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VESTIVALplus

Seite 4 VESTIVALplusJOHN MALKOVICH

DAS THEATER ALS GEMÄLDE
Es gibt viele Stars in Hollywood. John Malkovich ist ein Superstar. Und er ist gut. Richtig gut. In vielen völlig verschiedenen
Rollen. Nicht nur als teuflischer Verführer. Er war Mr. Hyde in ,,Mary Reilly" und er war Schlöndorffs ,,Unhold". Er war der
gefährliche Psychopath in ,,Con Air", der kalte Zyniker in ,,Der Mann mit der eisernen Maske" oder der sympathische Schurke
in ,,Ripley's Game". Ganz andere, ungewohnte Facetten sah man wiederum in Bertoluccis ,,Himmel über der Wüste" oder
auch in Komödien wie ,,Burn After Reading" und ,,R.E.D.". Jetzt kommt er mit ,,The Music Critic" nach Recklinghausen.

Seine große Liebe galt schon sehr früh dem Theater,
der Bühne. 1976 gründete Malkovich die SchauspielTruppe ,,Steppenwolf" ­ und inszenierte selbst.
Zum Beispiel Pinter, Shaw oder Shepard. Für seine
erste Filmrolle gab es auch gleich die erste OscarNominierung. ,,Ein Platz im Herzen" war das. Es folgte
,,Tod eines Handlungsreisenden" ­ er bekam einen
Emmy. Und für ,,Gefährliche Liebschaften" mit Glenn
Close und Michelle Pfeiffer erhielt er den ,,Premio
Sant Jordi".
Das Kino hat den 1953 als Sohn jugoslawischer
Einwanderer Geborenen, der einst ein Sängerknabe
werden wollte, weltberühmt gemacht. Der Film,
so Malkovich vor ein paar Jahren im Interview mit

THE MUSIC CRITIC
An diesem Abend mit John Malkovich, Aleksey
Igudesman, Sarah McElravy, Boris Andrianov
und Hyung-ki Joo geht es um die Musikkritiker
­ und ihre vielen großen Fehlurteile:
Wer war schon Brahms? Ein völlig unbegabter
Bastard. Beethoven? Überschätzt! Chopin?
Nur trübe! Und Schumann erst. Wie kann ein
solcher Dilettant es wagen, sich Komponist
zu nennen? Und warum nur diese Hässlichkeit
bei Debussy?
Der Komponist und Geiger Aleksey Igudesman hat mit viel Liebe zum Detail und feinem
Sadismus eine Musterkollektion der grandiosen Fehlurteile und ignoranten Schmähungen
zusammengetragen. John Malkovich nun
fängt all diese Stimmen ein, hält sie fest wie
Mücken hinter Glas, gibt dann den Raum frei
für die Musik und für großartige Interpreten,
die all die hohlen Worte von der Bühne fegen
wie Staub.
Zum Abschluss öffnet Malkovich den eigenen Giftschrank, liest aus ,,The Malkovich
Torment", einer exquisiten Sammlung voller
furioser Verrisse der eigenen Schauspielkunst.
Auch dieses Libretto findet sich dann auf
das allerfeinste vertont von Igudesman und
seinen großartigen Kollegen.

VESTIVALplus, sei aus Sicht eines Schauspielers allerdings nur wie eine Skizze. Ein paar schnelle Striche,
nicht viel mehr. Das Theater dagegen sei ein ganzes
Gemälde.
Zuletzt hat Malkovich, der nebenbei gerne Mode
entwirft, auch noch das Musiktheater für sich
entdeckt. Das konnte man in Recklinghausen schon
mehrfach genießen. Bei den 64. Ruhrfestspielen zum
Beispiel war er bereits in der Rolle des österreichischen Serienmörders Jack Unterweger zu erleben.
Da war er wortwörtlich ,,unheimlich" gut.
Der sarkastischen Fantasie von Michael Sturminger
über den Grazer Prostituiertenmörder folgte ein Jahr
später wieder eine Rolle als Verführer. Malkovich

spielte den in die Jahre gekommenen Casanova in
den ,,Giacomo Variations" ­ und sang selbst. Die
Musik stammte aus den drei Da-Ponte-Opern Mozarts, Don Giovanni, Figaro und Cosi fan tutte. Durch
Mozarts Musik verwandelten sich Giacomos Partnerinnen in Donna Elvira, Susanna, Dorabella, Despina,
Zerlina und Rosina.
Zuletzt feierte John Malkovich die Weltpremiere
von ,,Just Call Me God" im März letzten Jahres in
der Hamburger Elbphilharmonie. Auf den Grünen
Hügel in Recklinghausen kommt der Hollywood-Star
diesmal wieder mit einem sehr musikalischen Abend
­ und nimmt sich eine ganz besondere Spezies vor:
die Musikkritiker.
jam

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