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Zehn Jahre Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Ein Geburtstagsgeschenk der Extraklasse
Die große Ausstellung ,,Henry Moore - Vision. Creation. Obsession"
Rolandseck. Manchmal werden Träume wahr. Johannes Wasmuth, der
Retter des Bahnhofs Rolandseck,
war beseelt von der Idee, ein
Museum für Hans Arp verwirklicht zu sehen. Zehn
Jahre, nachdem er im
September 1997 starb,
ging der Traum in Erfüllung. Aus Mitteln des
Bonn-Berlin-Ausgleichs
und Landesmitteln aus
Rheinland-Pfalz wurde
das vom amerikanischen
Architekten Richard Meier geplante Arp Museum
gebaut und bildet zusammen mit dem historischen
Bahnhof Rolandseck seit 2007
eine die Region ungemein bereichernde Kultureinrichtung. So
kann das immer noch junge Museum
2017 stolz sein zehnjähriges Bestehen
feiern.
Schon seine Urzelle, der 1858 fertiggestellte Bahnhof Rolandseck, war
ein architektonischer und kultureller
Glanzpunkt des romantischen Rheins.
In seiner Frühzeit galt er als ein gesellschaftlicher Treffpunkt etwa ,,für den
Verein Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen, für die ,in Köln versammelten
Künstler', für die Fürsten von Hohenzollern und selbstverständlich auch für
ein breiteres Publikum" (Jutta Mattern
und Ingo Wilhelm in der Zeitschrift
Vernissage, 21/04). Im Bahnhof konzertierten Johannes Brahms, Franz
Liszt und Clara Schumann. In Rolandseck schrieb Guillaume Apollinaire Gedichte, eines mit dem Titel ,,Am grünen
Strand von Rolandseck". Auch Heinrich
Heine, Ludwig Uhland, Jakob und Wilhelm Grimm sowie Friedrich Nietzsche
besuchten den Bahnhof oder suchten
in naher Umgebung Muße und Inspiration. Als Wasmuth (1936­1997) das
verwahrloste Stationsgebäude 1964
bezog, verwandelte er es mithilfe
prominenter Freunde und Künstler
allmählich in einen Künstlerbahnhof,
in dem Künstler auftraten, arbeiteten
und teils auch wohnten.

Monaten Vakanz folgte von 2006 bis
2008 Klaus Gallwitz. Der aktuell amtierende Direktor Oliver Kornhoff trat die
Leitung des Museums Anfang 2009
an. Das Land Rheinland-Pfalz hatte
1973 die Stiftung Bahnhof Rolandseck gegründet, die für den Unterhalt und die Bezuschussung
des kulturellen Betriebs des
Bahnhofs sorgte. 2008 wurde
die Stiftung in die Trägerschaft
der Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck überführt.

Erfolgsgeschichte Museum
Skulptur ,,Goslar Warrior" (1973­74)

Musiktheater, Kleinkunst, Literatur,
bildende Kunst und andere Kunstformen gleichberechtigt (Anna Krems
in Vernissage, 21/04). Die damals besonders hervortretenden drei Säulen
Musik, Literatur und bildende Kunst
tragen bis heute auch das Museumsensemble Arp Museum Bahnhof Rolandseck. Mit seiner Gründung im Jahr 1995
wurde zunächst das klassizistische
Bahnhofsgebäude saniert. Im Oktober
2004 erfolgte die Grundsteinlegung
für den Neubau und am 28. September 2007 eröffnete Bundeskanzlerin
Angela Merkel den Museumskomplex.
Von 2000 bis 2005 war Raimund Stecker Gründungsdirektor, nach einigen

Drei-Säulen-Konzept
Vor der Bahnhofsrenovierung zwischen 1969 und 1973 stand die bildende Kunst im Zentrum des Kulturangebots. Danach überwogen die Konzerte
und ab 1977, das heißt nach der Gründung der Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e.V., waren Musik,

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,,Two Piece Reclining Figure Points" 1969

Für
Museumsdirektor
Oliver
Kornhoff und sein Team bietet der
zehnte Geburtstag des Hauses einen
willkommenen Anlass um auf seine
Erfolgsgeschichte zu blicken. Seit der
Eröffnung im Herbst 2007 hat das Museum als spannendes Ensemble aus
Bahnhofsgebäude und der modernen
Architektur Richard Meiers rund 630
000 Gäste angezogen. Damit ist es
nicht nur ,,das bestbesuchte Kunstmuseum in Rheinland-Pfalz, sondern ganz
allgemein ein Exzellenzort im Westen", urteilt der Museumschef. Dass
Sammler dies genauso einschätzen,
belegten 2016 Schenkungen in Höhe
von 1,3 Millionen Euro ans Haus, die
Arbeiten von K. O. Götz umfassen und
von Antonius Höckelmann, der einmal
im Bahnhof Rolandseck gelebt hat und
in einem der Kopfräume neben dem
Kanonenofen sein Bett aufgeschlagen
hatte. ,,Eine unglaubliche Würdigung"
erkennt man darüber hinaus in dem
Umstand, dass das Tate Museum und

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