furz-Simulation als Teil eines Software-Updates auf das Bordsystem
aufgespielt werden und auf
Wunsch ,,on demand"
oder beim Blinken
Pupsgeräusche machen. Fest steht: Auch
2019 dürfte Elon
Musk keine Langeweile aufkommen lassen.

FOTOS: DPA

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