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Koblenz - Stadt am Deutschen Eck 2017

Seite 26 Koblenz - Stadt am Deutschen Eck 2017Koblenz

Die Stadt am Deutschen Eck

Abendspaziergang zu Koblenzer Originalen

Denkmale und Plätze
erzählen ein Stück Stadtgeschichte
verdiente sich ihren Unterhalt als redegewandte Hausiererin mit Zuckerwaren und Pfefferminzrollen. Ihren Spitznamen bekam sie aufgrund ihrer Aussprache, bedingt
durch ihren zahnlosen Mund, wenn
sie ihr Angebot mit den Worten ,,Pepemündje gefällig" anpries. Als Tierliebhaberin sammelte sie mit ihrer
am Arm hängenden Lackledertasche bei Metzgern, Bäckern und
Gaststätten für streunende Hunde
und Katzen.
Die Altstadt feierte
mit ,,Spitals Andun"
Wahrzeichen der Stadt am deutschen Eck und Synonym für den Koblenzer: der ,,Schängel" auf seinem Brunnen am Rathaus.
Fotos: HH

Auf dem Münzplatz erinnern die ,,Marktfrau" und der ,,Schutzmann" an
die Zeit, als hier noch ein großer Wochenmarkt abgehalten wurde.
Koblenz. Wenn man sich auf einen
Abendspaziergang durch die Stadt
Koblenz macht, fällt es schwer, sich
auf ein ganz spezielles Thema einzulassen. Koblenz bietet so viele
schöne Ecken, die es lohnt, im Bild
festzuhalten. Deshalb sollen hier
einmal die Denkmäler einiger unserer Stadtoriginale präsentiert werden.
Im abendlichen Licht überragt natürlich der Schängelbrunnen am
Rathaus. Bereits zur Zeit der Französischen Revolution im Jahre 1789
wohnten etwa 3000 Emigranten in
Koblenz. Aber auch die Zeit von
1794 bis 1814, als Koblenz zum
französischen Rhein-Mosel-Departement gehörte, hat nicht minder
zur Einfügung französischer Elemente in den Koblenzer Dialekt beigetragen. So entwickelte sich der
Vorname Johannes, im Koblenzer
Platt ,,Schang" genannt, zum heuti-

gen ,,Schängel". Wie das Buch
,,2000 Jahre Koblenz" erklärt, ,,ist ein
Schängel der Typ eines urwüchsigen Koblenzer Jungen, der somit eigentlich einen französischen Vornamen trägt und damit dem wechselhaften Geschick seiner Vaterstadt
einen gewissen Ausdruck verleiht".
Dem ,,Schängel" wurde im Jahre
1940 auf Initiative von Johannes
Dahm (Sänger, Karnevalist, Turner)
und Jupp Flohr (Prinz Karneval
1939) von Carl Burger ein Brunnendenkmal geschaffen.
Vom Schängelbrunnen führt der
Weg durch die Jesuitengasse über
den Entenpfuhl und die Braugasse
zum Brunnenhof, auch Königspfalz
genannt. Dort geht es durch die
Passage zur Mehlgasse, und man
steht direkt vor dem ,,Pfefferminzje".
Annemarie Stein aus Bonn, genannt ,,dat Pfefferminzje", war klein,
abgemagert und schmächtig. Sie

Wenn man dieses Denkmal nun
durch das ,,Etzegäßchen" verlässt,
steht man direkt vor dem ,,Spitals
Andun" in der Gemüsegasse. Anton
Barthel wohnte im Bürger-Hospital,
auch Spital genannt, und wurde so
zum ,,Spitals Andun". Mit seinen riesigen Füßen lebte er zufrieden in
seiner Welt und war immer liebenswürdig. Er kannte alle Namenstage
und konnte sie sekundenschnell benennen. Da er in der Altstadt sehr
bekannt war, wurde sein Namenstag am 13. Juni gefeiert. Geschäftsund Privatleute verschönerten ihm
diesen Tag mit Geschenken, und so
blieb jeder Namenstag für Anton
unvergesslich. Viele große und kleine Geschenke brachte er glücklich
ins Spital. ,,Dat Andunche" ließ sich
gerne feiern und beschenken.

dem Ende. Auf dem Münzplatz, in
der Nähe des Münzmeister-Hauses, stehen zwei wunderschöne
Denkmale. Da auf diesem Platz in
früheren Zeiten immer ein großer
Wochenmarkt stattgefunden hat,
heute in etwas kleinerer Form nur
noch an den Samstagen, wird mit
der ,,Marktfrau" und dem dazu gehörigen ,,Schutzmann" an diese Zeit
erinnert. Im alten MünzmeisterHaus befand sich bis vor einigen
Jahrzehnten die Polizeiwache
,,Münzplatz", die noch vielen Koblenzer Bürgern in Erinnerung ist.
Ein weiteres Denkmal, dass an ein
Original erinnert, ist ,,Resche Hennerich" mit seiner Trommel. Mit richtigem Namen hieß er Heinrich Rech
und hatte das Schuhmacherhandwerk erlernt. In jungen Jahren war
er bereits ein Tunichtgut und hatte
selbst beim Militär keine Disziplin.
Seine Dienstpflicht verbrachte er bei
einem Ersatzbataillon des 28. Infanterie-Regiments. Sein ,,Paradestück"
leistete er sich so auch beim Militär.
Rech, der als Tambour diente, zog
eines Abends in Hemdsärmeln mit
seiner Trommel durch die Stadt und
schlug den Generalmarsch. Sofort

Einen zauberhaften Anblick bietet
bei Dunkelheit auch der Brunnenhof.
begab sich das ganze Militär, selbst
die Offiziere, marschbereit zum
Alarmplatz. Alle waren anwesend,
nur der Tambour Rech fehlte, der
dafür sechs Wochen Arrest erhielt.
Mit diesen kleinen Episoden endet
dieser kleine abendliche Rundgang
zu den Koblenzer Originalen. Leider
sind solche liebenswürdigen Menschen, die außer Schabernack keine Straftaten begangen haben, aus
dem heutigen hektischen Zeitgeschehen verschwunden.
- HH -

Eine Frohnatur
trotz schwerer Krankheit
Ein weiteres Original findet man mit
dem ,,Gummi" in der Gemüsegasse,
der originellen Gestalt des Hausierers Peter Schneider. Sein seltsamer Gang, hervorgerufen durch eine chronische Nervenerkrankung,
erregte die Aufmerksamkeit der
Passanten und brachte ihm den
Namen ,,Gummi" ein. Wenn er mit
seinem Bauchladen, bepackt mit
Hosenträgern, Schnürriemen, Seifen, Zeitschriften und Zeitungen
durch die Straßen ging, genoss er
die Achtung seiner Mitbürger. Dass
er trotz seiner schweren Erkrankung eine rheinische Frohnatur war,
davon kündet eine Holztafel neben
der Skulptur mit den Worten: ,,Im
Leben hieß ich Peter Schneider. Im
Leben war ich immer heiter. Der
Volksmund nannte mich Gummi,
der Herrgott warf mich ummi." Der
abendliche Bummel zu den Koblenzer Originalen neigt sich langsam

Spitals Andun lebte im Bürgerhospital, versorgt von den dortigen
Schwestern. Zu seinem Namenstag beschenkten ihn die Bürger
der Altstadt mit allerlei Gaben, die er mit den übrigen Bewohnern des Spitals teilte.

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