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geistREich_04.07.2018

Seite 7 geistREich_04.07.2018,,Was wird mit mir nach dem Tod?"
Skeptische Suchbewegungen eines christlichen Theologen
Ein betagter Geistlicher aus meiner
Heimatgemeinde soll auf seinem Sterbebett
gesagt haben: ,,Hoffentlich stimmt all das, was wir
ein Leben lang gepredigt haben!" Diese Aussage
hat damals viele Menschen irritiert, gingen sie
doch davon aus, dass ein Priester qua Amt mit
einer großen Glaubensgewissheit gesegnet ist.

Info
Magnus Striet steht den Recklinghäuser Mitgliedern der ökumenischen Pfarrkonferenz auf ihrer
Klausurtagung im September als Referent zur
Verfügung. Das hier kurz vorgestellte Buch wird
dabei als Grundlage dienen.

Ähnliches wird wohl manchen Lesern bei der Lektüre des Buches ,,Gottes Schweigen" von Magnus Striet
durch den Kopf gehen. Ein Theologieprofessor, der
so viele vertraute Glaubenswahrheiten infragestellt,
nimmt in Kauf, dass man ihn als verwirrend wenn
nicht gar als anstößig wahrnimmt. Doch vielleicht
kann man das auch ganz anders sehen: Da viele Zeitgenossen mit dem Glauben an den christlichen Gott
so ihre Probleme haben, ja, seine Existenz vielfach
infrage gestellt wird, kann es für einen Theologen
der richtige Zugang sein, sich intensiv mit den Fragen
und Zweifeln der Menschen zu befassen. Und genau
das tut Magnus Striet: Er hinterfragt die christliche
Rede von Gott. All das, was kluge und fromme Köpfe
im Laufe von 2000 Jahren gedacht, gebetet und geglaubt haben, legt er auf den Prüfstand. Vorschnelle
Antworten auf schwierige Fragen sind dabei nicht
sein Ding. Ebenso erliegt er nicht der Versuchung,
sich in die Abgeschiedenheit des wissenschaftlichen
Elfenbeinturms zurückzuziehen. Ganz im Gegenteil
zielt der gebürtige Münsterländer darauf, den
Vorgang des theologischen Denkens konkret mit
der Lebenserfahrung und Alltagsdeutung der Menschen zu verbinden.
Ausgangspunkt ist die Frage: ,,Was wird mit mir
nach dem Tod?" Eine Frage, die letztendlich jeder
Mensch ­ ob gläubig oder nicht ­ mehr oder
weniger bewusst in sich trägt und die auf Antwort
drängt. Gerade im Hinblick auf das unfassbare Leid,
dem Menschen in der Geschichte und in der Gegenwart immer aufs Neue ausgesetzt waren und sind,
wird diese Frage noch einmal dringlicher: Wird den
Opfern der Geschichte Gerechtigkeit widerfahren?
Kommt denen, denen das Leben arg mitgespielt
hat, nicht doch noch so etwas wie eine Genugtuung
oder Versöhnung zu? Striet, Theologieprofessor an
der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, entwickelt eine Vorstellung von Gott, die diesen deutlich

herausfordert: ,,Nur ein Gott, der rettet, Gerechtigkeit
zu schaffen und Tränen abzuwischen vermag, ist ein
Gott, den zu ersehnen sich lohnt." Ein Gott, der Folter, Mord oder Leid eines einzigen Menschen billigen
würde, wäre für den Glauben nicht mehr akzeptabel.
Die schlimmen Katastrophen der Weltgeschichte,
wie sie gerade aus dem vergangenen Jahrhundert
durch stellvertretende Begriffe wie Auschwitz und
Hiroshima noch schmerzlich in Erinnerung sind,
können niemals akzeptiert werden. Aber genauso
wenig mag man sich einen Gott vorstellen, der das
so gewollt haben könnte, der Leiden hinnimmt
oder rechtfertigt. Und so verwundert es nicht, dass
Striet in jeglicher Form menschlichen Leidens einen
Angriff auf Gott sieht, eine Infragestellung seiner
Güte und Macht.
Da der Autor sich zudem bei seiner Suche nach
befriedigenden Antworten keine Denkverbote
auferlegt, mutet er sich und seiner Leserschaft
manchmal eine harte Kost zu. Warum, so fragt er
beispielsweise, habe Gott den Menschen überhaupt
geschaffen; ihm müsse doch bewusst gewesen
sein, dass der Mensch Böses verursachen kann und
Schweres erleiden muss.
Auch wenn der 54-jährige Theologe nicht auf alles
eine eigene Antwort anbieten kann, so verliert er
bei aller Skepsis nicht die Hoffnung auf das Reich
Gottes, in dem alle Ungerechtigkeit beseitigt
ist. Er selbst nennt dies mit Johann Baptist Metz
,,
Karsamstagschristologie", die zwischen der Gegenwart des Leidens (Karfreitag) und der Zukunft
von Ostern steht: ,,Der Begriff warnt davor, es sich
mit Ostern zu leicht zu machen. Nur den Osterjubel
hören zu wollen, aber den Verlassenheitsschrei Jesu
am Kreuz und die daraufhin eintretende Stille zu
verschweigen."

Joachim van Eickels

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