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Seite 23 VESTIVALplusKUNSTAUSSTELLUNG DER RUHRFESTSPIELE

POESIE DES ,,SCHWARZEN GOLDES"
Mit einer Grubenfahrt haben sich Gert und Uwe Tobias auf ihre
Kunstausstellung für die Ruhrfestspiele eingestimmt. Echte Kohle wie einst
Jannis Kounellis zeigen die Zwillinge trotzdem nicht in der Kunsthalle.
Mit ihren komplexen Bildwelten und einer multimedialen Inszenierung
erzählen sie vom 3. Mai bis 16. September ihre eigene Geschichte vom
,,schwarzen Gold" des Reviers. Ein echtes Unter-Tage-Gefühl verspricht das
Kölner Duo den Besuchern trotzdem.

Die Recklinghäuser Schau ist in diesem Jahr Teil eines
städteübergreifenden Mammut-Projektes zum Ende
der Steinkohleförderung: 17 von 20 ,,RuhrKunstMuseen" zeigen ganz unterschiedliche Positionen
zum Thema ,,Kunst & Kohle". In der Festspielstadt
begeben sich Gert und Uwe Tobias mit ihren narrativen, bis ins Detail durchkomponierten Räumen
auf die Spuren des Bergbaus. Spätestens seit ihrer
Einzelausstellung im New Yorker MoMa im Jahr 2007
zählen die Zwillinge zu den Stars der internationalen
Kunstszene.
Auf den drei Bunkeretagen führt der Weg von unter
nach über Tage, vom Ursprung der Ruhrfestspiele im
Jahre 1946 mit dem ,,Kunst für Kohle"-Mythos bis ins
Heute und Morgen. Im Zentrum der Ausstellung stehen rund 25 großformatige, wie ein Puzzle gedruckte
Holzschnitte. Die farbenprächtigen Collagen sind
das Markenzeichen der Brüder aus dem siebenbürgischen Brasov (Kronstadt). Seit ihrem Studium an der
Hochschule in Braunschweig leben und arbeiten sie
mit Anhang in einer alten Industriehalle im Kölner
Westen, sitzen im gemeinsamen Atelier einzeln am
jeweiligen Werk, reagieren immer wieder auf die
Interventionen, auf Ideen und Kritik des anderen.
Das Prinzip der Collage bezieht sich auch auf die Mo-

tivik, virtuos spielen die beiden 1973 in Rumänien geborenen Brüder mit unterschiedlichen
Kunst-Zitaten. Surreale und konstruktivistische
Sequenzen mischen sich subtil und ironisch
mit Dada- und Pop-Elementen, der Ornamentik der Volkskunst oder Gothik-Motiven. Die
neueren Werke sind reduzierter, aquarellhafte
Flächen haben die lauten Farben der Vergangenheit abgelöst. Und plötzlich flattert der
Kanarienvogel durch die künstlich komponierte
Bildwelt oder die Hl. Barbara, Schutzpatronin der
Bergleute, taucht zwischen den bizarren Figuren
und Fantasiegestalten auf.
Die Faszination der Zwillinge für das Groteske und
Ambivalente, ihre humorvolle Tiefsinnigkeit und
ihre handwerkliche Perfektion unterstreichen auch
die rund 25 Keramiken. Wandmalereien und eine
ausgefeilte Licht-Regie machen die Raum-im-RaumInszenierung zu einem poetischen Gesamterlebnis.
Drei Kabinett-Ausstellungen zum Kohle-Thema
und andere Begleitveranstaltungen wie ein Bergbau-Puppenspiel und ein Bohrhammer-Konzert
flankieren die Ruhrfestspiel-Schau. Im Foyer des
Ruhrfestspielhauses bekommt Recklinghausens
berühmtester Bergmann, Erich Bödeker, eine Bühne.

Der ehemalige Kumpel
(1904-1971) gilt heute als einer der bedeutendsten
naiven Künstler der Welt.
INFO
Ausstellungsort 1: 5. Mai bis 16. September, Kunsthalle Recklinghausen, Große-Perdekamp-Straße
25-27, Gert & Uwe Tobias, dienstags bis sonntags/feiertags, 11-18 Uhr, eine Eintrittskarte zu Vorstellungen
der Ruhrfestspiele am gleichen Tag berechtigt zum
kostenlosen Besuch der Ausstellung.
Ausstellungsort 2: 1. Mai bis 17. Juni, Foyer Ruhrfestspielhaus, Otto-Burrmeister-Allee 1, Naive Kunst von
Bergmann Erich Bödeker, jeweils eine Stunde vor
und nach den Vorstellungen.
tib

,,KUNST FÜR KOHLE" ­ GESTERN UND HEUTE
,,Kunst für Kohle" lautet das Motto der Ruhrfestspiele.
Seine Wurzeln verlor das älteste Theaterfestival Europas
nie aus den Augen ­ und ist bis heute eng mit dem
Bergbau verbunden. Spielorte in ehemaligen Bergbaugebäuden spiegeln ein Stück dieser Tradition wider, die auch
vor der Moderne keinen Halt macht.
Die RAG Aktiengesellschaft wird auch nach Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus ihre Verantwortung für die
Region sehr ernst nehmen.
Herausforderungen gehören zur Geschichte und zur Gegenwart der RAG. Sie anzunehmen und zu meistern, ist
Teil unserer Tradition und Auftrag für die Zukunft.

RAG Aktiengesellschaft
Im Welterbe 10
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