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dorfleben Westerholt_16.11.2018

Seite 3 dorfleben Westerholt_16.11.2018Klage über die ,,starre Eigenheit"
Wer keine Bohnen in seinem Garten pottete, der hatte es selbst beim heiligen Martin schwer.
Von Dagmar Hojtzyk

S

chon öfter habe ich gelesen, von Westerholter Art
und Wesen.
Von ihrer Treue und Biederkeit und ihrer starren Eigenheit."
So beginnt das Klagelied eines Mannes, der für sein Leben gern Westerholter Bürger
geworden wäre. ,,Wann wird
man Bürger von Westerholt ?"
ist der Titel.
In ihren Unterlagen gefunden und an ,,dorfleben" geschickt hat es unsere Leserin
Gerty Wener. Auch im ,,Westerholter Blättchen" von
1983, das Heimatforscher
Heinz Wener gemeinsam mit
dem verstorbenen Franz Meiners verfasst hat, wurde es unter dem Titel ,,Gedicht eines
Zugereisten" veröffentlicht.
Wer das Gedicht geschrieben
hat, ist allerdings nicht bekannt.
Bei der Suche nach dem
Dichter wurde ,,dorfleben"
auch von der Leiterin des Westerholter
Heimatkabinetts,
Mechtild Hetterscheidt, unterstützt.

Der unbekannte Dichter
schrieb das Klagelied in Versform, und man ahnt es schon
in der Einleitung: Aus seiner
gewünschten Einbürgerung
ist nichts geworden. Die ,,starre Eigenheit" wird es wohl verhindert haben. Als Bürger
würde nur anerkannt, der
Westerholt als Geburtsort
nennen kann.
Der unbedeutende Rest der
Menschheit sind sogenannte
,,Taugetrocknete". So jedenfalls nennen die Alteingesessenen die Zugereisten bisweilen auch heute noch.
In
Zehn-Jahres-Schritten
beschreibt der Dichter seine
Bemühungen, um endlich dazuzugehören. Doch ob zehn,
zwanzig oder dreißig Jahre:
Stets bekommt er zur Antwort:
,,Da lachte der Alte und
meinte fein:
Da könnt ihr ja bald Bürger
von Westerholt sein."
Wann ,,bald" ist, hat dem
armen Mann aber niemand
verraten, und so verfolgt ihn
die starre Eigenheit der gebürtigen Westerholter bis in den
Schlaf.

Die Bohnenpötterin ist ein Westerholter Wahrzeichen. Dieses Kunstwerk steht an Johanniter-/Goetherstraße.
,,Und wieder vergeht eine
Reihe von Jahren.
Im Geist seh' ich mich auf
der Totenbahre.
Hör' manchen sprechen
mit meinen Erben:

Der Vater durfte so früh
nicht sterben.
Denn wär' er nicht so früh
gestorben,
Hätt' er hier das Bürgerrecht
noch erworben."

Der fromme Wunsch, den
der Schreiber seinen Erben
unterschiebt,
lässt
sich
schließlich nicht einmal im
Himmel verwirklichen. Zwar
schickt Petrus den Mann auf
die Westerholter Seite. Doch
St. Martin als Westerholter
Schutzpatron schiebt schnell
einen Riegel vor. Aber von
ihm erfährt der Dichter wenigstens den wahren Grund
der verweigerten Westerholter Bürgerrechte. In seinem Garten hatte der Mann
zeitlebens jedes erdenkliche
Gemüse gepflanzt. Nur eines
nicht:
,,Mein Lieber, dass Du keine
Bohnen gepott',
das verzeiht Dir kein Westerholter, das verzeiht nur
Gott."
Und St. Martin seinerseits
beschützt halt nur geborene
Bohnenpötter.
Und die Moral von der Geschicht'? Im 21. Jahrhundert
ist die Anzahl der Menschen,
die dicke Bohnen pflanzen
massiv
zurückgegangen.
Selbst in Westerholt. Da fällt
man als ,,Taugetrockneter"
kaum noch auf.

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