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Hospizverein -25 Jahre

Seite 18 Hospizverein -25 JahreGeschichte

Hospize ­ Herberge für Gäste auf der Durchreise

Die moderne Hospiz-Geschichte ist eine Geschichte von Würde, Menschlichkeit, Lebensfreude und ehrenamtlichem Engagement. Im Hospiz
sollen Menschen am Ende ihres Lebens eine Herberge auf Zeit finden, als ,,Ort des Lebens und Lachens, des Sterbens und Trauerns".

Ein Leben in Würde ­ das ist allgemeines Menschenrecht. Die UNO-Menschenrechtscharta hat
es dieses Recht erstmals formuliert, und Artikel
1 des Grundgesetzes sagt es ganz klar: Die Würde des Menschen ist unantastbar. In Deutschland
sind es mittlerweile mehr als 100.000 Menschen,
die dem Leben der Sterbenden Würde verleihen. Sie setzen damit das Werk von Dr. Cicely
Saunders fort, die als Begründerin der Hospizund Palliativbewegung gilt.

Die Krankenschwester und Ärztin gründete 1967
das erste Hospiz der Welt, das St. Christopher's
Hospice in London, schockiert von den unwürdigen Zuständen, die sie in den Sterbezimmern
der Krankenhäuser vorfand. Die Austherapierten wurden im Flur oder einer leer stehenden
Toilette abgestellt. Allein mit sich und der Angst,
keine Hand weit und breit, die Trost hätte spenden können. Nicht einmal die trockenen Lippen
wurden benetzt. In ihren letzten Stunden wurden die Menschen einfach sich selbst und einem
hoffentlich gnädigen Gott überlassen.
Aber anders als viele andere hat Cicely Saunders
ihre Augen nicht vor dem Elend und der Würdelosigkeit des Sterbens verschlossen. Der Begriff
Hospiz knüpft an die frühmittelalterliche Bedeutung an, in der man die Herbergen entlang
der europäischen Pilgerwege als Hospiz bezeichnete. Erst im Laufe der Zeit hatten die Hospize
dann vorrangig die Pflege kranker Menschen
zum Ziel. An diese Herbergen knüpft die moderne Hospizbewegung symbolisch an. Das Hospiz
als Ort, an dem schwerstkranke und sterbende
Menschen auf ihrem letzten Weg versorgt werden und Gast sein dürfen.
Die Idee verbreitete sich in den USA und Europa,
kam in den 80er Jahren endlich auch in Deutschland an. 1986 wurde in Aachen das erste deutsche Hospiz eröffnet. Denn auch in Deutschland
stand es schlecht um die Würde sterbender
Menschen. Auch in deutschen Krankenhäusern
wurde einsam und verlassen gestorben, die
Sterbenden in ihren letzten Lebensstunden abgeschoben in Besenkammern, Putzräume und
leer stehende Toiletten. Aktuell gibt es 221

stationäre Hospize für Erwachsene, 14 Hospize nehmen seit der
Gründung von Haus Balthasar
in Olpe 1996 ausschließlich
schwerstkranke Kinder und
ihre Familien auf. Außerdem gibt es 1.500 ambulante
Einrichtungen.
Insgesamt kümmern sich
über 100.000 Ehrenamtler und hauptberufliche
Betreuungskräfte um die
Gäste auf Zeit. Bis heute
ist die Hospiz- und Palliativhilfe in ihrem Kern eine
ehrenamtliche Bürgerbewegung geblieben.
Trotzdem oder gerade deshalb ist
es ihr gelungen, die Sterbenden zurück in die Mitte der Gesellschaft zu holen
und unsere Augen für die Bedürfnisse Schwerstkranker zu wecken. Im bes-ten Falle gelingt es,
das Leben mit all seine Facetten und schönen
Seiten in die Hospizarbeit einzubringen. Die Ehrenamtler werden intensiv geschult und auf die
Begleitung Sterbender vorbereitet. Das Ziel: Die
Herberge auf Zeit soll ein Ort zum Leben und
Lachen, zum Sterben und Trauern sein. Dank intensivster medizinischer, palliativer und psychologischer Begleitung kann der Schwerstkranke
lange und intensiv am Leben teilnehmen.
Dieser Grundgedanke bestimmt vor allem das
Leben der stationären Kinderhospize. Denn
für sie gilt eine Besonderheit. Hier werden die
betroffenen Familien auf Wunsch schon ab der
Diagnose und nicht nur in der letzten Lebensphase begleitet. Oft leben die lebensverkürzend erkrankten Kinder und ihre Familien viele
Jahre mit ihrer Grunderkrankung und der Prognose, das Erwachsenenalter nicht zu erleben.
Dies bedeutet für alle einen langen und belastenden Prozess, in dem die Hospizmitarbeiter
eine große Stütze sind. Die Kinderhospizarbeit
ist nicht ,,Endstation" für die erkrankten Kinder,
sondern der Beginn einer längeren Begleitung.
Stationäre Kinder- und Jugendhospize entlasten die Familien und unterstützen die Eltern

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it ist nicht
Die Kinderhospizarbe
erkrankten
,,Endstation" für die
der Beginn einer
Kinder, sondern
.
längeren Begleitung
Foto: Pixabay

während der gesamten
Dauer
der Erkrankung.
Hier verbringen
die Familien gemeinsam wertvolle
Zeit, auch gesunde
Geschwister werden
emotional und psychologisch unterstützt. Spezifische Angebote für die
erkrankten Kinder, Eltern und
Geschwister sind ein Kern der Arbeit.
Die Geschichte der Hospize ist aber nicht nur die
Geschichte der stationären Hilfseinrichtungen,
immer mehr Menschen kümmern sich auch in
ambulanten Einrichtungen um Schwerstkranke und Sterbende. Das entspricht dem Wunsch
vieler Menschen, bis zum Lebensende zu Hause
oder im vertrauten Umfeld bleiben zu können.
Eine angemessene Betreuung, die den körperlichen, sozialen, psychischen und spirituellen
Bedürfnissen am Lebensende entspricht und die
Angehörigen und Nahestehenden einbezieht,
ist Aufgabe der über 1.500 ambulanten Hospizdienste. Sie füllen eine große gesellschaftliche
Lücke in der modernen Gesellschaft, in der Familien oft über ganz Deutschland verstreut leben und viele Menschen am Ende ihres Lebens
alleine sind. Und auch für die, die nicht alleine,
aber gemeinsam alt geworden sind und einen
schwerstkranken Partner nicht pflegen können,
ist die ambulante Hospizhilfe eine große Hilfe.
Heute ist die Gesellschaft bereit, sich mit den
Wünschen, Bedürfnissen und Sorgen Schwerstkranker und ihrer Angehörigen auseinanderzusetzen. Und das verdanken alle den engagierten
haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der
Hospiz- und Palliativhilfe. Sie sind es, die die Idee
vom Hospiz als Herberge
auf Zeit mit Leben füllen.
Ärzte und Pfleger, indem
sie Schmerzen lindern. Die
Ehrenamtlichen, indem sie
Zeit schenken, zuhören und
Trost spenden. Sie alle tragen dazu bei, dass die Idee
von der Herberge auf Zeit
mit Leben gefüllt wird. Deshalb bleibt zu wünschen,
dass sich auch unter veränderten Bedingungen unserer mobilen Gesellschaft genug Menschen finden, die
bereit sind, Schwerstkranke
und ihre Angehörigen auf
ihrem Weg zu begleiten.
Antje Berger

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