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DAS GESUNDHEITSMAGAZIN IM VEST - medio

medio - DAS GESUNDHEITSMAGAZIN IM VEST

Prof. Dr. med. Andreas
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Michalsen ist Chefarzt der
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Abteilung Naturheilkunde
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Berlin. Foto: Anja Lehmann/
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Immanuel Krankenhaus
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Berlin
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Draußen ist gesünder
Warum uns die Natur so gut tut
Von Bernadette Winter

Das Laub raschelt unter den Füßen, der Wind streicht leise durch die Baumwipfel, irgendwo ruft ein Kuckuck oder singt eine
Lerche. Und dann passiert etwas Erstaunliches: Stress fällt von einem ab, Aufregung legt sich ­ nicht nur gefühlt. Studien zufolge
kann bereits durch eine kleine Dosis Natur das Level des Stresshormons Cortisol gesenkt werden, sagt Anja Göritz, Psychologieprofessorin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Der Faktor Grün scheine dabei eine Rolle zu spielen, sei aber nicht
unbedingt notwendig. Es darf auch eine Auszeit am Meer sein oder in den Bergen.
,,Schon um den Block zu laufen ist besser als nicht um den Block
zu laufen", sagt Andreas Michalsen, Arzt für Naturheilkunde
am Immanuel-Krankenhaus in Berlin. Wie lange sich jemand
draußen aufhält, sei nicht wichtig. Vielmehr geht es darum, die
kleine Frischluftkur möglichst gut in den Alltag zu integrieren.
Also lieber jeden Tag zehn Minuten spazieren gehen als alle drei
Monate einmal den Berg heraufzukraxeln.
Für Michalsen hält die Natur gleich ein ganzes Potpourri an positiven Effekten für den Menschen bereit. Da wäre zum einen die
Stille. Längst ist der Lärm, der gerade in Städten vorherrscht, als
Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall oder
Schlafstörungen und Depressionen erforscht und bekannt. In
den Bergen oder am Meer dagegen ist es in der Regel ruhig ­ oder
zumindest anders laut: ,,Wenn wir Geräusche hören, dann sind
es angenehme wie Wasserplätschern oder Vogelzwitschern."
Darüber hinaus sei die Ozon- und Feinstaubkonzentration in
der Natur nicht so hoch, ergänzt Göritz. ,,Der Mensch atmet im
wahrsten Sinne des Wortes auf."
Dazu kommen die Düfte des Waldes ­ die sogenannten Terpene
-, ätherische Öle, die die Stimmung heben und das Immunsystem stärken sollen. ,,Schon ein frisch gemähter Rasen verströmt
diesen typischen Geruch", sagt Michalsen, ,,aber auch Blüten
oder feuchter Waldboden vermitteln diesen Eindruck". Am
Meer dagegen seien es Stoffe wie Sole, Fluor und Jod. Die sind
unter anderem gut für die Haut und die Atemwege. Scheint
obendrein noch die Sonne, regt sie ­ in Maßen genossen ­ die
Vitamin D-Produktion an. Dieses wichtige Vitamin braucht der
Körper zum Beispiel für gesunde Knochen oder funktionierende
Muskeln.
Annette Bernjus gibt Seminare im Waldbaden, eine japanische
Tradition, die inzwischen auch in Deutschland Anhänger findet.
Dabei schlendern die Teilnehmer durch einen Wald, um ganz
bewusst zu pausieren und nichts zu tun. ,,Die Menschen sollen
die Zeit vergessen und wieder anfangen, zu riechen und zu
schmecken", erzählt Bernjus.
Dazu leitet sie kleine Achtsamkeitsübungen an. Erst nehmen die
Teilnehmer das Äußere wahr, zum Beispiel, wie sie stehen. Dann
erkunden sie, wie es ihnen geht. ,,Das klingt so einfach", gibt die
Expertin zu, ,,aber viele haben das verlernt."

Also zurück zur Natur. Immer mehr Waldbesitzer erkennen den
Trend und lassen sich vom Zertifizierungssystem für nachhaltige
Waldbewirtschaftung PEFC als ,,Erholungswald" zertifizieren.
Neun solcher Wälder gibt es bereits. ,,Die Wälder müssen nicht
nur nachhaltig bewirtschaftet werden, uns ist auch ein nachgewiesenes Konfliktmanagement wichtig", sagt PEFC-Geschäftsführer Dirk Teegelbekkers. Wer Waldbaden will, soll nicht dem
Jogger oder Mountainbiker in die Quere kommen.
Apropos joggen: Sich in der Natur zu bewegen, verstärkt die
positive Wirkung, sagt Michalsen. Sein Tipp für alle, die schon
sportlich aktiv sind: Draußen ist besser. Dabei geht es jedoch
um eine maßvolle, achtsame Bewegung wie beim Waldbaden,
nicht um den nächsten Marathonlauf. Wer anfängt, ein straffes
Programm abzuarbeiten, mache den gesunden Effekt zunichte,
konstatiert Göritz. ,,Der Aufenthalt in der Natur sollte freiwillig
und selbstbestimmt sein, dann ist er gesund", sagt die Freiburger
Professorin.
Dass dabei nicht immer alles glatt läuft, sondern die Natur uns
mitunter herausfordert, sieht Göritz als weiteren positiven Effekt.
,,Draußen bieten sich mehr Abwechslung und andere Stimuli als
im normalen Alltag", erklärt die Wissenschaftlerin.
Vielleicht ist es aber auch ganz einfach die Sehnsucht nach unseren Wurzeln, die uns an der frischen Luft den Alltag vergessen
lässt. ,,Wir sind auf das Leben draußen eingestellt, nicht auf
Gebäude mit Kunstlicht und Fahrstuhl", sagt Michalsen. Nicht
umsonst bevorzugten Menschen offene Landschaften mit Bäumen und etwas Wasser, in denen man sich einen guten Überblick
verschaffen kann, sagt Bernjus. ,,Das erinnert an die Savanne."
Und wenn dieses Idealbild nicht vor der eigenen Haustür wartet?
Dann könnte man statt in die Kantine doch einfach mal in den
Park gehen, raten die Experten. Jeder nach seinen Vorlieben und
vor allem nach seinen Möglichkeiten ­ Hauptsache raus.

Dirk Teegelbekker
Dirk Teegelbekkers
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Foto: Franziska Gabber
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Wer im Wald «badet», soll nicht nur die Gerä
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erleben.
Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto/dpa-tmn
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Einfach mal einen Baum umarmen: Annette Bernjus leitet
die Teilnehmer ihrer Seminare an, die Natur wieder
bewusster wahrzunehmen.
Foto: Manfred Bernjus/
embe-Foto/dpa-tmn

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