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VESTIVALplus

Seite 9 VESTIVALplusNINA HOSS

ULRICH MATTHES

NINA HOSS
NACH DER FLUCHT VON ILIJA TROJANOW
21. MAI 2018
11.00 UHR

ULRICH MATTHES
ATEMSCHAUKEL VON HERTA MÜLLER
3. JUNI 2018
11.00 UHR

Sie wurde über Nacht zum Star, als im Dezember 1996 über neun Millionen Zuschauer ,,Das
Mädchen Rosemarie" im TV verfolgten: Nina
Hoss.
Zehn Jahre später sorgte die 42-Jährige als
,,Weiße Massai" für den erfolgreichsten deutschen Kinofilm des Jahres. Hoss, blonde, zarte
Schönheit mit auffallend breiten Lippen und
durchdringenden Augen, spielt mit viel Härte,
die ihr 2005 für die Rolle der Buhlschaft in der
,,Jedermann"-Aufführung den Spitznamen
,,die Coolschaft" einbrachte.
Dabei ging es zuhause früher wohl alles andere als cool zu: Hoss stammt aus einem linken
Elternhaus. Ihr Vater Willi war Gewerkschafter
und Mitglied des Deutschen Bundestages
bei den Grünen, die Mutter, Heidemarie
Rohweder, war Schauspielerin am Stuttgarter Staatstheater und später Intendantin der
Württembergischen Landesbühne Esslingen,
die Tochter Nina früh ins Geschäft brachte:
Schon als Baby war die also mit auf der Bühne.
Mit sieben Jahren sprach sie erste Hörspielrollen, mit 14 stand sie das erste Mal auf der
Theaterbühne und nahm als Jugendliche
Gesangsunterricht, gab den Plan, Opernsängerin zu werden, allerdings auf. Nun also
Sprech- statt Gesangskunst: Nina Hoss liest
mit ,,Nach der Flucht" ein behutsames Porträt
eines Menschenschicksals auf der Suche nach
Heimat: Autor Ilija Trojanow erzählt ­ nach
seiner Flucht aus Bulgarien 1971 als Kind ­ von
der Einsamkeit und dem Anderssein, das einen
ein Leben lang verfolgt.

Ulrich Matthes synchronisierte schon Charlie
Sheen (Platoon), Ralph Fiennes oder Sean
Penn. Er schulterte zahlreiche Hörspiele,
bekam in 2003 den deutschen Hörbuchpreis
verliehen, stand unzählige Male auf der
Theaterbühne, schnupperte Hollywood-Luft
in ,,Der Untergang" und kann es sich sogar
leisten, die Rolle als James-Bond-Gegenspieler
abzulehnen, nur um mehr Theater zu spielen.
Als er 2005 zum Theaterschauspieler des
Jahres gekürt wurde, hat Moritz Rinke den
Ausnahmeschauspieler in seiner Laudatio als
divenhaft bezeichnet. Matthes war zu Recht
empört. Er sei das Gegenteil, gab aber zu: ,,Bei
Proben bin ich sehr anspruchsvoll."
Offenbar ein Erfolgsrezept: Im Buch ,,Backstage. Matthes" erfährt der Leser von KarriereMeilensteine wie ,,Aimee und Jaguar" oder
Schlöndorffs ,,Der neunte Tag". 2008 berührte
der 58-Jährige mit dem Film ,,Novemberkind"
in deutschen Kinos, bekam 2015 den GrimmePreis für die Tatort-Folge ,,Im Schmerz geboren" an der Seite von Ulrich Tukur. Auch am
Grünen Hügel ist Matthes eine feste Größe.
Mit der Novelle ,,Die Toten" aus James Joyces
Zyklus ,,Dubliners" wusste er ebenso zu begeistern wie mit Tschechows ,,Dame mit dem
Hündchen", Albert Camus ,,Der Fremde" oder
Kafkas ,,Brief an den Vater".
Jetzt wagt sich Matthes an Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und ihre ,,Atemschaukel", ein Manifest der Erinnerungen an
die Schrecken eines stalinistischen Arbeitslagers.





GÜNTER LAMPRECHT CLAUDIA AMM

CLAUDIA AMM UND GÜNTER LAMPRECHT
ALS IN BOCHUM NOCH DIE SCHLOTE
RAUCHTEN
ERINNERUNGEN AN DAS RUHRGEBIET
17. JUNI 2018
11.00 UHR



Das Schauspiel-Duo und Ehepaar Claudia Amm
und Günter Lamprecht gehört zusammen auf
die Ruhrfestspielbühne wie die Pommes zur
Currywurst: Die beiden sind seit mehr als 30
Jahren liiert, gehen gemeinsam durch Dick und
Dünn: Bei einem Amoklauf 1999 in Bad Reichenhall wurden beide schwer verletzt, fanden nur
mühsam ins Rampenlicht zurück.
Lamprecht hatte sein erstes Theaterengagement am Schauspielhaus Bochum. Bekannt
wurde er als Tatortkommissar sowie Franz Biberkopf in Fassbinders Film ,,Berlin Alexanderplatz".
,,Ich habe jede Menge Angebote, aber das meiste kommt nicht infrage", sagt einst der Schauspieler mit abgebrochener Dachdeckerlehre,
der rund 150 Filme gedreht hat und dem noch
immer die Augen leuchten, wenn er an Oberhausen erinnert wird. Das Ruhrgebiet ist für den
88-Jährigen, der 1930 als Sohn eines Taxifahrers
in Berlin zur Welt kam, immer noch die zweite
Heimat. Schließlich hat er dort in den 50er und
60er Jahren lange gelebt. Unvergessen bleiben
die Abenddämmerungen vor Ruß spuckenden
Kokereien, vor flackernden Stichflammen aus
den Hochöfen. Schicksalsverbunden fühlt er
sich mit dem Pott, deshalb ist die Lesung ,,Als in
Bochum noch die Schlote rauchten" ein Muss
im diesjährigen Ruhrfestspielprogramm. Bisher
überzeugte das Duo hier etwa mit einem Leseduell zum Ehekrieg von Leo Tolstoi und Sofja
Tolstaja oder Heinrich Bölls ,,Der Engel schwieg"
mit anschließender Signierstunde.
ifi

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