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Seite 6 VESTIVALplusINTERVIEW: DEVID STRIESOW

,,ICH BIN IMMER NOCH AUFGEREGT"
Um Privates macht er in Interviews gerne einen grooooßen Bogen. Devid Striesow redet lieber über seine Arbeit. Wir erwischen
den viel beschäftigten Schauspieler in einem Hotel in Hamburg, wo er abends mit dem Vier-Stunden-Stück ,,Unendlicher Spaß"
auf der Bühne steht. Vom 24. bis 26. Mai gastiert Devid Striesow mit der Inszenierung nach dem epochalen Roman von David
Foster Wallace bei den Ruhrfestspielen. Als kleiner Spaßvogel entpuppt sich bei unserem Telefoninterview vor allem sein eineinhalbjähriger Sohn, der im Hintergrund plötzlich mächtig aufdreht. Der Vater nimmt's sympathisch gelassen und geht kurzerhand
in der Hotellobby in Deckung. Und ein bisschen Privates hat er uns dann doch verraten...

Hallo, Herr Striesow, ich möchte mit Ihnen heute vor allem
über die Zeit und den Spaß reden.
Ok, dann schießen Sie mal los.
Der frühe Morgen soll nicht Ihre (Tages-)Zeit, jetzt ist es 11 Uhr,
sind Sie schon auf Betriebstemperatur?
Ja klar, 11 Uhr ist ja nicht früh, normalerweise fangen
ja auch ab 10 Uhr die Proben am Theater an. Zwischen 10 und 15 Uhr ist für mich die produktivste Zeit
des Tages, da geht alles.
Sie arbeiten viel, sind auf allen Kanälen präsent. Ihr Tag
scheint eng getaktet zu sein. Sie geben mir wahrscheinlich
nicht umsonst nur 20 Minuten für unser Interview?
Nein, ich brauche das eigentlich so, dass es nicht eng
getaktet ist. Ich versuche, meine Termine so zu legen,

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dass es mich nicht erdrückt. Da wir in Berlin wohnen,
ist das allerdings oft schwierig, weil dort alles mit langen Wegen verbunden ist. Für einen Termin ist man
oft allein für die Anfahrt eine Stunde unterwegs.
Wofür nehmen Sie sich die Zeit zwischen den Arbeitsphasen?
Ich nehme mir zum Beispiel die Zeit, viel Fahrrad zu
fahren. Das Rad ist immer dabei. Wenn ich etwa mit
dem ,,Unendlichen Spaß" in Münster Vorpremiere
habe, erkunde ich vor der Vorstellung zwei, drei
Stunden die Gegend. Da muss das Wetter schon
scheußlich sein, dass es nicht klappt. Ich integriere
Fahrradtouren genauso in meinen Tag wie die Sporteinheit, denn wenn der Körper geparkt und nicht
wach ist, dann ist der Geist auch schwach.

Welchen Sport machen Sie?
Das nennt sich ,,Crossfit", eine ganz körperliche
Sportart. Das ist eine Gruppengeschichte mit Trainer,
ziemlich anstrengend, weil der Puls sehr hoch geht,
aber danach fühlt man sich einfach gut.
Stichwort ,,Innere Auszeit": Sie können sich nach eigenen
Angaben von jetzt auf gleich sehr gut wegbeamen, sodass
Sie auch mitten im größten Trubel ganz bei sich sind und
abschalten?
Ja, es ist wichtig, gerade bei Problemen mal ab und
zu komplett auszuschalten, statt auf Gedeih und Verderb krampfhaft weiterzumachen. Danach kommt
man mit einer neuen Perspektive meist viel besser
weiter oder zu einer Lösung.

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