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geistREich_05.12.2018

Seite 4 geistREich_05.12.2018Damit am Heiligabend niemand allein sein muss
Ehrenamtliche laden am 24. Dezember Alleinstehende und Bedürftige zu einem
stimmungsvollen Abend in den großen Saal des Gemeindehauses in St. Antonius ein
Es ist dieser eine Abend im Jahr, an dem
man seine Liebsten um sich versammelt, um
gemeinsam zu essen, zu singen und sich eine
schöne Zeit zu machen. Was aber, wenn man
allein ist, wenn es niemanden gibt, mit dem
man den Heiligen Abend verbringen kann?
Allein zu feiern, das muss nicht sein, sagten
sich einige Engagierte der katholischen
Kirchengemeinde St. Antonius und luden vor
nunmehr fast 20 Jahren zum ersten Mal zur
,,Offenen Weihnacht" ein.

Ein Teil des Vorbereitungsteams (v.l.n.r.): Zeneli Mahalla, Ingrid Dutka, Schwester Otgeris, Marlies Dutka, Daniela Droste

Schwester Otgeris war von Beginn an dabei. Sie erinnert sich: ,,Am Anfang kamen sehr viele Obdachlose, die am Heiligabend nicht wussten, wohin und
vermutlich auch froh waren, ein warmes Plätzchen
zu haben, wo es dann auch noch etwas zu essen
gibt." An einen, der damals regelmäßig vorbei kam,
erinnert sie sich noch sehr gut. ,,Der erzählte uns,
dass er auf dem Friedhof schlafen würde. Dort sei es
in der Nacht nicht so kalt wie anderen Orten."
Über die Jahre habe sich die Zusammensetzung
der Gäste, die dann am Heiligabend in den großen
Saal des Gemeindehauses in St. Antonius in der
Recklinghäuser Südstadt kommen, aber verändert.
,,Heute sind es neben den Bedürftigen auch viele
Alleinstehende, die den Weg zu uns finden. Sie
wollen diesen Abend einfach in Gemeinschaft
verbringen", erklärt Marlies Dutka. Die
79-Jährige gehört schon seit Jahren zu dem
ehrenamtlichen Team, dass den Abend
vorbereitet und dann auch vor Ort ist, wenn
die Gäste kommen.
Rund 50 sind das in der Regel. ,,Die
freuen sich, wenn sie bedient werden.

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Viele genießen es auch, dass sie zumindest für einen Abend respektvoll behandelt werden. Die sind
dann alle sehr lieb zu uns und sehr denkbar", erklärt
Daniela Droste. Auch die 53-Jährige ist seit Jahren
mit Leib und Seele dabei. Sie genießt den Abend
ebenfalls. ,,So komisch das auch klingt: Wenn ich
danach nach Hause gehe, dann fühle ich mich einfach besser. Das gibt einem sehr viel." Dass an dem
Abend auch diejenigen teilnehmen können, die
vielleicht nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind, dafür
sorgt Zeneli Mahalla. Der heute 49-Jährige floh 1992
aus dem Kosovo, weil er sich damals verweigerte,
für die Armee zu kämpfen. Zu Beginn war auch er
einer der Gäste der Offenen Weihnacht, dann aber
wechselte er die Seiten und unterstützte fortan das
Team.
Heute ist er für den Transport derer zuständig, die
sonst eben nicht an dem Abend teilnehmen könnten,
weil sie zum Beispiel nicht mehr so gut zu Fuß sind.
Manche aber auch, weil sie sich die Anfahrt nicht
leisten können. ,,Ich fahre gerne, mir macht das Spaß.
Da kann man auch mal in Ruhe mit den Menschen ins
Gespräch kommen. Zudem sind alle immer so gut gelaunt, wenn ich bei ihnen auftauche." Zeneli Mahalla

geistREich · Kirchenzeitung für Recklinghausen

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