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Dorfleben Westerholt 10.08.18

Seite 3 Dorfleben Westerholt 10.08.18Mit den Händen sehen
Dustin Schmitz arbeitet als Masseur. Seine Erblindung steht ihm dabei nicht im Wege.
Von Franziska Gerk

R

uhig und routiniert steht
Dustin Schmitz neben der
Liege und massiert seinen Patienten. Seit einigen Monaten
arbeitet der 21-Jährige in der
Massagepraxis Watanabe an
der Malteserstraße 5. Das Besondere: Dustin Schmitz ist
blind. ,,Eigentlich ist das gar
nichts Besonderes", sagt sein
Chef und Inhaber des Praxisnetzes, Jürgen Watanabe.
Denn Dustin Schmitz will
und soll nicht als ,,Exot" angesehen werden: ,,Ich bin ein
ganz normaler Masseur", sagt
der Halterner.
Mit acht Jahren erblindete
Dustin Schmitz. An die Zeiten, in denen er sehen konnte,
kann er sich noch gut erinnern: ,,Die vielen Farben, die
ich sehen konnte, haben mir
eine ganz andere Vorstellungskraft gegeben, als ich sie
heute habe." Heute verlässt
sich Dustin Schmitz vielmehr
auf sein Gefühl ­ besonders
auf seine Hände.
,,Da liegt der Verdacht natürlich nahe, dass Dustin besonders gut massieren kann",
meint Jürgen Watanabe. Anfang des Jahres suchte er einen
Masseur, Dustin Schmitz war
einer der Bewerber. Nachdem
er das Auswahlverfahren erfolgreich absolviert hatte,
stellte der Westerholter den
Halterner ein. Seine Blindheit
sei dabei aber nicht das ausschlaggebende Kriterium gewesen. ,,Ich habe in erster Linie einen Masseur gesucht.
Dustin hat sich dabei sehr gut
qualifiziert. Dass er blind war,
war zweitrangig", erzählt Watanabe.
In einer Probephase haben
alle Beteiligten dann ge-

INFO
Dustin Schmitz
Dustin Schmitz arbeitet als
Masseur und Therapeut für
Manuelle Lymphdrainage
im Praxisnetz Watanabe.
Nach seiner zweijährigen
Ausbildung beim Berufsförderungswerk in Mainz,
einer Schule, die gezielt
Sehbehinderte ausbildet,
machte Schmitz ein sechsmonatiges Praktikum in
Recklinghausen-Süd.
Die Praxis Watanabe ist
seine erste Berufsstation.
Vier Tage die Woche arbeitet er an der Malteserstraße.
Der 21-Jährige fährt täglich
mit Bus und Bahn eine
Stunde von Haltern nach
Westerholt. Die Arbeitsagentur fördert die Einstellung von Schmitz mit Maßnahmen im Rahmen der
gesetzlichen Teilhabe.

Dustin Schmitz bei der Arbeit: Der 21-Jährige übt seinen Traumberuf aus ­ trotz Sehbehinderung.
--FOTO: FRANZISKA GERK
schaut, wie sich der Praxisalltag bewältigen lässt. Dustin
Schmitz' Behinderung erfordert an der einen oder anderen Stelle besondere Maßnahmen. ,,Ich habe einen Dru-

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genügt...
Der Hausnotruf
vom DRK Herten
Am schönsten ist es doch zu
Hause. Und wenn jetzt noch
die Temperaturen steigen und
Balkonien zum schönsten Ferienziel wird, kann man es sich
richtig gut gehen lassen. Mit
einem Hausnotrufanschluss
vom Deutschen Roten Kreuz
kommt etwas wichtiges hinzu:
Sicherheit rund um die Uhr.
Über den wasserdichten Handsender haben die Teilnehmer
zu Hause jederzeit sofort einen

cker, der in Blindenschrift Etiketten druckt, die ich dann
auf Karteikarten und andere
Arbeitsutensilien
kleben
kann, um mich zu orientieren." So ertastet der Therapeut

persönlichen, notfallerfahrenen Ansprechpartner. Ohne
Telefonhörer, ohne Telefonnummer, ohne Umwege. Im
Falle eines Falles kann sofort
reagiert werden ­ auch und gerade dann, wenn der Teilnehmer nicht sprechen kann. In
der DRK-Leitstelle erscheinen
alle für den Notfall hinterlegten Daten auf dem Bildschirm.
In Sekundenschnelle wird Hilfe organisiert, der Rettungsdienst ist schon auf dem Weg
gut informiert, Hausarzt, Angehörige oder Nachbarn werden benachrichtigt.
Es muss nicht immer
Blaulicht sein.
,,Das Schönste an unserem
Hausnotruf ist aber, dass es

Massageöl und Tücher, greift
gezielt nach den Dingen, die
er für seine Arbeit braucht.
Doch das Benötigte muss
dann auch an Ort und Stelle
stehen. ,,Es kann schon mal

passieren, dass man unbewusst eine Flasche auf den Nebentisch stellt. Für Nichtblinde kein Problem, aber für Dustin beginnt dann die Sucherei.
Da müssen wir als Kollegen
auch ein bisschen aufpassen",
erzählt Jürgen Watanabe. Eine
spezielle Computer-Tastatur
ermöglicht es Dustin Schmitz,
Patientenakten in Blindenschrift zu vervollständigen.
Der Computer ,,übersetzt"
diese dann, sodass auch Kollegen seine Einträge lesen können. Ein weiteres Programm
liest alles Geschriebene vor.
,,Ich habe mich sehr schnell
hier zurechtgefunden", erzählt der Halterner. Dazu habe auch das Arbeitsklima beigetragen. Jürgen Watanabe
und sein Team gaben Dustin
Schmitz die Chance, so normal wie möglich zu arbeiten ­
ohne
Sonderbehandlung.
,,Wir reden alle immer von Integration von Behinderten,
aber wenn es dann um uns
selbst geht, wird das meist zur
Hürde", so Jürgen Watanabes
Erfahrung. Dustins Schmitz'
Behinderung publik zu machen sei eigentlich nicht im
Sinne der Beteiligten gewesen
­ aber sie hätten sich dazu entschlossen, um ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit dafür zu schaffen, was Menschen mit Handicap leisten
können.
,,Dustin Schmitz ist ein toller Arbeitskollege und super
Therapeut. Er hat mittlerweile
auch schon viele Stammpatienten", lobt ihn sein Chef.
Dustin Schmitz ergänzt: ,,Ich
fühle mich hier sehr wohl und
bin froh, so positiv aufgenommen worden zu sein. Hier
würde ich gerne noch viele
Jahre weiterarbeiten!"

ist, aber doch tatkräftige Hilfestellung erfordert." Genau
dieser Service über den Notfall hinaus ist es, den viele
Teilnehmer, aber auch deren
Angehörige am Angebot des
Roten Kreuzes besonders zu
schätzen wissen.
nicht immer um lebensbedrohliche Notfälle geht",berichtet
Kevin Rybaczyk, der beim
DRK Herten für die Hausnotrufleitstelle zuständig ist. ,,Wir
sind einfach der `Kümmerer',
der immer sofort bereit steht,
auch wenn es nur um kleine
häusliche Missgeschicke geht:
die zugefallene Balkontür, die
defekte Glühbirne, aber eben
auch der kleine Sturz, der
zwar glimpflich ausgegangen

Weitere Informationen erhalten Sie beim Deutschen
Roten Kreuz in Herten unter
der Telefonnummer

(02366) 18 15-130

Sicherheit am Handgelenk:
Der Hausnotruf-Funksender

dorfleben - das Magazin für Herten-Westerholt

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