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Dorfleben RE Suderwich 24.08.18

Seite 10 Dorfleben RE Suderwich 24.08.18Verschwundene Sportplätze
Historisch: Von ruppigen Fuhrmannskneipen und Drei-Liter-Stiefeln.
Von Friedhelm Steckel

Lange bevor es die beiden
uns heute bekannten
Sportplätze am Freibad
und an der Lülfstraße
gab, hatte der Ortsteil Suderwich gar drei solcher
Anlagen, wenngleich diese nicht so gepflegt waren, wie wir diese beiden
Sportstätten heute vorfinden. Es musste alles in Eigenregie, oftmals von den
Akteuren selbst, in Ordnung gebracht werden. In
der Woche grasten die
Bergmannskühe, also die
Ziegen dort, die den Rasen klein hielten, aber
auch mit ihren Hinterlassenschaften hier und da
für Rutschpartien sorgten.
An der Henrichenburger Straße zwischen der Gastwirtschaft des Fritz Karp und dem
Kötterhaus von Schürmann
befand sich ein Rasenplatz,
der diesen Namen durchaus
verdient hatte. Regelmäßig
wurde hier gemäht, zwar mit
der Sense, aber der Sportplatz
war stets bespielbar. Umliegende Landwirte taten dem
Verein etwas Gutes, aber auch
für das liebe eigene Vieh, das
Grünzeug den Tieren anbieten zu können. Die Vereinsmitglieder brauchten das
Grünzeug nicht abzufahren.
Dieses Miteinander ist den
,,Surkschen" wohl angeboren, geht weit ins Mittelalter
zurück, so ist es in uralten Niederschriften nachzulesen. Eines erinnert noch an die einstige Sportstätte von RotSport, der Teich, später ein beliebter Einkehrplatz. Um die
gesamte Rasenfläche zu entwässern, legte man den heute
noch im Garten von Karp gelegenen Teich an. Sämtliche
Spieler legten hier Hand an,
alles mit dem Spaten. Der
Mutterboden wurde mit dem
Handwagen zur Aufschüttung der Unebenheiten eingesetzt. Die heutige Insel im
Teich blieb, weil der Boden
nicht mehr anderweitig untergebracht werden konnte.
Geschichtliches von der
Gaststätte: Einst war hier eine
Hauderei untergebracht, eine
Umspannstation der Zugpferde, die der Ritterburg Henrichenburg unterstellt war. Luig der einstige Name, später
Lücke, als eine Lücke in der
waldreichen
Brandheide.
Heute sind nur noch Überbleibsel, wie der Becklemer
Busch, das Lohwäldchen, zu
erkennen, einst ein zusammenhängendes Waldgebiet.
Auch in den Annalen ist sie
als Fuhrmannskneipe beschrieben. Hier ging es wohl
nicht immer gerade zimperlich zu. Raufereien waren un-

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Das Luftbild vom Dorf Suderwich aus dem Jahr 1926 zeigt es an: Oben links befand sich zwischen dem katholischen und
dem evangelischen Friedhof ein Sportplatz.
--FOTO: REGIONALVERBAND RUHR
ter den Fuhrleuten an der Tagesordnung. Dies wiederum
belegen eindeutige Gerichtsurteile in den Kirchenbüchern von Henrichenburg.
Aber zurück zu dem Sportplatz.
Als Umkleide nutzten die
Mannschaften den Saal von
Karp. Waschgelegenheit natürlich mit kaltem Wasser,
dieses mit einer Handbebepumpe im Hofbereich in
Bottichen
bereitgestellt.
Auswärtige
Mannschaften
hätten
darauf
gänzlich verzichtet, oftmals sich
auch nicht umgezogen, man verzichtete darauf, nur
weg von hier. Man
hörte, dass die vielleicht
Platzordner haben, so an die
zwei Meter, Kerle wie Bäume.
Nach warmen Wasser wurde
erst gar nicht gefragt, gab es
ohnehin nicht. Vielleicht waren die auch einfach nur wasserscheu, so der Kommentar.
Man war dann auch direkt

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an der Quelle, hier ist der Tresen gemeint . Bekannt ist, der
Wirt Fritz Karp, weit über zwei
Meter an Manneshöhe, als geübter Ringer stets für die notwendige Ruhe sorgte. War die
Heimmannschaft
erfolgreich, so bekam diese einen
Drei-Liter-Stiefel ­ mit Gerstensaft gefüllt ­ spendiert.
Wehe aber es gluckste bei dem
einen oder anderen der Spieler. Der Karp hatte solch ein
gutes Gehör, der hörte
auch ein Glucksen, wo
nichts zu hören war.
War doch sein Geschäft, das mit dem
Gerstensaft.
Buben Sternemann
hatte es aber raus, mit
einem Zug den Stiefel
zu leeren, ohne einmal
zu glucksen. Angeblich wurde kein Nachfolger gefunden
mit diesem Talent. Auch auf
dem Platz als damaliger Mittelläufer niemals zu ersetzen,
auch noch mit 40 Jahren.
Mit dem Kauf des Freibades,
dem Areal, wo die gelben Ziegelsteine aushärten, konnte

der Ascheplatz wiederum
mühselig erstellt werden.
Auch hier waren wieder hunderte von freiwilligen Arbeitsstunden am Freibad erforderlich, um diese Spielstätte herzurichten. Unzählige Fuhren
mit Bergematerialien von der
Zeche König Ludwig wurden
hier eingebaut. Eine zusätzliche Entwässerung war nicht
notwendig, der Platz ist immer bespielbar, halt nur als
Ascheplatz und die Blessuren
taten weh.

Umkleideräume
bei Klostermann
Dort am Freibad hatte man
erst auch keine Umkleideräume. In Kluft und dem Geklapper der Stollen ging es unter
der Hamm-Osterfelder-Bahnbrücke hinten auf den Hof der
Gaststätte
Klostermann.
Auch hier in Eigenregie, hinter der Kegelbahn, wurden die
Umkleideräume
angelegt.
Von wegen warmes Wasser.
Und vorne in der Gaststube
standen die Gäste nach dem
Spiel von der Theke bis zum

Pfeiler, es waren wohl sieben
Reihen, auch wieder nur kaltes Bier, aber so gewollt. Frau
Sturm als Bedienung kam mit
dem Tablett nicht sehr weit,
Zufriedenheit bei allen Gästen war immer vorhanden.
Der Drei-Liter-Stiefel kam hier
nur sehr selten in Gebrauch.
Sportlich war es die beste Zeit,
mit dem Aufstieg in die Landesliga, später gab's auch vorbildliche Umkleideräume mit
Duschen direkt am Platz.
Ein weiterer Sportplatz war
auf der ehemaligen Kippe an
der Merveldstraße angelegt
worden, heute die hübsche
Anlage der Schrebergärtner.
Hier musste das Areal erst aufgeschüttet, dann in mühseliger Arbeit für den Spielbetrieb
nutzbar hergerichtet werden.
Von einem Rasenplatz konnte
man hier wahrlich nicht reden. Dem Oscar Kellmann
seine Hippen ( Ziegen ) hätten
schon eine lange Leine gebraucht, um hier etwas Grünes zu finden.

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