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geistREich_05.12.2018

Seite 17 geistREich_05.12.2018Asia Bibi frei ­ und jetzt?
In Pakistan werden religiöse Minderheiten weiterhin unterdrückt
Sie wird nicht hingerichtet: Das Todesurteil wegen
Blasphemie gegen die pakistanische Katholikin
Asia Bibi wurde aufgehoben und nach mehr als
neun Jahren ist sie aus der Haft entlassen worden.
Ihr Leben und das ihrer Familie sind aufs höchste
gefährdet. Aus Angst vor Repressalien leben sie
derzeit versteckt im Untergrund.

Drei Richter des Obersten Gerichtshofs in der Hauptstadt Islamabad hatten es gewagt, die 51-jährige vom
Vorwurf der Blasphemie freizusprechen. Daraufhin
protestierte eine aufgebrachte Menge islamistischer
Extremisten in vielen Städten Pakistans gegen die
Entscheidung. Die Regierung beugte sich dem Druck
der Menge und unterschrieb eine Vereinbarung, nach
der eine neue Überprüfung der
Entscheidung durch weitere Richter zugestimmt wird.

Stadtkomitee der Katholiken in Recklinghausen
­ Arbeitsgemeinschaft der Eine-Welt-Kreise ­

AG Eine-Welt-Kreise, Erich-Klausener-Haus,
Kemnastr. 7, 45659 Recklinghausen
Excellenz Herr Jauhar Saleem
Botschafter der Republik Pakistan
Schaperstraße 29, 10719 Berlin


5. November 2018

Excelenz, sehr geehrter Herr Botschafter Saleem,
mit großem Respekt haben wir die Aufhebung des Todesurteils gegen Asia
Bibi und die Anordnung ihrer Freilassung durch das Oberste Gericht Pakistans
zur Kenntniss genommen. Diese Freude teilen wir wohl auch mit vielen Muslimen Ihres Landes.
Umso größer ist die Enttäuschung, dass wegen Drohungen gegen die Richter
und die Regierung und massiver Proteste von Extremisten das Gerichtsurteil
noch einmal überprüft werden soll und die Freilassung Asia Bibis noch nicht
erfolgt ist.
Wir erkennen durchaus die ernsthaften Bemühungen der pakistanischen
Regierung zu Rechtsstaatlichkeit an. Die Haltung von Premierminister Imran
Khan gibt Anlass zu der Hoffnung, dass auch in Pakistan Menschenrechte eingehalten werden sollen.
Für die Sicherheit von Asia Bibi scheint es aber unerlässlich zu sein, sie sofort
aus der Haft zu entlassen und ihr und ihrer Familie die Ausreise zu ermöglichen.
Mit freundlichen Grüßen

Wie gefährlich es ist, sich für religiöse Minderheiten einzusetzen,
zeigen die Morde an Gouverneur
Salman Taseer im Januar 2011
durch den eigenen Leibwächter
und an einem weiteren Politiker.
Beide hatten sich für Asia Bibis
Freilassung ausgesprochen. Die
rechtliche Verfolgung der Mörder
wurde bislang von der radikalislamistischen Partei TLP verhindert:
,,Sie waren Helden und gute Muslime, weil sie die Unterstützer einer
Blasphemistin getötet haben." Der
Rechtsanwalt Bibis ist inzwischen
in die Niederlande geflohen.
Die Gerichte, aber auch das Parlament und das Militär des Landes
hatten sich in der Vergangenheit
gescheut, Entscheidungen zu treffen, die gewalttätige islamistische
Gruppen erzürnen könnten.
Die fünffache Mutter Asia Bibi war
2009 nach einem Dorfstreit um
ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt, anschließend

inhaftiert und dann zum Tod verurteilt worden. Der
Fall hatte in der Vergangenheit international für
Aufsehen gesorgt und zu weltweiten Protesten gegen
die Inhaftierung geführt. Das katholische Hilfswerk
Missio rief zu einer Unterschriftenaktion auf, an der sich
auch die Arbeitsgemeinschaft der Eine-Welt-Kreise
im Stadtkomitee der Katholiken in Recklinghausen
beteiligte. Und vor ihrer Entlassung aus der Haft bat die
Arbeitsgemeinschaft in einem Brief (siehe links) an den
Botschafter Pakistans um ihre Freilassung und Ausreise.
In der Vergangenheit hatte sich die Arbeitsgemeinschaft schon häufiger für das Recht auf Religionsfreiheit
eingesetzt.
Wenn es auch im Moment so aussieht, als wäre eine
Ausreise von Asia Bibi und ihrer Familie nach Europa
möglich, so darf nicht vergessen werden, dass nach
wie vor Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zu
christlichen Kirchen in Pakistan inhaftiert sind. So sind
der 16-jährige Patras Masih und sein 24-jähriger Cousin
Sajid Masih im Februar ebenfalls wegen des Vorwurfs
der Beleidigung des Propheten Mohammed verhaftet
worden. Sie sollen ein Bild im Internet-Netzwerk facebook verbreitet haben, das aber erst einen Monat nach
der Inhaftierung von einem radikalen Extremisten veröffentlicht wurde. Eine Verurteilung der beiden jungen
Männer hätte die Todesstrafe zur Folge.
Der Islam ist Staatsreligion von Pakistan. Religiöse
Minderheiten, darunter auch islamische Minderheitsströmungen wie Schiiten und Ahmadis, werden stark
unterdrückt. Übergriffe gegen religiöse Minderheiten
wie Christen sind häufig. Es wird deutlich, dass Religion
missbraucht wird, um die eigene Macht zu stärken.
Wir werden uns weiter für das Menschenrecht auf
Religionsfreiheit einsetzen müssen, und das nicht nur
für pakistanische Christen.


Maria Voß

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