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DAS GESUNDHEITSMAGAZIN IM VEST - medio

BALLASTSTOFFE UND BEWEGUNG
Was den Darm wirklich gesund hält
Von Sabine Meuter

Wer seinen Darm gesund halten
will, braucht keine Pulver oder
Kapseln. Wichtig ist eine gesunde
Ernährung mit viel Obst, Gemüse
und Vollkornprodukten.
Foto: Christin Klose

Das menschliche Verdauungsorgan hat eine erstaunliche Karriere hingelegt. Früher sprach niemand so gern darüber. Spätestens
seit Giulia Enders` erfolgreichem Sachbuch ,,Darm mit Charme" ist das anders. Dass die Menschen ihrem Darm mehr Aufmerksamkeit schenken, ist auch in den Drogerien und Apotheken gut zu sehen: Allerhand Pülverchen und Kapseln versprechen, das
Organ wahlweise gesund zu halten oder ihm wieder zu mehr Aktivität zu verhelfen. Aber wirken solche Mittel wirklich? Braucht
man sie? Und was tut dem Darm sonst noch gut?

Das beste Mittel bei einer gestörten Darmtätigkeit ist immer
noch eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse
und möglichst wenig Fleisch, stellt der Hamburger Internist und
Ernährungsmediziner Matthias Riedl klar.

Diese Ballaststoffe werden von den Bakterien kaum abgebaut.
Das Stuhlvolumen vergrößert sich also, dadurch ist mehr Bewegung im Darm. So kann er die Nahrung zügig durchschleusen
und das nicht Verwertbare ausscheiden.

Der Darm ist ein komplexes Organ mit Billionen von Bakterien.
Sie bilden die natürliche Darmflora. ,,Der Darm ist quasi wie
ein hochwirksames Biotop im menschlichen Körper", sagt Prof.
Georg Johannes Wechsler, Internist in München und Präsident
des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM).

Neben Präbiotika ist immer wieder von Probiotika die Rede. Das
sind Milchsäurebakterien. Gelangen diese Bakterien lebend in
den Darm, sollen sie dort positiv wirken und angeblich sogar
gegen chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und
Colitis ulcerosa helfen. Es gibt auch eine Vielzahl von probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Kapseln
und Pulvern, deren Wirkung allerdings umstritten ist. ,,Es gibt
keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege dafür, dass solche
Präparate helfen", sagt Riedl. Gut belegt ist dagegen, dass viel
Bewegung hilft, den Darm auf Trab zu halten.

Damit diese wertvollen Mikroorganismen im Darm überleben,
benötigen sie als Nahrung Ballaststoffe. Sie sind in Obst und
Gemüse, aber etwa auch in Vollkornprodukten, Nüssen, Weizenkleie sowie Leinsamen enthalten. 30 Gramm Ballaststoffe
braucht der Körper täglich. Dafür müsste man an einem Tag drei
Scheiben Vollkornbrot oder 200 Gramm Karotten essen.
Experten unterscheiden zwischen löslichen und unlöslichen
Ballaststoffen. Lösliche Ballaststoffe heißen auch Präbiotika und
sind vor allem in Früchten und Gemüse enthalten. Sie quellen im
Darm, wodurch sich das Stuhlvolumen vergrößert. Gleichzeitig
wird der Stuhl weich. Der Darm kann sich so regelmäßig und zügig entleeren. Präbiotika können helfen, wenn der Darm träge ist.
Zu den unlöslichen Ballaststoffen zählen Lignin oder Zellulose.
Sie kommen vorwiegend in Getreide oder Hülsenfrüchten
vor und sind für den Verdauungsvorgang ebenfalls wichtig.

Neben Dingen, die dem Darm guttun, gibt es natürlich auch
solche, die ihm zu schaffen machen: Wurst etwa oder rotes
Fleisch wie Rind, Schwein oder Lamm, erklärt Wechsler. Was
auch ungünstig ist: in der Hektik des Alltags schnell im Stehen
zu essen. ,,Im Idealfall isst man langsam und kaut gründlich",
erklärt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik
(VFED). Auf eine ruckzuck zugeführte Nahrung reagiert der
Darm manchmal gereizt, Bauchschmerzen oder Blähungen sind
die Folge. Auch Aufregung und Stress tragen dazu bei, dass die
Darmtätigkeit aus der Balance gerät.

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