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Drei Millionen Euro investiert
Die älteste Winzergenossenschaft der Welt ist auf dem modernsten technischen Stand
Mayschoß. Gute Weine fallen nicht vom
Himmel, sie erfordern viel Arbeit sowohl im
Weinberg wie auch im Keller. Deshalb tun
erfolgreiche Weingüter und Winzergenossenschaften gut daran, technisch immer auf
dem neuesten Stand zu bleiben. Das gilt
insbesondere für die Kellereitechnik, denn
sie ist entscheidend dafür, dass die guten
Qualitäten, die im Weinberg herangezogen und gelesen werden, am Ende auch zu
einem edlen Tropfen in der Flasche reifen.
Das hat sich auch die Winzergenossenschaft
Mayschoß-Altenahr zu Herzen genommen
und mehr als drei weitere Millionen Euro
investiert. Das ist allerdings auch der Umstand geschuldet, dass die Rebfläche der
ältesten Winzergenossenschaft der Welt
in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen ist. Schließlich sei die Rebfläche
seit dem Jahr 2000 um die Hälfte größer
geworden, anstatt damals 100 Hektar würden heute 150 Hektar von den Mitgliedern
bewirtschaftet, so der Vorstandsvorsitzende Matthias Baltes. Deshalb habe man auch
die Lagerkapazitäten deutlich erhöhen
müssen. Alles in allem besitzt die Winzergenossenschaft nun mehr als zwei Millionen
Liter Lagerkapazität.
Baltes ist jedenfalls voll und ganz zufrieden mit dem Erreichten. ,,Wir haben eine
alte Halle mit einer Grundfläche von 1.200
Quadratmetern komplett abgerissen und
neu aufgebaut ­ und das unter schwierigen
baulichen Bedingungen", fasst er zusammen. Doch dank der hervorragenden Zu- Die Führungsmannschaft der Winzergenossenschaft ist stolz auf die neue
sammenarbeit mit den beauftragten Bau- Kellertechnik (von oben nach unten): Vorstandsvorsitzender Matthias Baltes,
und Handwerksunternehmen, die fast alle Vorstandsmitglied Rudolf Stodden, Kellermeisterin Astrid Rickert und Kelleraus der Region stammen, habe alles optimal meister Rolf Münster.
Fotos: -JOSTfunktioniert. Dabei habe man das Projekt
angesichts seiner Investitionssumme von mehr als drei MilIn Sachen Kapazität nun sehr gut aufgestellt
lionen Euro sogar europaweit ausschreiben müssen, denn
dadurch habe man einen Zuschuss aus dem Agrarfördertopf
Da man für verschiedene kellertechnische Arbeitsschritte
der Europäischen Union in Aussicht. Bei den insgesamt 15
grundsätzlich etwa ein Drittel mehr Kapazität benötige als
Gewerken seien bis auf wenige Ausnahmen stets regionale
die maximale Erntemenge, sei die Winzergenossenschaft
Anbieter zum Zuge gekommen, so Baltes. Allerdings gebe
Mayschoß Altenahr jetzt sehr gut aufgestellt, freut sich
es einige Fachbereiche gar nicht in der Region, weshalb auf
Münster. Nun könne man weitaus effizienter arbeiten als
weiter entfernt beheimatete Unternehmen zurückgegriffen
bisher und müsse beispielsweise nicht mehr über mehrere
werden musste.
Etagen die Schläuche verlegen. ,,Jetzt wären wir sogar in
der Lage, das neue Weintanklager ISO-zertifizieren zu lasKernstück der Verbesserungsmaßnahmen sind die 22 neu
sen ­ wenn es denn sein müsste", so Baltes. Doch eine Zertiangeschafften, fast neun Meter hohen Edelstahltanks mit
fizierung sei derzeit nicht in Planung.
insgesamt 34 Kammern, die alles in allem 650.000 Liter Wein
aufnehmen können. 26 kleinere Edelstahltanks aus dem BeUm die notwendige Standfestigkeit für den Neubau zu
stand erhielten eine Frischzellenkur, bei der spezielle Kühlgewinnen, musste übrigens der historische Gewölbekeller
platten eingebaut wurden. Damit sind Kellermeister Rolf
durch Flüssigbeton-Verpressungen stabilisiert werden. DaMünster und seine Kollegin Astrid Rickert nun in der Lage,
für seien mehrere hundert Tonnen Flüssigbeton über Taudiese ebenso wie die neuen Tanks über eine gemeinsame
sende von Bohrlöchern in die alten Gemäuer schichtweise
hochmoderne Temperaturregelanlage auf das Zehntel Grad
eingepresst worden. ,,Die halten nun in alle Ewigkeit",
genau zu steuern. So sollen die ohnehin schon hervorraschmunzelt auch Vorstandsmitglied Rudolf Stodden.
genden Weine der Winzergenossenschaft noch ein Stück
Volker Jost
besser werden.

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