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dorfleben Westerholt_16.11.2018

Seite 11 dorfleben Westerholt_16.11.2018der Familie

78 Jahre in dem Gebäude
t noch viel, viel älter.

eben von einem Teil ihrer Familie:
ter. Dazu sind die Enkelinnen Tes-

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--FOTO: DAGMAR HOJTZYK

Stammplatz am Tisch. Jahre später fiel einem der Kinder von
Margret Neumann auf, dass sie
nie dabeigesessen hatte. ,,Wie
denn auch", erklärt sie. ,,Es gab
acht Plätze am Tisch, nicht
mehr, und ich habe doch alle bedient. Gegessen habe ich zwischendurch im Stehen." 1977,
Margrets Mutter war da bereits
seit 19 Jahren tot, habe ihr Vater
sie an die Hand genommen und
gesagt: ,,So, wir geh'n jetzt zum
Notar." Seitdem ist das Eltern-

haus im Besitz von Margret Neumann.
Die Grundform des Hauses
sieht aus der Luft wie ein umgedrehtes ,,L" aus. Wie bei den
meisten Häusern im Dorf, so erinnert sich Margret Neumann,
waren die Gefache nicht verputzt. Man sah die Backsteinmauer zwischen den Balken.
,,Erst mein Vater hat das Haus
verputzt. Wer Sahne verstreichen kann, der kann auch verputzen, hieß es."
Im Stall für die Tiere (Schweine
und Hühner, früher auch noch
Kühe), standen bis 1961 zwei offen
nebeneinanderliegende
Plumpsklos ­ eine Gruselecke für
die Kinder. Dann wurden sie abgeschafft und durch moderne
Wasserklosetts ersetzt.
Bis zu 16 Personen lebten im
Haus, in dem es noch bis in die
1980er-Jahre hinein eine separate Wohnung gab, die vermietet
wurde. Margret Neumann: ,,Alle
Häuser im Dorf waren zugestopft
mit Menschen. Aber irgendwann brauchten wir auch mehr
Platz für unsere Kinder."
Paul Neumann, der 2010 im Alter von 71 Jahren verstarb, nahm
1987 einen gründlichen Umbau
vor. Als Maler und Lackierer besaß er auch noch andere handwerkliche Fähigkeiten, so wie
viele Männer im Dorf. Heute, wo
alle Räume neu gestaltet sind
und nicht mehr alle Kinder daheim leben, bietet das Haus viel
Platz, den Margret Neumann genießt.
Ihr eigentliches Wohnzimmer
aber liegt nicht im, sondern vor
dem Haus. Es ist der Hof, der vor
Blumen beinahe überquillt und
der Besucher des Dorfes immer
wieder in Staunen versetzt. Und
wenn jemand fragt, wie ihr dieses Blütenwunder gelingt, ist
Margret Neumann nicht um eine
pfiffige Antwort verlegen. Sie
sagt: ,,Ich rede mit meinen Blumen und gieße mit Weihwasser."

Fast italienisch mutet diese Szene mit der Wäsche auf dem Hof an. Aber es ist inszeniert.
Margret Neumann erinnert sich, dass Schüler der Martin-Luther-Schule dieses Motiv für
eine Dokumentation wollten. Im Bild links ist Charly Neumann, rechts sein Bruder Thomas
zu sehen. Das dritte Kind ist unbekannt.

Serie über die Freiheit in
Schwarz-Weiß endet
(da-ho) Die Häuser in der
,,Freiheit Westerholt", auch
,,Altes Dorf" genannt, haben
Geschichte. Das steht außer
Frage. Doch die Geschichte
der Häuser ist auch immer die
Geschichte von Menschen. In
einer Serie hat ,,dorfleben
Westerholt" einige dieser
Menschen, die schon seit
mehreren Generationen in einem Haus leben, vorgestellt.
Die Freiheit Westerholt wurde erstmals 1421 als solche urkundlich erwähnt. Die ,,Freiheit" zeichnete sich durch die
persönliche Freiheit der einzelnen Bewohner, die Vererblichkeit des Besitzes, durch regelmäßige Markttage, die Befestigung des Ortes sowie eine
eigene Verwaltung aus.
Nach dem großen Feuer

vom 27. August 1808 wurden
anstelle der im Alten Dorf abgebrannten Fachwerkhäuser
an der ,,Brandstraße" große
Steinhäuser errichtet.
Nach der Franzosenzeit gehörte Westerholt zunächst zur
Bürgermeisterei Buer und seit
1844 zum Amt Buer im Kreis
Recklinghausen der preußischen Provinz Westfalen. 1830
wurde das Schloss Westerholt
in seiner heutigen Form erbaut. Die an derselben Stelle
gestandene
Vorgängerburg
war abgebrannt. 1870 hatte
Westerholt rund 750 Einwohner mit etwa 105 Wohnhäusern und 32 Scheunen. Heute
zählt das Dorf noch rund 60
Fachwerkhäuser.
Mit der heutigen Folge endet
die ,,dorfleben"-Serie.

,,Geht se nich in Kindergarten!" Margret Neumann erinnert sich
bei diesem Bild deutlich an ihre Trotzphase. Es zeigt sie zu Beginn der 40er-Jahre im Alter von etwa drei Jahren.

dorfleben - das Magazin für Herten-Westerholt

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