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Seite 10 VESTIVALplusINTERVIEW: JOHANNA WOKALEK

,,ICH WILL GRENZEN ÜBERSCHREITEN"
Johanna Wokalek war im Film ,,Die Päpstin" und Gudrun Ensslin, spielte in aufregenden Operninszenierungen die unerschrockene Kämpferin Jeanne d'Arc und die jüdische Dichterin Charlotte Salomon. Für ,,Nana" hat sich die vielfach ausgezeichnete
Charakterschauspielerin auf das Wesentliche konzentriert und einen literarisch-musikalischen Abend für zwei entwickelt ­ mit
Texten und Kompositionen aus der Zeit des großen Impressionisten Edouard Manet, der 1877 nach dem Roman von Emile Zolas
das Gemälde schuf, das dem Abend seinen Titel gibt. Johanna Wokalek lässt eine schillernde Figur des 19. Jahrhunderts lebendig
werden und sucht den Weg in ihr Innerstes. Wir haben vorab mit Johanna Wokalek gesprochen.

,,Nana" spielt in Paris, ist das eine Hommage an Ihre Wahlheimat?
Vielleicht. Die Orte, die in dem Roman ,,Nana" von
Émile Zola beschrieben werden, an denen Nana
gelebt und sich ­ wie soll ich sagen ­ ,,herumgetrieben" hat, die finden sich alle hier in Paris. Ich habe
das Stück in Deutschland schon gespielt. Aber jetzt
bin ich in Paris, wo auch der Pianist Alphonse Cemin
lebt, mit dem ich hier weiter an ,,Nana" arbeite. Das
hat sich gut gefügt.
Was macht Paris für Sie so besonders?
Zum einen ist Paris eine Metropole. Ich tauche hier in
eine andere Welt ein. Ich bin von einer unglaublich
schönen Architektur umgeben. Und es gibt eben

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auch diese bestimmte Lebensweise, die ich entdecken kann ­ in Bezug auf Essen oder Kleidung zum
Beispiel. Aber vor allem mag ich die Selbstverständlichkeit im Umgang mit Schönheit und schönen
Dingen. Das ist ansteckend.
Es gibt in der Geschichte und in der Literatur viele spannende
Frauenfiguren, die mit Paris untrennbar verbunden sind.
Was hat Sie ausgerechnet auf Nana gebracht?
Das hat sich zufällig so ergeben. 2016 wurde in der
Hamburger Kunsthalle eine große Edouard-ManetAusstellung gezeigt. Der damalige Geschäftsführer
der Kunsthalle, Dr. Stefan Brandt, bat mich, dazu eine
Idee zu entwickeln. In der Ausstellung gab es ein
Gemälde von Nana. Da sieht man sie in voller Gänze

und nur zu Hälfte einen Mann mit einem Zylinder
und einem Spazierstock in der Hand, der auf dem
Sofa sitzt und auf sie schaut. Allein dadurch, wie er
sie ansieht, bekommt die Szene eine voyeuristische
Konnotation. Nana selbst sieht eigentlich sehr unschuldig aus auf dem Bild. Dieses Bild und der Roman
,,Nana" von Émile Zola sind der Ausgangspunkt für
die Erfindung dieses Abends. Das Schöne an dem
Programm ist jetzt, dass ich es immer wieder spielen
und weiterentwickeln kann.
Worauf achten Sie, wenn Sie sich eine Rolle/Figur aussuchen?
Ich muss neugierig sein auf die Figur, die ich zum
Leben erwecken soll. Wenn also beim Lesen oder wie
jetzt bei dem Vorschlag von Stefan Brandt zur Nana

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