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geistREich_04.07.2018

Seite 9 geistREich_04.07.2018Gefahr Insektensterben
Unverzichtbare Helfer für die Ernährungssicherheit
Seit 1958 sind in China nach massivem Einsatz
von Pestiziden bis heute ganze Landstriche
insektenfrei, so dass Menschen Obstblüten per
Hand bestäuben müssen. 2006 gibt es in den
USA den Kollaps von Bienenvölkern. Tausende
Arbeiterbienen verlassen ohne ersichtlichen
Grund ihren Stock und verenden.

2008 verursacht das Insektizid Clothianidin, ein
Neonikotinoid, ein massives Bienensterben in Süddeutschland. 2012 wird der Weltbiodiversitätsrat
IPBES gegründet, der Politikern Informationen über
den Zustand und die Entwicklung der biologischen
Vielfalt zur Verfügung stellt. Er gibt 2016 den Bericht
,,Bestäuber, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion" heraus, in dem die ,,Leistung" der Honig- und
Wildbienen, ihre Gefährdung und Maßnahmen zu
ihrem Schutz bewertet werden. Seit 2016 findet
das Ausmaß des Insektensterbens öffentliches
Interesse, nachdem nachgewiesen worden war,
dass in den vergangenen
27 Jahren die Masse der
Fluginsekten in NRW um
mehr als 75% zurückgegangen ist. Vor allem die
Wildinsekten sind für unsere Ernährung und unser
Wohlbefinden von überragender Bedeutung. Denn
dort, wo Honigbienen fehlen, sichern sie die Bestäubung unserer Nutzpflanzen. Nicht nur ihre Anzahl,
auch die Vielfalt der Arten und die Gesundheit der
einzelnen Tiere wirken ertragssteigernd. Wildinsekten erreichen mit der gleichen Anzahl von Blütenbesuchen einen doppelt so hohen Fruchtansatz
wie Honigbienen. 85% der in Europa angebauten
Feldfrüchte profitieren von der Bestäubung
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durch Wildinsekten. Es gibt Berechnungen, die
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den Marktwert der Insektenbestäubung global
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auf 200-500 Milliarden Euro pro Jahr beziffern.
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Insekten sind ,,unverzichtbare Helfer für unsere
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Ernährungssicherheit", die langfristig nur
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Für das Bienensterben wurde zunächst die
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Bienenvölker besonders intensiv befallen.
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Als Schwächungsgrund kommt vor allen Dingen
die industrielle Landwirtschaft mit ihrem enormen
Einsatz von Pestiziden in Betracht. In letzter Zeit
stehen besonders Neonikotinoide und Glyphosat in
der Kritik.
Neonikotinoide schwächen das Immunsystem der
Bienen, das Orientierungsvermögen sowie die Fähigkeit zur Fortpflanzung. Sie sind gut wasserlöslich und
schwer abbaubar. Das bedeutet, dass sie auch das
Bodenleben langfristig und nachhaltig schädigen
können. Glyphosat ist
in vielen Herbiziden wie
Roundup enthalten und
wird auch in Privatgärten
viel zu häufig verwendet.
Auf landwirtschaftlichen
Flächen bedeutet sein
Einsatz einen Rückgang
der Wildkräuter, damit
verbunden die Reduzierung vieler Insekten und
der Feldvogelarten wie Lerche oder Kiebitz. Nach
bisherigem Wissensstand können unsere Ökosysteme zum Beispiel durch Förderung der ökologischen
Landwirtschaft, Verzicht auf Pestizide, Strukturanreicherung der Agrarlandschaft durch Hecken
und Baumreihen, blühende Ackerrandstreifen,
Reduzierung von Feldgrößen und Vernetzung von
Naturschutzflächen stabilisiert werden.
Die Politik ist aufgefordert, die Konsequenzen aus den
IPBES-Informationen zu ziehen und auf europäischer
und nationaler Ebene den Weg zur ökologischen
Umstrukturierung der Landwirtschaft zu ebnen.
Wir selber können Veränderungen bewirken, indem
wir durch unser Kaufverhalten die ökologische Landwirtschaft stützen, saisonal und regional einkaufen
und in unseren Gärten auf Gifte verzichten.


geistREich · Kirchenzeitung für Recklinghausen

Inge Bischoff

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