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DAS GESUNDHEITSMAGAZIN IM VEST - medio

Dank der Beweglichkeit der
Instrumente kann der Chirurg
selbst in entlegenste Winkel des
Körpers vordringen, ohne dass er
sich dabei ,,verbiegen" muss.

MAXIMALE PRÄZISION ­
MINIMALE BELASTUNG
da Vinci: Roboter-assistierte Schlüssellochoperation in der Viszeralchirurgie
Immer mehr Eingriffe können in der Viszeralchirurgie, die sich auf die Behandlung von Bauch- und Enddarmerkrankungen
spezialisiert, mit kleinen Schnitten gemeistert werden. Durch eine eingeschränkte Sicht und wenig Handlungsspielraum wird
dem Operateur der Eingriff aber immer noch erschwert. Eine umständliche Haltung und sperrige Instrumente beeinträchtigen
die Präzision während der Operation zusätzlich. Für Probleme dieser Art wurde das roboterunterstützte da Vinci-Verfahren
entwickelt, das die Klinik für Urologie des Marien-Hospitals in Marl bereits seit 2011 erfolgreich nutzt. Seit März vergangenen
Jahres ist das Robotik-Assistenz-System nun auch im Darm-Zentrum des Marler Krankenhauses im Einsatz und hat die Chirurgen
hier bereits bei über 40 Eingriffen unterstützt.

Unterschiede zu
herkömmlichen OP-Verfahren
,,Ein großer Unterschied des da Vinci-Verfahrens im Vergleich zu offenen Schnitt-Operationen ist, dass der operierende Arzt nicht mehr an
einem Operationstisch steht, sondern neben dem Patienten an einer
sogenannten Operationskonsole sitzt", so Marcus Roth, Leitender
Oberarzt des Fachbereichs Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie
Koloproktologie der Klinik für Chirurgie im Marien-Hospital. Auf dem
Bildschirm der Konsole bekommt der Chirurg ein dreidimensionales
Bild in bis zu zehnfacher Vergrößerung von der Operation übertragen
und kann von dort aus alle Operationsschritte mit seinen Handbewegungen steuern, indem er jeweils zwei Finger der rechten und linken
Hand in die beweglichen Griffeinrichtungen steckt. Jede Handbewegung wird millimetergenau und mit herausgefiltertem Zittern auf
die Instrumentarme des Roboters übertragen. Die Instrumentarme
bewegen sich jedoch erst, wenn der Operateur in die Steuerkonsole
hineinsieht. ,,Blickt der operierende Chirurg vom Roboter weg, hört
der Roboter sofort auf zu arbeiten. Das ist ein wichtiger Sicherheitsmechanismus, das den Medizinern auch die Angst vor der Arbeit
mit einem Roboter nimmt", so Priv.-Doz. Dr. Klaus-Peter Riesener,
Chefarzt der Chirurgie und Viszeralchirurgie im Marler Krankenhaus.

Vorteile des da Vinci-Systems
Ein weiterer Vorteil des da Vinci-Operationsverfahrens ist, dass
dank der Beweglichkeit der Instrumente der Chirurg selbst in
entlegenste Winkel des Körpers vordringen kann, ohne dass er
sich dabei ,,verbiegen" muss. Noch ein Vorzug der robotergestützten Operation: ,,Durch die feineren Bewegungen und den
minimal-invasiven Eingriff ist das sogenannte Zugangstrauma
verringert und Gefäße sowie Nerven des Patienten werden
geschont", erklärt Marcus Roth. Mithilfe der verbesserten, dreidimensionalen Sicht können Blutungen außerdem früher erkannt
und schneller gestillt werden. Weiterhin werden Patienten durch
diese Art von Eingriff schneller wieder fit: ,,Viele unserer Patienten stehen nach dem dritten oder vierten Tag schon wieder auf
und laufen über den Flur ­ eine Dame ist bereits fünf Tage nach
ihrer Darmoperation wieder nach Hause gegangen. Durch das
da Vinci-Verfahren sind unsere Patienten durchschnittlich nach
sieben Tagen wieder fit, während Patienten nach einem offenen
Operationsverfahren fast zwei Wochen benötigen", bestätigt
Dr. Klaus-Peter Riesener.

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