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Seite 11 medio_11.10.18medio - DAS GESUNDHEITSMAGAZIN IM VEST

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DIE LWL-KLINIK HAT SICH ETABLIERT
Ambulanz für Psychosomatische Medizin stockt erfolgreiche Gruppentherapien auf
Von Ina Fischer

Das Herz rast, der Rücken schmerzt, der Bauch ist ständig gebläht, Magen und Darm spielen verrückt oder permanente Schweißausbrüche machen das Leben zur Hölle ­ und doch ist ein organischer Befund trotz oft monate-, ja jahrelangem Ärztemarathon
nicht nachweisbar. Ursache dafür können psychische Belastungen sein. Und andersherum können die Beschwerden eine
psychische Erkrankung noch verstärken. Rund sechs bis elf Prozent der Deutschen leiden mindestens einmal im Leben unter
solchen somatoformen Störungen. Oft werden diese Beschwerden im Verlauf zusätzlich von Depressionen oder Angstzuständen begleitet.
Das Problem: Die Betroffenen werden mit ihren Beschwerden
häufig nicht ,,ernst genommen", weiß Sandra Kienle, Fachärztin
für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Die engagierte Medizinerin leitet die vor rund zwei Jahren neu etablierte
Ambulanz und die neue Tagesklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Hertener LWL-Klinik und setzt sich
genau für diese Patientengruppe mit Nachdruck und vor allem
viel Herzblut ein. Dabei ist das Spektrum der therapierbaren
Krankheiten recht breit gefächert. Es reicht von Diabetes mellitus
über etwa polyzystische Ovarien bei Frauen bis hin zur Psychokardiologie und Betreuung von Adipositas-Patienten ­ mit
wachsendem Erfolg vor allem im Bereich der Gruppentherapie.

Das Team der LWL-Ambulanz mit
Dr. Luc Turmes, ärztlicher Direktor
der Hertener LWL-Klinik .

So gibt es beispielsweise seit etwa einem Jahr für stark übergewichtige Menschen mit psychosomatischen Begleiterkrankungen
die sogenannte Balance-Gruppe. Einmal in der Woche kümmern
sich Experten der Ambulanz in Kleingruppen von maximal zehn
Teilnehmern um die vier Säulen Ernährung, Bewegung, Entspannung und Verhalten. Neben Ernährungsempfehlungen nach der
Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie Ratschlägen, wie
man etwa dysfunktionale Verhaltensmuster durchbricht, geht
man auch gemeinsam im Hertener Schlosspark spazieren, um
die Lebensqualität der Betroffenen langfristig zu verbessern:
,,Viele Adipositas-Patienten trauen sich alleine nicht vor die Tür,
sie schämen sich aufgrund ihrer Körperfülle. In Gruppen unter
Gleichgesinnten können sich die Betroffenen viel besser motivieren", so Kienle. Der Vorteil: Endorphine werden ausgeschüttet,

das Glücksgefühl steigt, Körper und Seele entspannen sich und
das wohltuende Befinden beim Gang durch die Natur kann sogar
schmerzlindernd wirken. ,,20 bis 30 Minuten pro Tag reichen
schon aus und wirken beinahe wie ein leichtes Beruhigungsmittel", weiß die Medizinerin. Weil das Angebot so gut ankommt,
baut die LWL-Klinik derzeit gerade eine zweite Gruppe auf.

Eine solche wird es jetzt auch bei einer anderen gut angelaufenen Gruppentherapie geben: Bei der Stressmanagement-Therapie etwa für Burnout-Patienten wird mit ähnlichen Säulen
wie bei den Adipositas-Patienten gearbeitet, der Schwerpunkt
liegt hier aber auf der Entspannung. Auch hier ist eine zweite
Gruppe im Aufbau. Damit nicht genug: Auch die interaktionelle
Gesprächsgruppentherapie bei Beziehungskonflikten, die oft bis
in die Kindheit zurückreichen können, wird zurzeit gestärkt. Last
but not least liegt Kienle zudem eine vierte, recht neue Gruppe
am Herzen: Sie ist gedacht für ehemalige Tagesklinik-Patienten,
die nach der stationären Behandlung noch keine ambulante
Weiterbetreuung gefunden haben. Denn für die psychosomatische Gesundheit der Patienten arbeitet das Team der LWL-Klinik
täglich entschlossen aufs Neue.

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