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Hospizverein -25 Jahre

Seite 14 Hospizverein -25 JahreLoslassen
Der Umgang mit Leben und Tod ist niemals leicht. Nicht nur für unmittelbar Betroffene und Angehörige ist das ,,Loslassen" ein schwer begreifbares Thema. Auch an Fachkräften und Ehrenamtlern geht die Konfrontation mit dem Lebensende nicht spurlos vorbei. Im Laufe der Zeit hat der
Hospiz-Verein Rhein-Ahr Erfahrungsberichte von ehrenamtlichen Hospizbegleitern von ihrer Tätigkeit im stationären Hospiz gesammelt.
Anonym erzählen Ehrenamtler von ihren Erfahrungen mit Sterbenden,
ihren Wünschen, Hoffnungen, Ängsten und die Motivation, auch die letzten Tage eines Menschen lebenswert zu gestalten.

Die Feuertaufe

Der Befähigungskurs zur ehrenamtlichen Mitarbeit in der Hospizbegleitung beinhaltet auch ein Praktikum im Hospiz. Zum erstmaligen
Kontakt bekam ich eine ,,Patin" zur
Seite gestellt, die mit mir gemeinsam einige Gäste besuchte. Das
war sehr hilfreich, empathisch aber
auch ­ gut und schön, denn beim
nächsten Mal sollte ich, von so gut
wie keiner Sachkenntnis getrübte
Praktikantin, alleine die Menschen
im Hospiz besuchen.
Vom sympathischen Pfleger (bisher
habe ich ausschließlich sehr nette,
empathische Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter kennengelernt) kam
der Vorschlag, mich am Bett von
Herrn D. ein wenig aufzuhalten, da
er sehr unruhig sei. Ich hatte von
meiner Patin, Frau K., vorab schon

ein wenig über Herrn D. erfahren.
Er war schon ziemlich lange Gast
im Hospiz, sodass alle, auch Frau K.,
ein besonderes Verhältnis zu ihm
aufgebaut hatten. Sie erzählte zum
Beispiel, dass Herr D. es genoss,
den Rücken gekrault zu bekommen und dass sie ihm kürzlich den
Heißhunger auf Currywurst mit
Pommes erfüllen durfte. Es wurde
deutlich, wie froh sie darüber war.
Herr D., Mitte 50, sehr abgemagert, im Bett liegend, war zwar
mit meinem Besuch einverstanden,
ignorierte mich aber nach der Begrüßung vollkommen. Auf meine
Konversationsversuche reagierte
er überhaupt nicht oder mit einem
knappen Ja/Nein. Er kratzte sich
nahezu ständig, Oberkörper, Arme,
Brust ... ­ dann den Intimbereich?

Ich wollte schon aus dem Zimmer
flüchten, da sah ich, dass sein Unterkörper irgendwie fest mit Mull
oder Ähnlichem gewickelt war.
Ich blieb!
Ich glaube, er nahm mich gar nicht
mehr wahr, er fiel immer wieder
kurz in den Schlaf. Ich saß tatenlos
da und erinnerte mich an das im
Kurs gelernte AUSHALTEN KÖNNEN. Das galt auch für den dudelnden Trash-TV-Sender. Am liebsten
hätte ich den Kasten ausgeschaltet,
aber auch hier erinnerte ich mich:
DER GAST BESTIMMT! Ich hatte
hier keinen ,,Heimvorteil" ­ also
AUSHALTEN!
Herrn Ds. Augen streifen mich ab
und zu teilnahmslos. Er begann
wieder mit der Kratzerei wie besessen. Er kam langsam hoch zum Sit-

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zen und versuchte, seine Schultern
zu erreichen. Ich fühlte mit ihm,
dass es eine Folter sein muss, den
Juckreiz nicht stillen zu können.
Es ist für mich selbst immer noch
unglaublich ­ aber ich habe ihn tatsächlich gefragt, ob ich mal seinen
Rücken ein wenig schubbern soll.
Ja, ich sollte ­ und wenn ich nicht
irgendwann gesagt hätte: ,,Noch
zwei Minuten, Herr D., dann muss
ich leider für heute gehen", dann
würde ich immer noch kratzen. Ich
verabschiedete mich mit den Worten: ,,Nun bin ich ja keine Anfängerin im Schubbern mehr, beim nächsten Mal weiß ich, wie ich Ihnen
eine Freude machen kann."
Daraufhin beschenkte er mich mit
dem ersten richtigen Blick, den ich
so nur von meinen Kindern bei der
Weihnachtsbescherung kenne.

Ein großes Dankeschön an die Helfer und

Wir wünschen schöne Stunden
Helferinnen und für die gute Zusammenarbeit!
beim Besuch des Stadtfestes!
53489 Sinzig-Bad Bodendorf
Tel. 0 26 42 / 40 60
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