< Seite 5
Seite 7 >

Seite 6

medio_11.10.18

Seite 6 medio_11.10.186

DAS GESUNDHEITSMAGAZIN IM VEST - medio

GEISTIG VOLL DA
Sieben Tipps für mehr Konzentration im Job
Von Elena Zelle

Eigentlich muss das Projekt heute fertig werden. Und eigentlich ist das auch kein Problem ­ wenn man mal konzentriert durcharbeiten könnte. Das ist manchmal nicht so einfach. Doch mit ein paar Tipps von Experten klappt es sicher besser.
einem selbst überlassen ­ manche bearbeiten das Postfach
dreimal, andere einmal am Tag.

· TELEFON ·

Ähnlich wie ständig eingehende E-Mails kann auch das dauernd
bimmelnde Telefon die Konzentration bei der Arbeit stören. ,,Wer
nicht gerade in einer Notdienstzentrale arbeitet, kann vielleicht
mal einen Anrufbeantworter laufen lassen", sagt Bölke. Oder man
spricht sich im Team ab und hilft sich gegenseitig, indem man für
eine gewisse Zeitspanne das Telefon auf einen Kollegen umstellt.

· TO-DO-LISTEN ·

Von wegen ungestört: Wer sich auf
seine Arbeit konzentrieren will, fühlt
sich von lauten Kollegen schnell
genervt. Foto: Christin Klose


Ständig klingelt das Telefon, eine Mail nach der anderen
ploppt auf und zu guter Letzt kommen auch noch die lieben Kollegen auf ein Pläuschchen vorbei. Konzentriertes Arbeiten kann
man so vergessen. Für manche Aufgaben braucht es aber einfach
Ruhe. Was tun? Grundsätzlich gilt: Multitasking, also ständiges
Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Aufgaben, ist
nicht förderlich für die Konzentration. Und der ständige Blick
aufs Smartphone ebenfalls nicht. Den einen Konzentrations-Tipp
für alle gibt es natürlich nicht. Aber vielleicht hilft die eine oder
andere Anregung:

· AUSGERUHT SEIN ·

,,Wer nicht erholt ist und eine schlechte Nacht hatte, wird auch
einen schlechten Tag haben", sagt Autor und Berater Jochen Mai.
Außerdem sollte man während der Arbeit regelmäßige Pausen
einlegen. ,,Man kann sich ohnehin nur ungefähr 90 Minuten konzentrieren." Deshalb lohnt sich nach etwa eineinhalb Stunden
eine kurze Unterbrechung, in der man wirklich abschaltet. Das
heißt: ,,Nicht am Smartphone daddeln, sondern wirklich aufstehen, irgendwo hin spazieren, sich mit Kollegen unterhalten,
einen Kaffee holen." Nach rund vier Stunden braucht man dann
eine längere Pause, am besten mit frischer Luft und einer Runde
um den Block.

· MAILS ·

Oft sind die Mails wie ein ,,ständiges Getröpfel", sagt Karrierecoach Ute Bölke. Jedes Tröpfchen reißt einen wieder aus
der Konzentration heraus. Deshalb schaltet man am besten
zunächst Hinweise auf neue Mails aus. Dann sollte man sich
Zeitfenster schaffen, in denen man die Post bearbeitet, empfiehlt Bölke. ,,Ich muss nicht alle Mails sofort beantworten."
Gleiches gelte für das Lesen, sagt Jochen Mai. ,,Dieses ständige
Schielen aufs Postfach, dahinter steckt auch die Angst, etwas zu
verpassen." Wie oft man die Mails liest und beantwortet, bleibt

Noch am Freitag oder gleich am Montagmorgen schreibt man
am besten die anstehenden Arbeiten auf und ordnet sie nach
Priorität. ,,Was man am liebsten aufschiebt oder wofür man am
meisten Konzentration braucht, das sollte man gleich zu Beginn
erledigen", sagt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin
des Verbandes der Werks- und Betriebsärzte. Jochen Mai sieht
das etwas anders: Das sei eine Frage des Typs. Wer Motivation
braucht, um gut arbeiten zu können, sollte besser nicht mit der
unliebsamsten Aufgabe starten. Wenn man zum Aufschieben
neigt, sei das aber der richtige Weg.

· KOLLEGEN ·

,,Natürlich sollte man freundlich und wertschätzend miteinander
umgehen", betont Wahl-Wachendorf. ,,Aber immer ein offenes
Ohr haben und somit Arbeit zu jedem Zeitpunkt unterbrechen
­ das funktioniert nicht." Fragen oder Absprachen könne man
daher ohne schlechtes Gewissen aufschieben, wenn man mitten
in der Arbeit steckt. Wer gerade Konzentration braucht, könne
das im Einzelbüro durch eine geschlossene Tür und im Großraum
durch Kopfhörer deutlich machen, sagt Mai. Letztere helfen auch
gegen störende Kollegengespräche und anderen Lärm. Bölke
rät, im Kollegenkreis feste Zeiten für einen Austausch zu vereinbaren. Wichtig sei es, klar zu sagen, wenn es nicht passt. ,,Das ist
besser, als ein Gespräch halbherzig anzugehen."

· ARBEITSZEIT ·

Wer die Möglichkeit hat, seine Arbeitszeit etwas freier zu gestalten, sollte das ruhig nutzen, rät Wahl-Wachendorf. Früher zu
kommen oder später zu gehen kann eine gute Möglichkeit sein,
in Ruhe arbeiten zu können. Was einem eher liegt, ist individuell
unterschiedlich. Bölke gibt allerdings zu bedenken: Wer sehr früh
oder auch sehr spät kommt, hat unter Umständen wesentlich
weniger Kontakt zu Kollegen oder Kunden. ,,Das Netzwerken
kann dann zu kurz kommen." Gleiches gilt, wenn man immer
wieder die Mittagspause ausfallen lässt, um weiterzuarbeiten.

· ESSEN UND TRINKEN ·

Klingt banal, ist aber nicht zu unterschätzen: regelmäßig trinken.
Das heißt nicht, sich alle 90 Minuten einen Liter Wasser reinzuwürgen ­ besser nimmt man alle paar Minuten einen kleinen
Schluck. ,,Wenn man dehydriert, sinkt die Konzentrationsfähigkeit", erklärt Mai. Außerdem sollte man nicht zu fett essen,
rät Wahl-Wachendorf. Das mache nicht nur dick, sondern auch
müde. Mit der Konzentration ist es dann vorbei.

zurück zum Anfang von "medio_11.10.18"