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geistREich_04.07.2018

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Katholische
Kirchengemeinde

Liebfrauen

Pfarrei Liebfrauen

,,Die Farbe von Milch" ­ Ein Buch von Nell Leyshon
Ich möchte das Buch ,,Die Farbe von Milch",
geschrieben von Nell Leyshon vorstellen und ans
Herz legen. Nicht nur weil wir Sommer haben,
die Ferien vor der Tür stehen und somit auch
die Lesezeit, sondern weil mich die Erzählung
fasziniert und gleichzeitig berührt hat.

Nell Leyshon erzählt die Geschichte von Mary,
einem 15-jährigen Mädchen, das 1831 in England
auf dem armseligen Hof eines Bauern als vierte
Tochter aufwächst. Sie hat es nicht leicht, harte
Arbeit, wenig Essen, dazu ein verkrüppeltes Bein
und eine Familie, der es an Emotionen fehlt.
Trotzdem ist sie nicht begeistert, als sie vom
ortsansässigen Pfarrer als Hilfe für dessen kranke
Ehefrau in den Pfarraushalt geholt wird.
Dort lernt sie eine andere Welt
kennen: Wasser und Seife, saubere
Kleidung, ein eigenes Bett. Und sie
macht ihre Arbeit gut, wenn auch
manchmal ungewöhnlich.
Sie lernt schnell, denn sie ist nicht
dumm und in ihrer offenen,
unverblümten Art, wird sie bald
eher zu einer guten Freundin
der Pfarrersfrau, denn als eine
Angestellte.

Dieser schlichte und zugleich fesselnde Roman
lebt auch von dem ungewöhnlichen Schreibstil
der Autorin. Eine Art Tagebuch in einfacher,
unverblümter Sprache, das uns die kämpferische,
unbeugsame Heldin näherbringt. Der intelligente, unbeugsame Geist dieses ungebildeten
Mädchens, das aus den sozialen Zwängen nicht
ausbrechen kann, wird hervorgehoben. Eine ergreifende Geschichte über Armut und Menschenwürde, Macht und Widerstand, Abhängigkeit
und Missbrauch, schlicht und schön geschrieben.
Aktueller denn je. Das Schicksal dieser Mary geht
einem nahe.
Neugierig geworden? Ich habe das Buch in wenigen Stunden durchgelesen und kann es nur ans
Herz legen.

Gisela Hövelmann

Doch es kommt, wie es kommen
muss, die gute, kranke Frau
stirbt und Mary bleibt allein
mit dem Pastor zurück. Wer
jetzt auf schlechte Gedanken
kommt, wird nicht Unrecht
behalten. Mehr will ich nicht
verraten, nur: Es gibt leider
kein Happy End.
,,Dies ist mein Buch und ich
schreibe es eigenhändig.
Es ist das Jahr des Herrn
achtzehnhundertundeinunddreißig und ich bin
fünfzehn geworden und
sitze an meinem Fenster
und kann viele Dinge
sehen. Ich kann Vögel
sehen, die den Himmel
mit ihrem Schreien
füllen. Ich kann die
Bäume sehen und die Blätter. Und
jedes Blatt hat Adern, die über seine Oberfläche
laufen. Und die Rinde jedes Baumes hat Risse. Ich
bin nicht sehr groß und mein Haar hat die Farbe
von Milch. Mein Name ist Mary und ich habe
gelernt, ihn zu buchstabieren. M.A.R.Y. So schreibt
man die Buchstaben.

Info zum Buch

Ich will erzählen, was passiert ist, aber ich muss
aufpassen, dass ich nicht zu hastig vorpresche wie
die Kühe am Weidegatter ­ denn sonst komm ich
ins Stolpern und falle; und außerdem will ich anfangen, wo jeder vernünftige Mensch anfangen
sollte. Und zwar am Anfang."

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geistREich · Kirchenzeitung für Recklinghausen

Nell Leyshon
Die Farbe der Milch
Aus dem Englischen übersetzt von Wibke Kuhn.
Internationale Literatur
Hardcover mit Schutzumschlag
208 Seiten
ISBN-13 9783961610006

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