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geistREich_05.12.2018

Seite 27 geistREich_05.12.2018Der Schlusspunkt
Schöne Bescherung ­ ein Geschenk, das gut ankommt
Allerdings gibt es keine Garantie für das richtige Geschenk: Manches Geschenk kommt eben nicht gut
an und dann hat man die ,,schöne Bescherung" ­ ein
echter Flopp.
Bekannte haben mir letztens erzählt: Wir schenken
in unserer Familie nur noch den kleinen Kindern und
Enkeln etwas. Und unter uns Erwachsenen überlegen wir gemeinsam, welcher Hilfsorganisation wir
das Geld spenden, was sonst für die Geschenke
draufgeht. Wir selber haben ja eigentlich genug.
Daher etwas für Hilfsbedürftige zu tun, das kommt
sicherlich gut an und reduziert den vorweihnachtlichen Stress des Geschenkekaufens: wirklich eine
schöne Bescherung!

Noch wenige Tage bis Weihnachten. Und dann
soll alles stimmen, vor allem die Geschenke,
die sollen gut ankommen. In der Vorbereitung
ist es manchmal sehr lästig, das Richtige
für die Lieben zu finden. Aber wenn man
dann das Richtige gefunden hat und sich die
Beschenkten richtig freuen, dann ist das eine
schöne Bescherung. Umgekehrt freut man
sich ja auch, beschenkt zu werden ­ vor allem,
wenn man merkt: Da hat sich jemand richtig
Gedanken gemacht.

Pater D
r. Phil
ipp
Reichli
ng OPra
em (55)

Das alles klingt fatalistisch und sehr nach Fremdbestimmung ohne viel Freiheit. Vielleicht tut es daher
gut, einmal auf den zu schauen, der beschert, und
das passt gut zu Weihnachten.
Weihnachten besagt gerade, dass der Bescherende
nicht Schicksal oder Fügung heißt. Der Bescherende
ist auch nicht der Welt abgewandte und Kosmos
überlegene unberührte Weltenschöpfer, sondern ist
derjenige, der sich auf das menschliche Leben total
einlässt, mit allem, was dazugehört: Freude und Leid,
Erfolg und Scheitern, Liebe und Hass. Der bescherende Gott kommt dem Menschen entgegen, in dem er
selber Mensch wird. Das ist das Revolutionäre des
Christentums. Denn alle menschlichen Erfahrungen
bekommen dadurch letztlich eine Bedeutung, weil
es zugleich die Erfahrungen Gottes in dieser Welt
und mit dieser Welt sind.

Ich habe gelesen, dass ,,bescheren" im Mittelhochdeutschen eigentlich ,,zuteilen" oder ,,verhängen"
meint und in Verbindung steht mit Gott und dem
Schicksal. ,,Bescheren" meint dann eine Art von
nicht hinterfragbarer Zuteilung und unerklärbarer
Zuwendung. Diese Bedeutung entspricht in der
Tat einer existentiellen Situation des Menschen:
Zunächst findet sich jeder Mensch einmal vor und
ist Empfangender. Niemand hat sich ausgesucht,
wann, wo und wie er geboren wird: ob als gesunder
und wohlhabender Mensch in Europa am Anfang
des 21. Jahrhunderts oder als Sklave im römischen
Reich. Sich selbst hat auch niemand gemacht. Und
was mir widerfährt, kann ich letztlich nur annehmen
und damit umgehen. Im schlechten Fall sind es
Schicksalsschläge, im guten Glücksfälle. Das alles
bleibt eine Bescherung, verstanden als Zumutung
oder Zuwendung durch eine höhere Macht, auf die
ich bestenfalls reagieren kann.

Anders formuliert: Es gibt keine gottlose Welt, es
gibt kein sinnloses Leben, weil es immer schon von
Gott geteilt wird. Denn er hat sich der Welt und
damit jedem Menschen geschenkt. Er ist immer da.
Und das ist eine schöne Bescherung, ein Geschenk,
das gut ankommt.


Pater Dr. Philipp Reichling OPraem
(Orden der Prämonstratenser)

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