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VESTIVALplus

Seite 5 VESTIVALplusBILL MURRAY

KEINE SPUR VON EHRFURCHT
Noch ein Hollywoodstar bei den Ruhrfestspielen. Wieder ein neuer. Bill Murray kommt nach Recklinghausen. Und auch er hat
ein literarisch-musikalisches Bühnenprogramm im Gepäck: ,,New Worlds". Das zeigt eine ganz andere Seite des Mannes, der mit
Komödien wie ,,Ghostbusters" oder ,,Und täglich grüßt das Murmeltier" weltberühmt geworden ist. Und wie so oft, so zeigt
Murray auch in diesem Programm keine Spur von Ehrfurcht.

William James ,,Bill" Murray wurde am 21. September
1950 in Wilmette, Illinois, geboren. Es war ein Vorort
von Chicago, er hatte insgesamt acht Geschwister
und die Familie war wirklich nicht reich. Mit einem
Job als Golf-Caddy verdiente er sich schon früh etwas
Geld ­ auch für die Ausbildung. Er spielte in einer
Rockband, versuchte sich in einer Theatergruppe ­
und begann später, Medizin zu studieren. Doch das
ging nicht lange gut. In den 70ern brach Murray ab.
An seinem 20. Geburtstag wurde er am Flughafen
mit über vier Kilo Cannabis erwischt ­ und musste
die Universität verlassen.
Er schloss sich dem Improvisationstheater ,,The
Second City" an. Das war der Startschuss als Komiker.
Schon 1977 wurde er Teil der Kult-Sendung ,,Saturday

Night Live" ­ und erhielt den ersten Emmy. Zwei Jahre später begann die Zusammenarbeit mit Ivan Reitman. Nach ,,Babyspeck und Fleischklößchen" folgten
große Kino-Erfolge wie ,,Ich glaub', mich knutscht ein
Elch!" oder die berühmten Ghostbusters-Filme.
1993 dann ein weiterer Leinwand-Hit. In ,,Und täglich
grüßt das Murmeltier" spielte Murray einen Reporter,
der denselben Tag immer wieder von Neuem erlebt.
Dieser Film hat heute immer noch Heerscharen an
Fans.
Dann wurde es ein paar Jahre relativ ruhig. Doch in
der Zusammenarbeit mit Wes Anderson folgte auch
schon das Comeback. Zum Beispiel mit der gesellschaftskritischen Komödie ,,Rushmore" oder der
köstlichen Tragikomödie ,,The Royal Tenenbaums".

Zwar hat ihm die Rolle eines alternden Schauspielers,
der in einem Hotel in Tokio hängen geblieben ist, in
dem Film ,,Lost in Translation" eine Oscar-Nominierung
­ und endlich auch mal ernstere Rollen ­ eingebracht.
Aber Spezialist für Komödien ist Murray geblieben.
Jetzt allerdings hat der Hollywood-Star mal wieder
Neuland betreten. Fast zufällig. Auf einem New-YorkFlug lernte er den deutschen Cellisten Jan Vogler kennen, der auch Intendant der Dresdner Musikfestspiele
ist. Der Schauspieler musste schmunzeln über den
Fensterplatz des Cellos, so kam man ins Gespräch. Die
beiden wurden Freunde ­ und später Partner, als sie
das literarisch-musikalische Bühnenprogramm ,,New
World" erarbeiteten und aufnahmen. Also: Schluss mit
lustig?
jam

NEW WORLDS
In ,,New Worlds" knüpfen Starcellist Vogler und Hollywoodlegende Murray an ihr
anregendes Gespräch über klassische Musik
und amerikanische Literatur an ­ und bringen
diese wunderbare Kombination auch auf die
Ruhrfestspiel-Bühne. Unterstützt von Mira
Wang an der Violine und Vanessa Perez am
Klavier, tauchen Vogler und Murray in viele
,,neue Welten" ein.
Murray verleiht den Klassikern der amerikanischen Literatur dabei seine Stimme, springt
von Hemingways und Millers Kurzgeschichten
zu Whitmans Poesie und Twains Humor.
Dazu gibt es dann beispielsweise Tangos von
Piazzolla oder auch sentimentale Weisen von
Elgar und Mancini.
Aber Bill Murray ist nicht nur Schauspieler und
Entertainer. Er rezitiert nicht nur die Texte großer Autoren wie Walt Whitman. Er singt auch
noch. Einige Klassiker des Great American
Songbook bereichern diese musikalische Reise. In dieser ,,transatlantischen Verknüpfung
von Musik und Literatur, Rede und Gesang bewirken Murray und Vogler Großes", so urteilte
zum Beispiel die FAZ in ihrer Kritik. Es sei eine
,,von aller Ehrfurcht befreite Entstaubung des
Kanons". Man darf gespannt sein.

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