< Seite 3
Seite 5 >

Seite 4

geistREich_04.07.2018

Seite 4 geistREich_04.07.2018Eine Privataudienz beim Papst
Ein Dokumentarfilm mit und über: ,,Papst Franziskus ­ Ein Mann seines Wortes"
Noch nie war man dem Papst so nah, ein
Film wie ein eindringlicher, persönlicher
Aufruf des Stellvertreter Christi, ergänzt
mit beeindruckendem Bildmaterial von
seinen zahlreichen Reisen um den Globus.
Das 96-minütige Werk stammt von keinem
geringeren als einem der bekanntesten
deutschen Regisseure der vergangenen
Jahrzehnte, Wim Wenders. Das Besondere: Der
Zuschauer schaut dem Papst direkt in die Augen.
Dieses nahe und intensive Erlebnis kommt durch
Wenders' besondere Kameratechnik zustande.
So saß Franziskus statt dem Regisseur persönlich
einer Kamera und einem Teleprompter (Monitor)
mit Wenders' Gesicht gegenüber. Ein Gespräch
zwischen ihm und ­ im wahrsten Sinne ­ der
Welt entsteht, auf Spanisch mit Untertiteln. In
insgesamt vier langen Sitzungen über zwei Jahre
sprach der Regisseur mit dem Pontifex über
seine, ihm wichtige Anliegen.

So spricht Papst Franziskus unter anderem zu den
Zuschauern: ,,Solange eine Kirche ihre Hoffnung drauf
setzt reich zu sein, ist Jesus darin nicht zu Hause". Zu
Anfang blickt der Zuschauer lange auf Assisi, das Städtchen in Mittelitalien, wo einst Franz von Assisi (11811226) wirkte. Wenders' sonore Stimme aus dem Off,
die die Geschichte des Heiligen erzählt, zeigt schon zu
Beginn den roten Faden dieses Films, eine ,,Meditation
über die Zeit". Der Papst nimmt den Zuschauer mit auf
einige seiner Reisen zu den Brennpunkten der Welt
unter anderem in ein US-amerikanisches Gefängnis
und in die Armenviertel Rio de Janeiros.
Das von Wenders verwendete Videomaterial stammt
aus den Archiven des Vatikans, zu denen er freien Zutritt hatte. Es ist ein Film, der keineswegs bequem ist,
er macht nachdenklich. Denn der Pontifex führt uns
die drängenden Probleme unserer Zeit klar vor Augen,
Probleme, die ihm am Herzen liegen wie die weltweite Armut, der bedrohende Klimawandel und die
zahlreichen sinnlosen Kriege. Außerdem wirbt er für
mehr Liebe und Menschlichkeit. Dabei sieht er jeden
Einzelnen in der Verantwortung für die Mitmenschen,
unseren Planeten und dessen Schicksal.

Die Bilder, die der Film zeigt sind besonders. Dabei
wirkt der Pontifex näher und menschlicher als jemals
zuvor und sorgt so immer wieder für Gänsehaut-Momente. Es ist eine Begegnung im unvergleichlichen
Wenders-Stil.

Marie Sophie Gorschewski

Fotos: lichtbu

rg-essen.de | W

im Wender s

Die Idee für dieses Filmprojekt stammt nicht von
Wenders selbst, ,,in meinem Lebensplan war es nicht
drin, einen Film mit dem Papst zu machen", sagt er.
Als jedoch Ende 2013 ein Brief des Vatikans in seinem
Briefkasten landete, setzten sich er und sein Team direkt an ein Konzept. Die Initiative eine Dokumentation
über den Papst zu drehen ging vom damaligen Direktor des Centro Televisivo Vaticano (CTV) aus, wurde
jedoch nicht finanziell unterstützt. Seine inoffizielle
Weltpremiere feierte der Film bereits im Mai auf dem
Katholikentag in Münster. Seit dem 14. Juni läuft er
in deutschen Kinos, und gleich am ersten Tag durfte
ich ihn in der Essener Lichtburg,

Publikumsgespräch in der Lichtburg erklärt sich der
Filmemacher. Wenders verfolgt in diesem Film wie in
seinen anderen Dokumentationen auch den invasiven
Ansatz, eine kritische Betrachtung bleibt dabei aus.
Sein Prinzip, etwas aus sich herausleuchten zu lassen,
geht mehr als auf: Die Erfahrung und das rleben der
E
Gespräche mit dem Papst achen iesen Film einzigm
d
artig, und es wird klar, dass der Regisseur von dem Mut
und der Kraft dieses Mannes schwer beeindruckt ist.

im rößten und schönsten
g
Kinosaal Deutschlands, bestaunen. Wim Wenders
war wie der Bischof des Bistums Essen, Franz-Josef
Overbeck, persönlich anwesend. Im anschließenden

4

geistREich · Kirchenzeitung für Recklinghausen

zurück zum Anfang von "geistREich_04.07.2018"