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Seite 22 VESTIVALplusFESTIVAL DER URAUFFÜHRUNGEN

DER KREISSSAAL FÜR NEUE STÜCKE
Die Ruhrfestspiele sind auch Geburtsstätte für zeitgenössisches Theater. Beim Festival der Uraufführungen wird die Zechenhalle
König Ludwig 1/2 zur zum Kreißsaal, in dem neue Stücke das Licht der Welt erblicken.

Auch in diesem Jahr ist ein Bühnenautor wieder
dabei, der als zuverlässiger Beobachter der Gegenwart gilt. Zum fünften Mal ist Oliver Bukowskis dabei.
Seine Komödie ,,Verzicht auf zusätzliche Beleuchtung" stellt eine Frau vor, die Grenzen sprengt: Rieke,
die mit ihren Luftschlössern Familie und Freunde
strapaziert, die im Chaos versinkt und säuft. Oliver
Bukowski erzählt davon, wie andere versuchen, die
kreative Chaotin in ein ,,normales" Leben zu führen.
Die Produktion entsteht am Nationaltheater Weimar.
Regisseur Stephan Rottkamp, der u.a. Schauspieldirektor in Düsseldorf war, gibt mit dieser Uraufführung sein Debüt in Weimar.
Dem Ruhrfestspielthema Heimat nähert sich das
Projekt ,,The Chorenauts" von zwei Kontinenten aus
an. Auf Einladung der Bremer Tanzcompagnie ,,steptext dance project" sind die Choreografen Nadja
Beugré aus Nigeria, Qudus Onikeku aus Südafrika
und Phumlani Nyanga von der Elfenbeinküste nach
Deutschland gekommen und haben mit deutschen
Partnern jeweils in Tandems Tanzstücke erarbeitet.
Das ,,steptext dance project" in Bremen versteht
sich als Plattform für zeitgenössischen Tanz und
arbeitet mit wechselnden Tänzern und verschiedenen Künstlern zusammen. Die Kooperation mit
Afrika ist ein Thema der Arbeit. Beim Festival der
Uraufführungen steht mit den Stücken ,,In Between"
und ,,Digging in the Night" die Arbeit von Phumlani
Nyanga, dem gefeierten afrikanischen Newcomer,
und seinem deutschen Partner Helmut Lejonga auf
dem Programm.
Für Konstantin Küspert liegt die Heimat im ,,Westen" ­ oder auch bald nicht mehr. Der Autor und
Dramaturg, der bei den Mülheimer Theatertagen mit
dem Publikumspreis für sein Stück ,,europa verteidigen" ausgezeichnet wurde, startet in einer lockeren
Szenenfolge zu einem provokanten Streifzug durch
die Geschichte ­ bis zum drohenden Zerfall der
westlichen Bündnisse. Alles beginnt mit einer Liebesgeschichte im Bunker. Als Gäste treten Christopher
Columbus, Neil Armstrong und Jean-Luc Picard in
einer humorvollen und politisch brisanten Inszenierung auf, die am ETA Hoffmann Theater in Bamberg
in der Regie von Sibylle Broll-Pape aufführungsreif
gemacht wird. ,,Westen" ist die dritte Auftragsarbeit
des umtriebigen 35-jährigen Dramatikers.
Als Autor und Regisseur gibt Michael Ojake mit dem
Stück ,,Ein Spiel namens Mut" beim Festival der
Uraufführungen sein Debüt. Bekannt wurde der 1961
geborene Nigerianer, der seit mehr als drei Jahrzehnten in Europa zu Hause ist als Schauspieler, der
im Fernseh-Tatort auftritt oder auf der Leinwand im
Roadmovie als ,,Mitfahrer" skurrile Menschen trifft.

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Auch bei den Ruhrfestspielen stand Michael Ojake
schon auf der Bühne. Jetzt erzählt er eine Geschichte,
die in seinem Heimatland Nigeria beginnt. Es geht
um Flucht und Entwurzelung und die Hoffnung auf
Glück. Doch alle Träume zerplatzen an der Wirklichtkeit. Im internationalen Kulturzentrum UfA Fabrik
Berlin entsteht das Bühnenstück in Koproduktion mit
den Ruhrfestspielen.
Theatermacher Christian Schäfer aus Gütersloh alias
Fink Kleidheu hat bereits zwei Uraufführungen auf
die Recklinghäuser Festivalbühne gebracht. Nach
,,Island One Way" und ,,Der letzte Cowboy" hat er sich
für das Bühnenabenteuer ,,Loreley (Sinking Ships)"
in diesem Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preisträger
Tilmann Rammstedt an die Seite geholt. Der Poet

aus Bielefeld hat die Texte zum Soundtrack eines
turbulenten Abenteuers geschrieben. Im Mittelpunkt
steht Lilly Hergotts Ausbruch aus einem behüteten
Leben. Die Rebellion der Sinnsuchenden ist der
Abschluss dieser Theater-Trilogie. In diesem Jahr hat
Lars Werner hat in diesem Jahr den Kleist-Förderpreis
für junge Dramatiker gewonnen. Der junge Autor aus
Dresden, der an der Universität der Künste in Berlin
szenisches Schreiben studiert, hat die Feder am Puls
der Zeit, in der Rechtspopulismus für viele wieder
salonfähig geworden ist. Auf einem Bahnhof in der
sächsischen Provinz ruft eine Frau um Hilfe, die von
einem Unbekannten bedrängt wird. Der Bahnwärter kommt dazu ­ und erschlägt den Mann ­ einen
Flüchtling.


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