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Jahresrückblick_2018

Seite 39 Jahresrückblick_2018Die Politik agiert reichlich
hektisch ­ ein ,,Diesel-Gipfel"
folgt dem anderen. Der mühsam erkämpfte Kompromiss
mit der Autoindustrie, den
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) anpreist,
ist nicht ohne Hintertür.
Zwar haben sich VW und
Daimler bereit erklärt, bis zu
3000 Euro zuzuschießen,
wenn Kunden die Hardware
ihrer Diesel nachrüsten wollen ­ während sich die Hersteller erst mit Händen und
Füßen gegen die Nachrüstung
an Motor und Abgasreinigung
gewehrt hatten. Aber die
technischen Lösungen dürften nicht vor 2020 vorliegen.
Dieselfahrer müssen daher
weiter zittern, Kritiker sprechen gar von ,,Tricksen" und
,,Aussitzen" des Problems.
Und: BMW lehnt Hardware-Nachrüstungen weiter
ab, will Dieselbesitzer aber
ebenfalls mit 3000 Euro etwa
für den Neukauf unterstützen. Zuvor hatten die Hersteller Rabatte auf den Weg gebracht, wenn Kunden ihre alten Diesel in Zahlung geben
und einen moderneren Wagen kaufen.

Langsam aus der Nische
Noch immer hinkt Deutschland in Sachen E-Autos hinterher. Christoph Stürmer,
Analyst der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, sagt:
,,Es gelingt den Herstellern
hierzulande noch nicht, die
hohe Nachfrage schnell genug zu bedienen." Ein
schlechtes Omen? Nicht un-

Unrühmliche Tierversuche
Erstaunliche Bilder gingen
zum Jahresbeginn 2018 um
die Welt: Mehrere als Versuchsobjekte benutzte
Affen kauern im Testlabor im US-Wüstenstaat New Mexico und
atmen Abgase eines VW Beetle
ein, während ihnen Zeichentrickfilme gezeigt werden.
Die Tests einer
von VW, Daimler und BMW finanzierten Lobby-Initiative wa-

FOTO: DPA

bedingt, langsam arbeiten
sich die Anbieter in preiswertere Gefilde vor ­ bis jetzt gelten Elektromobile als teuer. In
China, den USA und auf den
fünf wichtigsten europäischen Märkten stieg die Zahl
der E-Neuzulassungen laut
PwC in den ersten neun Monaten um 48,2 Prozent auf
mehr als 1,7 Millionen Stück.
Ab 2020 rechnet Branchenexperte Stefan Bratzel mit einer
,,deutlichen Steigerung der
Marktdynamik".
Denn während bis jetzt vor
allem der E-Auto-Pionier Tesla mit seinem Model 3 den
Massenmarkt ansteuert, lässt
Volkswagen ab Ende 2019 seine elektrische ID-Modellfamilie anrollen. Auch ein E-Klein-

wagen für unter 20.000 Euro
ist geplant. 44 Milliarden Euro will VW bis 2023 in Zukunftstechnologien stecken,
30 Milliarden Euro davon in
die Elektromobilität. Gleichzeitig erfasst der Umbruch
die Belegschaft ­ für E-Autos
werden weniger Mitarbeiter
gebraucht. VW-Konzernchef
Herbert Diess macht aber
klar, dass es in Emden und
Hannover, wo bald auch Elektrowagen gebaut werden sollen, keine betriebsbedingten
Kündigungen geben werde.
Dennoch soll die Mitarbeiterzahl sinken.
Auch andere deutsche Hersteller treiben ihre Elektropläne voran. Daimler bringt Mitte 2019 das erste Fahrzeug
der Marke EQ auf den Markt,
einen
batteriebetriebenen
Stadtgeländewagen.
BMW
sieht sich hier ohnehin in der
Vorreiterrolle, 2021 soll der
i4 als Konkurrenz zu Tesla auf
den Markt kommen. Die Musik allerdings spielt zunächst
woanders. ,,China setzt sich
als Leitmarkt der E-Mobilität
zunehmend von den anderen
automobilen
Kernregionen
wie Europa und den USA ab",
urteilt Bratzel. Allein in der
ersten Jahreshälfte wurden in
China rund 412.000 Elektroautos verkauft ­ ein Plus von
111 Prozent.

