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Jahresrückblick_2018

Seite 29 Jahresrückblick_2018War es Trump? Oder war es Obama? Oder hat die
Politik des Weißen Hauses überhaupt gar keinen
Einfluss auf das Wohl und Wehe der US-Ökonomie? Die größte Volkswirtschaft der Welt boomt noch immer. Präsident Donald Trump reklamiert
das für sich. Aber stimmt das überhaupt?

Behauptung:

Die Handelspolitik mit erheblichen Zoll-Hürden für Einfuhren aus
China und anderen Ländern bringt großen Wohlstand für die USA.

Fakten:

Behauptung:

Donald Trump hat die US-Volkswirtschaft auf die Erfolgsspur gebracht

Fakten:

Die US-Volkswirtschaft boomt. Die Arbeitslosenquote war im November 2018 mit 3,7
Prozent ausgesprochen niedrig. Die Volkswirtschaft wuchs mit großem Tempo um 3,5
Prozent im dritten Quartal. Allerdings: Dies ist ein Trend, der bereits seit langer Zeit anhält. Die Kurven der wesentlichen Konjunkturindikatoren zeigen keinerlei Ausschläge
seit der Amtsübernahme von Donald Trump im Januar 2017. Es ging vorher und nachher
geradlinig aufwärts. So hatte die Zahl der Beschäftigten (ohne Landwirtschaft) etwa 2010
die Talsohle erreicht: Seitdem ging es von knapp unter 130 Millionen steil nach oben auf
145 Millionen zum Zeitpunkt der Amtsübernahme Trumps. Bis Mitte 2018 ging es dann
weiter bergauf, aber nur noch um 4 Millionen. Die Kurve verläuft nahezu linear. Bei der
Arbeitslosenquote bietet sich das gleiche Bild: Im Oktober 2009 hatte die Finanzkrise die
Quote auf zehn Prozent getrieben, in Obamas Amtszeit fiel sie auf 4,8 Prozent. Während
der knapp zwei Jahre Trump fiel sie weiter auf 3,7 Prozent. Auch beim Anstieg des durchschnittlichen Stundenlohnes von 22 US-Dollar (2009) auf inzwischen mehr als
27 Dollar fällt nur etwa ein Dollar der Fünf-DollarDifferenz in die Zeit Trumps. Allerdings: Je
länger ein solcher Trend anhält, desto
schwerer ist es, ihn aufrechtzuerhalten.

Trumps im März verhängte Sonderzölle etwa auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren zahlen zunächst einmal die US-Importeure. Die Autoindustrie klagt, Einkaufspreise für Stahl seien in den vergangenen
Monaten um 30 Prozent gestiegen. In einer vorsichtigeren Kalkulation hatte die US-Notenbank in Dallas errechnet, dass die Metallpreise insgesamt um 21 Prozent nach oben gehen. Durch Verwerfungen
auf den Arbeitsmärkten - wenn etwa inländische Stahlwerke Arbeiter aus anderen Branchen abwerben - komme es zu einem Verfall
der Produktivität um drei Prozent. Der Internationale Währungsfonds hat die US-Handelspolitik als eines der größten Risiken für die
Weltwirtschaft identifiziert. Der scheidende IWF-Chefvolkswirt Maury Obstfeld hat in seinen Blog eine Modellrechnung veröffentlicht.
Dem Modell zufolge haben Zölle in Höhe von 20 Prozent auf Importe aus Ostasien - inklusive Vergeltungsmaßnahmen - über fünf Jahre
einen Negativeffekt von 1,5 Prozentpunkten auf das Wachstum der
Wirtschaftsleistung. Der Dollar würde gegenüber der jeweiligen
Fremdwährung um zwei Prozent aufwerten und damit Importe weiter verteuern. ,,Während sie den direkt von ausländischen Importen
betroffenen Branchen und Arbeitern ein wenig Luft verschaffen mögen, wirken sie in der Breite schrumpfend, sie reduzieren den Ausstoß, die Investitionen und die Beschäftigung in der gesamten
Volkswirtschaft", schreibt Obstfeld in seinem Blog über Importzölle.
Der IWF erwartet solche Effekte für die US-Wirtschaft
erst 2020 oder später - das Ausmaß
würde also wohl erst nach
der nächsten Präsidentschaftswahl sichtbar.

Behauptung:

Trump baut das Handelsdefizit mit anderen Ländern wie China durch seine
aggressive Wirtschaftspolitik ab.

Fakten:

Donald Trump hat vom ersten Tag seiner Präsidentschaft die Beseitigung
der Handelsdefizite der USA mit China und der Europäischen Union zu Eckpfeilern nicht nur seiner Handels-, sondern auch seiner gesamten Außenpolitik erklärt. ,,America First" ist der Leitsatz dafür. Allein: Die Beseitigung
lässt auf sich warten. In Trumps erstem Amtsjahr 2017 sprang das Handelsdefizit um 12,6 Prozent auf 568 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahr.
Trump spricht von 800 Milliarden Dollar Defizit, das er abbauen müsse. Bei
dieser Betrachtung rechnet er jedoch die Dienstleistungen heraus, bei denen die USA einen Überschuss haben.
Die US-Notenbank in New York geht davon aus, dass die Zollpolitik
Trumps und sein Handelskrieg mit China nicht dazu führen werden, das
Handelsdefizit abzubauen. Die Zölle machen die Importe teurer und werden
sie reduzieren - aber durch Zölle und Vergeltungszölle steigen die Kosten für
US-Importe anderer Länder. Gleichzeitig steigen die Herstellungskosten in
den USA und machen inländische Produkte teurer. Die Notenbanker zeigen
anhand Chinas Beispiel nach dessen Eintritt in die Welthandelsorganisation
(WTO), wie durch die deutliche Reduzierung von Zöllen sowohl Exporte als auch Importe enorm anstiegen.

Behauptung:

Der neue Handelspakt mit Kanada und Mexiko ist viel günstiger für die USA.

Fakten:

In dem bis auf die letzte Minute offengehaltenen Handelsabkommen hat Trumps Handelsbeauftragter Robert Lighthizer vor allem zwei große Erfolge erzielen können: Zugeständnisse für die US-Landwirtschaft und Zugeständnisse an den US-Automobilstandort.
Die US-Farmer bekommen durch das USMCA genannte Abkommen wieder mehr Zugang
zum kanadischen Markt für Milchprodukte - den Zugang hatten kanadische Regulierungen zuvor verengt. Im Gegenzug wurde die Einfuhr kanadischer Molkereiprodukte begrenzt.
Vor allem gelang es den US-Verhandlern aber, erstmals Mindestlöhne in der Autobranche für alle drei Länder durchzusetzen - zumindest teilweise.
Bis zum Jahr 2023 müssen 40 bis 45 Prozent der Autos von
Arbeitern hergestellt werden, die 16 Dollar Stundenlohn
oder mehr bekommen - damit gibt vor allem das Billiglohnland Mexiko einen Teil seines Lohnvorteils ab.

FOTOS: DPA/TAKASU STOCK.ADOBE

Das Jahr 2018 | 29

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