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dorfleben Westerholt_16.11.2018

Seite 12 dorfleben Westerholt_16.11.2018Eine Frau macht Druck
Auf der Suche nach Atelierräumen schaute Gabi Dahl durch ein Fenster und verliebte sich sofort.

Die Holzschnitt-Technik fasziniert die Künstlerin Gabi Dahl. In ihrem Atelier im Alten Dorf
Westerholt entsteht jedes Bild in reiner Handarbeit. Auf dem Foto löst sie einen Druck von
seiner mit Farbe eingestrichenen Unterlage.
Von Dagmar Hojtzyk

S

ie kommt aus dem Ländle
(Baden-Württemberg), ist
des Hochdeutschen trotzdem
mächtig, kann aber eine Eigenschaft nicht verhehlen:
schaffe, schaffe. Wenn es um
Kunst geht, ist die gebürtige
Stuttgarterin Gabi Dahl unermüdlich. ,,Man sagt mir nach,
ich sei quirlig", sagt sie und
lacht. 2017 hat sie sich mit einem eigenen Atelier im Alten
Dorf, Brandstraße 3, niedergelassen. Sie suchte und fand
schnell Kontakt, machte
gleich im ersten Jahr beim
,,Tag der Kunst" mit. Da war
das Fachwerkhaus noch eine
Baustelle. Dabeisein und mitmachen macht ihr richtig
Spaß. ,,Es war einfach klasse."
Auch 2019 soll es wieder einen
Tag der Kunst im Alten Dorf
geben. Da sind die Kreativen
einer Meinung.
Gabi Dahl absolvierte ihr
Studium an der Akademie der
Bildenden Künste in Stuttgart
und ihr Theologiestudium in
Tübingen. Bis 2012 war sie mit
Unterbrechungen als Lehrerin tätig. Dann schied sie aus
dem Schuldienst aus. Freiberuflich künstlerisch aktiv war
sie immer.
Mit ihrer Familie zog sie
1993 in die Nachbarstadt
Marl. Auch dort hatte sie

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schon Atelierräume angemietet, gab Ferienkurse für Kinder
und Jugendliche, richtete kreative Kindergeburtstage aus
und bot Kunst-Workshops an.
Irgendwann brauchte sie
mehr Platz, wollte etwas Eigenes und entdeckte im Internet
das Haus an der Brandstraße,
das zum Verkauf stand. Die
Dahls waren sofort begeistert.
,,Wir lieben Fachwerk", sagt
Gabi Dahl, die auch besonders froh über das ruhige Umfeld ist.
Ursprünglich kommt sie
von der Malerei, nutzte die
Brillanz und Leuchtkraft der
Öl- und Eitempera-Farben. Inzwischen hat sie sich auf die
Druckgrafik verlegt, aber:
,,Farbe ist mir immer noch
wichtig." Gelb- und Orangetöne gehören zu ihren Lieb-

lingsfarben, was sich auf vielen Drucken zeigt.
Inspiriert wurde sie von ihrer ehemaligen Kunstlehrerin,
einer Ordensfrau, die Holzschneiden beim berühmten
HAP Grieshaber (1909 bis
1981) studiert hatte. Gabi
Dahl: ,,Schwester Sigmunda
hat mich mit allen Drucktechniken vertraut gemacht."

Von Anfang bis Ende
reine Handarbeit
Die
Holzschnitt-Technik
fasziniert Gabi Dahl bis heute.
,,Man muss sich selbst sehr
stark konzentrieren, und man
muss sehr stark reduzieren
können." Das gefällt ihr. Was
ihr nicht gefällt, wäre eine Beschränkung auf den SchwarzWeiß-Druck. ,,Ich brauche
Farbe." Ihre Drucke sind von

Eine umgebaute, historische Wäschemangel wird von Gabi
Dahl heute als Druckmaschine im Handkurbel-Betrieb eingesetzt.
--FOTOS: DAGMAR HOJTZYK
Anfang bis Ende reine Handarbeit.
Das kurioseste und gleichzeitig schönste Arbeitswerkzeug in ihrem Atelier ist eine
Druckpresse, die eigentlich eine Wäschemangel war ­ eine
wunderschöne
gusseiserne
Maschine der Firma Blitz. ,,Ich
habe sie einem Kunstdrucker
abgekauft, der sie für seine
speziellen Zwecke umgebaut
hat." Handwerklich betrachtet funktioniert der Holzschnitt etwa so: Am Anfang
steht eine Zeichnung. Die
wird als grobe Skizze auf eine
Holzplatte übertragen. Den
vorgegebenen Linien geht
man mit dem Messer nach.
Dabei lässt sich Gabi Dahl
auch von der Struktur des Holzes
leiten.
,,Manchmal
kommt etwas ganz anderes

Seit 2017 macht Gabi Dahl auch Holzschnitte vom Alten Dorf. Hier eine Ansicht über die
Schlossgräfte hinweg Richtung Freiheit.

dorfleben - das Magazin für Herten-Westerholt

dabei heraus, als ich vorher
dachte." Der vorletzte Schritt
ist ein Probedruck, dann folgt
der eigentliche Holzschnitt.
Benutzt sie mehrere Farben
oder sollen sich Strukturen
überlagern, benötigt jeder
Vorgang eine neue Druckplatte. Im Durchschnitt verwendet Gabi Dahl vier bis fünf
Druckplatten, die alle einzeln
bearbeitet werden müssen. Ihre Motive druckt sie auf handgeschöpftem Zerkall-Büttenpapier.
Hohen Wiedererkennungswert haben ihre Motive aus
dem Alten Dorf, die sie seit
2017 anfertigt. Alle anderen
Druckgrafiken sind abstrakt,
obwohl sie sich die Inspiration dazu aus der Natur holt.
Landschaften, Spuren in Steinen, Holz und besondere
Fundstücke sind stets der Ausgangspunkt für ihre Arbeiten.
Gabi Dahl ist Vorsitzende
der Düsseldorfer GEDOKGruppe A 46. In der GEDOK
organisieren sich nur professionell arbeitende Künstlerinnen aus unterschiedlichen
Sparten. Außerdem ist Gabi
Dahl Mitglied des BBK (Bund
Bildender Künstler).

INFO: Kontakt nach Vereinbarung, Gabi Dahl, Brandstraße
3, ( 01 76 / 56 78 27 55 oder
www.gabidahl.de

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