< Seite 20
Seite 22 >

Seite 21

geistREich_05.12.2018

Seite 21 geistREich_05.12.2018Am 9. Juni 1947 fand die erste Sitzung der UN-Menschenrechtskommission in New York statt. Die Teilnehmenden kamen aus Australien, Kanada, Chile, China, Frankreich, Libanon, Sowjetunion, Großbritannien und
den USA.
Von links nach rechts: Colonel William Roy Hodgson aus Australien, Dr.
P.C. Chang aus China, Vice-Chairman, Henri Langier, Generalsekretär für
soziale Angelegenheiten aus Frankreich, Eleanor D. Roosevelt für die
USA, Professor John P. Humphrey, Direktor der UN Human Rights Division aus Kanada, Dr. Charles Malik aus dem Libanon, Professor Vladimir
M. Koretsky, Vetreter der Sowjetunion und H.T. Morgan, vertritt Großbritannien.
© UN Photo

Standpunkt
Wenn das Feiern schwerfällt ­ 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Am 10. Dezember 1948 ­ vor genau 70 Jahren
­ verabschiedeten die Vereinten Nationen die
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
in Paris als Wertefundament unserer
Weltgemeinschaft und Initialzündung für
weltweit rechtsgültige Gesetzgebungen. Das
muss gefeiert werden; das ist ein Anlass, als
Menschheit insgesamt stolz zu sein. In dieser
Erklärung verbirgt sich eine große Leistung, die
Respekt und Anerkennung verdient.
Der 10. Dezember könnte also einer der
schönsten Tage des Jahres sein. Könnte er.
Aber nur dann, wenn einem nicht
gleichzeitig zum Heulen zumute wäre!

Um die Menschenrechte steht es so schlecht wie lange
nicht mehr. Nachrichten aus aller Welt erwecken den
Eindruck, als habe es die Erklärung der Menschenrechte nie gegeben. Der Terrorismus und der Druck auf die
Demokratien nehmen zu. Minderheiten werden mit
wachsender Härte verfolgt. Politiker entblößen sich in
aller Schamlosigkeit, als wenn sie durch ihre Entgleisungen in Wort und Tat die Menschenrechte abschaffen
wollten. Populisten betreiben gezielte Tabubrüche
gegen geltende Normen und Verträge, um sich als
handlungsmächtig und wählbar zu gerieren. Manchen
reichen dafür 280 Zeichen bei Twitter. Wer will das
Feiern? Wo soll das hinführen?
,,Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und
Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen
begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit
begegnen", lautet Artikel 1 im Wortlaut. Fast traut man
sich nicht, diesen Satz laut zu lesen. Klingt er nicht
zynisch oder kitschig? Dabei ist er 1948 erwachsen aus
der Erfahrung zweier verlustreicher Weltkriege und
der fürchterlichen Naziverbrechen gegen die Menschlichkeit, die schließlich im entsetzlichen Holocaust
mündeten.
Die Menschen damals haben nach dieser humanen
Katastrophe aus der tiefen Sehnsucht nach einem
,,Nie wieder!" den Mut und die Kraft aufgebracht, die
allgemeine Erklärung der Menschenrechte erfolgreich
auf den Weg zu bringen. Vielleicht tragen gerade wir
Deutschen die Verantwortung, uns nach mehr als
70 Jahren ohne Krieg mit der gleichen Vehemenz für
die weltweite Durchsetzung von Rechtsstaatlichkeit,

Grundrechten, Respekt für Andersdenkende und
Achtung von Minderheiten stark zu machen. Menschenrechte sind nie gewiss, sondern stets Mahnung,
Ziel, Verpflichtung.


Joachim van Eickels

10. Dezember 2018:
Internationaler Tag der Menschenrechte
20 Uhr in der Gastkirche: ,,Versuche Unaussprechliches zu sagen ­ zwischen Flucht und
Ankommen"; eine Lesung von und mit jungen
Flüchtlingen, die über ihre Erlebnisse geschrieben haben.
Jugendliche und junge Erwachsene haben in einer
Schreibwerkstatt der VHS Gelsenkirchen als Flüchtlinge biographisch und fiktiv zur ,,Flucht" geschrieben.
Die Lesung ­ mit Buchpräsentation, einer Fotoausstellung und anschließendem Gespräch miteinander
­ findet am Tag der Menschenrechte in Kooperation
mit Amnesty International in der Gastkirche statt.
Reimund Neufeld, Pädagoge und Autor, sowie Emel
Siala, Orientalistin und Übersetzerin, haben das Projekt begleitet. Julia Schönstädt, in London lebende
Fotografin, hat Porträts der Akteure im Bild festgehalten und zu einer kleinen Ausstellung konzipiert.

Geborgenheit im Alter (er-)leben.
Wir sind ein familiengeführtes Haus und laden
unsere Bewohner ein, in einer familiären Atmosphäre aus Geborgenheit, Wärme und Vertrauen zuhause zu sein und sich wohl zu fühlen.

In Würde umsorgt sein.

Das Haus der Begegnung
in Recklinghausen
Gepflegt werden
und zuhause sein!

Wir arbeiten ausschließlich mit erfahrenem
Fachpersonal, an das wir sowohl in menschlicher als auch in professioneller Hinsicht
höchste Anforderungen stellen. Hochwertige
aktivierende Pflege, respektvoller Umgang und
fachliche Kompetenz sind für uns eine Selbstverständlichkeit.

Platz für Begegnung und Privatsphäre.
Die Raumgestaltung unserer 80 Einzelzimmer schafft ein freundliches Wohnambiente
und ist auf die Wahrnehmung des Moments
hin ausgerichtet. Unsere einladend gestaltete
Castroper Str. 88 · 45665 Recklinghausen Gartenanlage bietet ein Stückchen Natur und
Telefon 0 23 61 / 30 66-0
lädt zum Verweilen, wie zur Bewegung, an der
www.seniorenheim-recklinghausen.de frischen Luft ein.

geistREich · Kirchenzeitung für Recklinghausen

21

zurück zum Anfang von "geistREich_05.12.2018"