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Jüdisches Echo 17-18

Seite 136 Jüdisches Echo 17-18SD M G /D PA/ PI C T U RE DESK . C O M

Brand in einem Asylwerberheim in Deutschland: Aufpeitschende Reden am Nachmittag

habe, meinte er allerdings, Sie, Herr Doktor Schaffka,
hätten die Rednerliste geprüft und freigegeben."
,,Das ist eine glatte Unwahrheit!", empört sich Doktor Schaffka. ,,Ich hatte an der Erstellung der Liste mitgewirkt, doch oblag es mir nicht, irgendetwas freizugeben."
,,Dass ich mich bei Herrn Jäger bedankt habe",
mischt sich Bruno wieder ins Gespräch ein, ,,war nichts
weiter als eine Höflichkeitsfloskel. Man bedankt sich
eben beim Vorredner, wenn man ein Podium betritt, insbesondere dann, wenn man Mitveranstalter ist."
,,Auch wenn es sich um einen stadtbekannten Neonazi handelt?", fragt ein anderer Reporter.
,,Wenn ich gewusst hätte, was der Inhalt von Herrn
Jägers Statement ...", ereifert sich Bruno. Seine Worte
gehen in einer ganzen Flut von Fragen und Zwischenrufen unter. ,,Judenfeindschaft ist mir völlig fremd, ja, sie
ist mir zutiefst zuwider!", schreit Bruno, und sein Gesicht, wenige Augenblicke zuvor noch bleich, läuft rot
an. Der Großvater meiner Frau war Vierteljude, ich bin
ein Freund Israels ..." Wieder Fragen. Alle reden durcheinander. Die Menschenmenge wird immer unruhiger.
,,Wir lehnen Gewalt auf das Entschiedenste ab!", hört
Viktor Doktor Schaffkas Stimme. ,,Wir sind heimatbewusste Bürger, wir stehen für traditionelle Werte wie
Ehe, Familie, christliches Abendland, Grenzsicherung
und Grundgesetz, der Ausdruck Deutsches Volk ist für
Vol.66: WOHIN UNSERE WELT TREIBT

uns kein Schimpfwort, aber jegliche Form von Rassismus
und Antisemitismus ist uns völlig fremd. Gestern waren
es nicht unsere Anhänger, sondern die linken Chaoten,
die die Spirale der Gewalt in Gang gesetzt haben. Während wir, die wahren Demokraten, wir Patrioten, wir, die
verzweifelten Kassandrarufer gegen die Gefahren der Islamisierung und Umvolkung, als Nazis beschimpft werden, sind diese Linksextremen und ihre Handlanger die
eigentlichen Faschisten von heute."
,,Und was sagen Sie zur Behauptung, Bundeskanzlerin Angela Merkel sei Jüdin?", fragt jemand.
,,Was soll denn diese blödsinnige Frage?!", zischt
Doktor Schaffka wütend. ,,Es ist mir völlig schnuppe, ob
Frau Merkel Jüdin ist oder nicht. Merkel muss weg! Und
was hat das mit dem zu tun, was ich gerade gesagt hatte?"
Viktor hört nicht mehr zu. Er schaut sich um, er sucht
Lisa, die plötzlich verschwunden ist. Er dreht sich um,
aber er kommt nicht vom Fleck. Gleich hinter ihm stehen
vier junge Männer mit Bürstenhaarschnitt, finsteren Gesichtern und Lederjacken und eine junge Frau in Motorradkleidung. Diese Gruppe bildet eine undurchdringliche
Sperre und bewegt sich auch dann nicht, als Viktor höflich
darum bittet, man möge ihn doch durchlassen.
Doktor Schaffka erklärt unterdessen, dass ,,die vorläufige Suspendierung meines guten Freundes Bruno
Beck" eine notwendige Maßnahme gewesen sei, um ,,jeg135

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