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Jahresrückblick_2018

Seite 33 Jahresrückblick_2018Zwischen Starkregen und Dürre

Dauerhitze und Sonne satt
Gefühlter Dauersonnenschein vom Frühling bis in den Herbst. Allein von
Juni bis Ende August schien im bundesweiten Durchschnitt rund 770
Stunden lang die Sonne, damit liegt die Bilanz um 30 Prozent über
dem Sollwert von 604 Stunden. Auf Rügen konnten sich Bewohner sogar über örtlich mehr als 900 Stunden Sonnenschein freuen. Der Sommer 2018 sei einer der drei sonnenscheinreichsten
seit Beginn der Messungen im Jahr 1951 gewesen, so der
DWD. Zudem war es auch der Zweitheißeste seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Nur der
Rekordsommer 2003 überstieg mit einer Durchschnittstemperatur von 19,7 Grad noch den Durchschnittswert
von 19,3 Grad in den diesjährigen Sommermonaten Juni
bis August, wie der Wetterdienst bilanziert. Ganz besonders heiß wurde es in Bernburg an der Saale: An insgesamt zwölf Tagen wurden dort Temperaturen von mehr als
35 Grad gemessen. Am 31. Juli gab es dort zudem mit 39,5
Grad den höchsten Einzelwert des Sommers 2018 in
Deutschland.

Niedrigwasser, Fährstopp und ,,Atlantis"
Über die eigentlichen Sommermonate hinaus und bei weiterhin häufig sommerlichen Temperaturen hatte die Trockenheit Auswirkungen bis in den kalendarischen Herbst. Die Wasserstände von Flüssen und Seen sanken. Am Loreley-Felsen
etwa fiel der Niedrigwasserrekord des Rheins aus dem Jahr 2003. Mehrere Rheinfähren mussten den Betrieb vorübergehend einstellen, auch Ausflugsschiffe zwischen Köln und Mainz mussten pausieren. Am nordhessischen Edersee zeigte sich
das ,,Edersee-Atlantis" einmal wieder: Dort waren die versunkenen Ruinen von
Dörfern, die beim Bau des Stausees aufgegeben wurden, plötzlich wieder zu sehen. Fußgänger bei Bingen konnten trockenen
Fußes den ,,Mäuseturm" im Rhein erreichen.
Das extreme Niedrigwasser des Rheins hatte
aber auch Auswirkungen auf Autofahrer in
Süd- und Westdeutschland ­ es führte zu Engpässen und Preisanstiegen bei vielen Tankstellen. Den Grund nannte der Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands, Alexander von
Gersdorff, im Herbst: Da die Tankschiffe auf
dem Weg vom Ölzentrum Rotterdam flussaufAufgrund von Niedrigwasser ra- wärts nicht mehr voll laden konnten, gab es
gen am Rhein Buhnen aus dem am Rhein vorübergehend leere oder nur teils
gefüllte Tanklager.
Wasser.

Auch wenn das Wetter
in Deutschland nicht
mit dem in Südspanien zu vergleichen ist ­
in vielen Regionen
warteten Bauern und
Förster vergeblich auf
den immer stärker herbeigesehnten Regen.
Im
bundesweiten
Durchschnitt fiel mit
130 Litern pro Quad- Wenn es regnete, dann oft
ratmeter nur 54 Pro- gleich heftig.
zent des Regen-Solls ­
darin sind die Fälle von Starkregen, die örtlich für Überschwemmungen sorgten, eingerechnet. In Thüringen
fielen nur rund 95 Liter Wasser pro Quadratmeter, in
Sachsen-Anhalt gerade einmal 65.
Die Folgen waren teils dramatisch, je weiter der Sommer vorrückte: Verdorrte Wiesen, Dürre auf den Feldern, Waldbrände vor allem in Teilen Brandenburgs. Bei
einem ­ für deutsche Maßstäbe riesigen ­ Waldbrand
südlich von Berlin kämpften im August mehr als 3000
Einsatzkräfte tagelang gegen die Flammen.
Während viele Landwirte schmerzhafte Ernteeinbußen hinnehmen mussten, gab es auch Gewinner: Viele
Weinbauern freuten sich nicht nur über eine überdurchschnittliche Lese, die Trauben waren zudem von hoher
Qualität. ,,Die Menge ist ordentlich und die Güte ist
wahnsinnig gut. Ein Jahrgang für die Geschichtsbücher", sagte Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen
Weinbauverbandes.
Nach Einschätzung des DWD könnte sich 2018 als eines der fünf trockensten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 130 Jahren herausstellen. Im Oktober etwa waren rund
70 Prozent der Fläche
Deutschlands von extremer Trockenheit
betroffen, so DWDAgrarmeteorologe
Hans
Helmut
Schmitt. Als besonders problematisch
sah er die Kombination aus hohen Temperaturen und geringen
Eine vertrocknete Zuckerrübe
Niederschlägen.
auf einem Feld in Duisburg.

Ehrgeizige Ziele, kleine Schritte
Was bringt die Weltklimakonferenz?
Berlin/Kattowitz. Es ist eine
Konferenz der Superlative: Vertreter von fast 200 Staaten haben zwei Wochen im polnischen Kattowitz über eine
Schicksalsfrage der Menschheit
beraten. Gelingt es, die Erderwärmung auf ein erträgliches
Maß zu begrenzen?
In vielen Regionen sei der Klimawandel schon jetzt eine
,,Frage von Leben und Tod",
mahnte
UN-Generalsekretär
António Guterres in seiner Eröffnungsrede. Doch auch in
diesem Jahr steigt der Ausstoß
des Klimakillers Kohlendioxid

erneut an, statt zu sinken. Noch
immer werden in vielen Staaten massiv neue Kohlekraftwerke gebaut, noch immer fahren
die meisten Autos nicht elektrisch, noch immer sind viele
Wirtschaftssektoren auf Öl,
Kohle und Gas ausgerichtet.
Warnsignale gibt es reichlich:
Die Jahre 2015 bis 2018 waren
nach ersten Analysen der Weltwetterorganisation die vier
wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert.
Auf der UN-Klimakonferenz
in Paris vor drei Jahren hatte

man sich darauf geeinigt, die
Erderwärmung möglichst auf
1,5 Grad zu begrenzen. Viele
Länder haben sich seither nationale Reduktionsziele gesetzt.
In Kattowitz einigten sich die
196 Staaten und die EU nun auf
ein Regelwerk für die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. Unter anderem
müssen die Staaten ab 2024
nach den gleichen Kriterien
über ihre Fortschritte im Kampf
gegen die Erderwärmung berichten.
Im Plenum gab es Applaus
und Jubelrufe. In Deutschland

wurden die Ergebnisse von
CDU/CSU und der Wirtschaft
begrüßt. Der Opposition sowie
Umwelt- und Entwicklungsorganisationen gingen die Beschlüsse angesichts der zunehmenden Erderwärmung jedoch
nicht weit genug.
Unter anderen GreenpeaceChefin Jennifer Morgan zeigte
sich enttäuscht: Anzuerkennen,
dass mehr Ehrgeiz nötig ist,
und Regeln für den Klimaschutz zu verabschieden, ist
nicht mal annähernd genug,
wenn ganzen Nationen die Auslöschung droht."
FOTOS: DPA

Das Jahr 2018 | 33

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