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DAS GESUNDHEITSMAGAZIN IM VEST - medio

VOLKSKRANKHEIT SODBRENNEN:
Innovatives Magnetsystem zeigt erste Erfolge im St. Elisabeth-Hospital Herten
Von Ina Fischer

Wenn einem umgangssprachlich ,,etwas sauer aufstößt", dann bedeutet das in der Regel nichts Gutes. Wahrscheinlich kennen
viele das unangenehme Gefühl, wenn nach einem besonders opulenten Mahl Magensäure in die Speiseröhre zurückläuft und
dort ein Brennen verursacht. Das ist zwar störend, aber, wenn es nur gelegentlich auftritt, nicht weiter besorgniserregend.
Anders sieht es jedoch aus, wenn das Brennen im Hals zum ständigen Begleiter wird und sogar ­ vorzugsweise nachts ­ noch
weitere Beschwerden hinzukommen. Sodbrennen ist mittlerweile zur Volkskrankheit geworden. Die gute Nachricht: Im Hertener St. Elisabeth-Hospital zeigt die moderne Therapie mit einem innovativen Magnetsystem erste bedeutsame Erfolge. Mit
Privatdozent (PD) Dr. Dr. Matthias Heuer, Chefarzt der Chirurgie im Hertener St. Elisabeth-Hospital sprachen wir darüber.

Wann genau sprechen Ärzte von Sodbrennen und wie entsteht es?
Vom klassischen Sodbrennen sprechen wir, wenn Säure oder
Gallensekret aus dem Magen in die Speiseröhre zurücklaufen. Wir
bezeichnen das als ,,gastroösophageale Reflux-Krankheit". Die
Ursache dafür: Die Barriere am Übergang zwischen Speiseröhre
und Magen arbeitet wie ein Ventil, durch das Nahrungsmittel und
Flüssigkeiten in den Magen gelangen können. Umgekehrt jedoch sorgt diese Barriere dafür, dass der Inhalt des Magens nicht
zurück in die Speiseröhre fließt. Wenn dieses Ventil allerdings
nicht richtig funktioniert, kann Sodbrennen entstehen. Denn die
Schleimhaut der Speiseröhre ist nicht auf ein solch saures Milieu
ausgelegt und verändert sich dadurch im Laufe der Zeit.

Welche Risiken birgt das mitunter?
Neben Schmerzen kann es beispielsweise zu Speiseröhrenentzündungen mit weiteren Folgen kommen. Diese können je nach
Verlauf schwerwiegend sein. Bleibt die Reflux-Krankheit über
Jahre nicht richtig behandelt, kann es sogar zu bösartigeren
Veränderungen kommen. Hier wollen wir gezielt vorbeugen.

Reflux-Magnetsystem wird durch eine einfache Schlüssellochoperation genau oberhalb des Magens um die Speiseröhre
gelegt. Die Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt und
dauert normalerweise weniger als eine Stunde.

Wie sehen Ihre Erfahrungen in Herten damit aus?
Unsere Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass diese Behandlungsmethode tatsächlich gute Ergebnisse zeigt und wir damit
den Patienten eine weitere, ergänzende Therapiemethode zur
Behandlung der Refluxerkrankung in unserem Hause anbieten
können. Insgesamt gesehen lässt sich sagen, dass sich derzeit in
Herten ein Schwerpunkt der Speiseröhren- und Magenchirurgie
etabliert. Bei Patienten mit bösartigen Veränderungen dieser
Organe kann der Chirurg auf die enge Zusammenarbeit mit der
Abteilung für Gastroenterologie, Hämatologie und Onkologie
im Prosper-Hospital zurückgreifen. In unserem großen Team aus
Experten mit verschiedenen Schwerpunkten stimmen wir dann
gemeinsam die Therapie individuell auf den Patienten ab.

Wie erfolgt bei Ihnen die Therapie?
Heute gibt es verschiedene Behandlungsansätze bei Sodbrennen: So steht in der ersten Behandlungsphase eine Anpassung
des Ess- und Konsumverhaltes im Mittelpunkt. Auch Medikamente gehören seit vielen Jahren zur Behandlungsroutine der
Mediziner. Gerade die Wirkstoffgruppe der Antazida oder Protonenpumpenhemmer sind vielen betroffenen Personen
ein Begriff. Mithilfe von Magenspiegelungen und speziellen
Säure-Druckmessungen sollten hier allerdings regelmäßige
Erfolgskontrollen stattfinden. Hier arbeiten wir eng mit meinem
Chefarztkollegen PD Dr. med. Arnd Giese aus der Abteilung für
Gastroenterologie und Allgemeine Innere Medizin zusammen,
der diese Untersuchungen stemmt. In einigen hartnäckigen
Fällen entwickeln die Patienten nämlich eine Art von Resistenz.
Dann besteht die Möglichkeit einer operativen Versorgung.

Wie sieht diese operative Versorgung aus?
Neben der klassischen Reflux-Operation etabliert sich das Magnetsystem. Diese noch relativ neuen Wege aus der Chirurgie
folgen einer einfachen Idee: Am Übergang zwischen Speiseröhre
und Magen, also der Stelle, wo diese muskuläre Barriere flexibler
ist, wird ein Magnetring angebracht. Das System ist eine kleine,
flexible Kette aus Titan-Perlen mit Magnetkern. Die magnetische
Anziehung zwischen den Perlen hält das Ventil quasi geschlossen, so dass der Reflux verhindert wird. Dagegen öffnet sich
die Kette beim Schlucken und beim Abbau eines erhöhten
Drucks im Magen, etwa beim Aufstoßen oder Erbrechen. Das

Info ­ Besondere Verdienste
PD Dr. Dr. Matthias Heuer, Chefarzt der Chirurgie im
St. Elisabeth-Hospital Herten, hat sich als Privatdozent an
der Düsseldorfer Heinrich-Heine Universität in Forschung
und Lehre verdient gemacht.
Schwerpunktmäßig setzt er sich hier mit hepatobiliären
Themen, also die Leber und die Gallenwege betreffend,
und der chirurgischen Versorgung von Bauchverletzungen Schwerstverletzter auseinander.
Nun hat er ,,in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen" von der Medizinischen Fakultät die Bezeichnung
,,außerplanmäßiger Professor" (apl-Professor) verliehen
bekommen.
Auch in Zukunft wird Heuer weiterhin seiner Lehrtätigkeit nachgehen und regelmäßig Veröffentlichungen
herausgeben.

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