Batteriezellen aus China

Autofahrer in immer mehr Großstädten müssen sich bald mit
Fahrverboten herumschlagen.
FOTO: DPA

E-Autos sollen der Branche
den Weg in die Zukunft ebnen ­ bei der Herstellung der
Batteriezellen aber hält man
sich in Deutschland bis jetzt
zurück. Nach Diess` Worten
prüft VW die Beteiligung an
einer Batteriezellfertigung inzwischen ,,sehr viel konkreter". Dennoch gilt: BMW,
Daimler und VW kaufen die
Zellen in Asien und bauen sie
zu Akkus zusammen. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh
mahnt immer wieder, die Batterie habe einen Wertschöpfungsanteil von 40 Prozent

am künftigen Auto: ,,Wir werden Batteriefabriken bauen
müssen."
Das
sieht
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ähnlich ­ und plant einen
milliardenschweren Anschub
für die Batteriezellfertigung
in Deutschland. Bis 2021 will
die Bundesregierung demnach eine Milliarde Euro zur
Verfügung stellen. Mehrere
Konsortien seien dabei, sich
zu bilden. Als Ziel gab Altmaier an, dass 2030 bis zu 30
Prozent der weltweiten Produktion aus Deutschland und
Europa stammen sollen.

Schärfere CO2-Grenzwerte
Immer wieder haben die
deutschen Autobauer betont,
dass der Diesel noch gebraucht werde ­ spätestens
jetzt ist auch klar, wieso. Die
EU-Staaten wollen, dass Neuwagen 2030 durchschnittlich
35 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als 2020. Je
strenger die Vorgaben, desto
mehr emissionsfreie oder
emissionsarme Autos müssen
die Hersteller verkaufen ­ also reine Elektroautos oder die
als etwas klimafreundlicher
geltenden Diesel, deren Anteil allerdings seit langem
sinkt. Der Branchenverband
VDA beklagt, die europäische
Autoindustrie werde im internationalen Wettbewerb stärker belastet, Arbeitsplätze
würden aufs Spiel gesetzt.
Kaum jemand dürfte den
Verbrauchsangaben noch geglaubt haben, die der alte
Prüfzyklus NEFZ auswarf.
Das sollte sich mit dem seit
September geltenden WLTPStandard ändern. Doch Europas Autobranche kämpft mit
der Umstellung, vor allem
Volkswagen hadert damit und
kommt wegen der Vielzahl an
Motor-Getriebe-Varianten bei
der Typgenehmigung nur
schleppend voran. Die Folge:
VW handelte sich ein herbes
Minus bei den Auslieferungen

ren Teil einer Studie, die
zeigen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung
dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. Zwischenzeitlich
kam sogar der Verdacht
auf, dass es Schadstofftests
mit Menschen gegeben haben soll.
Der zuständige Institutsleiter Thomas Kraus von
der Universität Aachen
wies dies zurück. Doch der
Image-Schaden ist da ­ als
hätte die Branche nicht
schon genügend Baustellen.

» China setzt sich
als Leitmarkt der
E-Mobilität zunehmend von den anderen automobilen
Kernregionen wie
Europa und den
USA ab. «
Branchenexperte
Stefan Bratzel
ein. Daimler wiederum hat
inzwischen zwei Mal seine
Prognosen gesenkt, auch
BMW hat seine Gewinnprognose gekappt.
US-Präsident Donald Trump
hat ganz eigene Vorstellungen vom Welthandel ­ und
die deutschen Autobauer stören ihn besonders. Der Streit
um mögliche Sonderzölle auf
Autos aus der EU bereitet daher vor allem den deutschen
Herstellern Sorgen. Studien
zufolge würden in der USBranche Tausende Jobs verloren gehen, wenn Trump seinen Willen durchdrückt.
Noch gibt es Hoffnung, dass
die USA auf die Sonderzölle
verzichten. Für den Fall der
Fälle hat die EU aber schon
eine Liste von Vergeltungsmaßnahmen vorbereitet. ,,Es
könnten Autos sein, es könnte
der Agrarsektor sein, es kann
alles sein", sagt EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström.

Das Jahr 2018 | 39

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