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Koblenz - Stadt am Deutschen Eck 2017

Seite 18 Koblenz - Stadt am Deutschen Eck 2017Koblenz

Die Stadt am Deutschen Eck

In Ehrenbreitstein findet sich ein ganz besonderes historisches Kleinod

Vom Gotteshaus zum Hort der Kultur
Ehemalige Pallottiner-Kapelle ist heute Versammlungs- und Veranstaltungsort der ,,Schlaraffia Confluentia"

raffen-Motto ,,In arte voluptas" ­
Den Innenraum krönt heute das Schla
in der Kunst liegt Vergnügen.

Seit 1991 nutzt die Schlaraffia Confluentia die Pallottiner-Kappelle in Ehrenbreitstein als ihre
,,Burg". Bis heute hat die Vereinigung einen sechsstelligen Betrag in den Unterhalt des ehemaligen Gotteshauses gesteckt.
Fotos: Schlaraffia Confluentia

Ehrenbreitstein.
Unauffällig
und bescheiden schmiegt sich
ein historisches Kleinod in Ehrenbreitstein in der Charlottenstraße/Ecke Obertal an den Hügel unterhalb der Festung.
Es handelt sich um die ehemalige, seit 2004 als Kulturdenkmal
anerkannte Pallottiner-Kapelle.
Eine im März 2017 am Gebäude angebrachte Denkmal-Hinweistafel soll für mehr Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit sorgen.
Dennoch wird das neugotische
Bauwerk von Passanten meist
übersehen. Denn es ist nicht als
alleinstehendes Gebäude wahrnehmbar, sondern geht auf in
einem aus drei Häusern bestehenden, 1768 bis 1770 nach
Plänen des Barockbaumeisters
Johannes Seitz errichteten Gebäudekomplex.
In der Zeit zwischen 1872 und
1890 wurden die Bauten nach
und nach von der Familie des
Ehrenbreitsteiner
Justizrats
Franz Reinhard erworben. Mit
diesem Ankauf wollte Reinhard
im wirtschaftlich und handwerklich prosperierenden Ehren-

breitstein weitere Fabrikbauten
verhindern. Um das Jahr 1883
ließ er auf dem Grundstück eine
kleine Privatkapelle errichten,
die heute die Apsis der Gesamtkapelle darstellt.
Im Jahre 1903 wurde ein großes neugotisches Kirchenschiff
mit einem offenen Arkaden-Erdgeschoss als Brückenglied zwischen der ursprünglichen Kapelle und den barocken Straßengebäuden angebaut.
Reinhards Haus wurde zu einem gesellschaftlichen, aber
auch antagonistischen, erzkatholischen Mittelpunkt des damals noch eigenständigen Residenzstädtchens Ehrenbreitstein.
1893 übergab er bzw. seine beiden Töchter die Kapelle inklusive des benachbarten Hauses
den Pallottinern, die sich 1892
erstmals in Deutschland, in Limburg, niedergelassen hatten,
zur Nutzung.
So fand in diesem Jahr hier
auch der erste Gottesdienst
statt. Die Pallottiner gründeten
sich 1846 in Rom ­ nicht als Orden im herkömmlichen Sinn,
sondern als apostolische Pries-

ter- und Brüdergemeinschaft, die sich Vinzenz
Pallotti verpflichtet. Der
Priester Pallotti lebte
von 1795 bis 1850 in
Rom. Gebete, Gespräche und auch die mediEingebunden in einen Komplex aus insgesamt drei Bauwerken, ist die
tative Einsamkeit prägKapelle auf den ersten Blick nicht als eigenständig wahrnehmbar. Bei
ten das in Armut,
dem linken Gebäudeteil handelt es sich um die ursprüngliche PrivatkapelKeuschheit und Gehorle der Familie Reinhard.
sam geführte Leben des
Mystikers, der in der katholischen Kirche seit
1963 als Heiliger verehrt wird. Kapelle im neugotischen Stil er- ten Ensembles, was zwischen
In Vallendar, einer von über weitern. Nach Ende des Zwei- 1986 und 1991 mit Fördergelzwanzig Niederlassungen in ten Weltkriegs bot sie ihnen kei- dern des Landes und SteuerDeutschland, der Schweiz und ne Nutzungsmöglichkeit mehr mitteln realisiert wurde.
Die Barockbauten wurden als
Österreich, betreiben die Pallot- wie zuvor.
hergerichtet,
tiner heute die ,,Philosophisch- Der gesamte, seit 1905 von den Mietwohnungen
Theologische Hochschule", der Töchtern Reinhard an das Bis- und den Kapellenkomplex überunter anderem die Jugendbil- tum Trier, jedoch zur Nutznie- ließ der Eigentümer, der städtidungsstätte ,,Haus Wasserburg" ßung der Pallottiner, verkaufte sche Eigenbetrieb Koblenzer
Gebäudekomplex diente zeit- Wohnungsbau GmbH, mit eiangehört.
weise als Unterkunft für Flücht- nem langfristigen NutzungsStadt sorgte für eine
linge und verfiel mehr und mehr und Betreuungsvertrag dem Kodenkmalgerechte Sanierung
zur Ruine.
blenzer Verein ,,Schlaraffia ConIn dem Kapellenkomplex in Eh- 1980verkaufte das Bistum die fluentia" als künftigen Ort der
renbreitstein eröffnete die Ge- Immobilie schließlich an die Kultur.
meinschaft 1894 eine gymnasi- Stadt Koblenz. Die entschloss
Förderverein sichert
ale Klosterschule und bildete sich gegen einen Abriss und
den Erhalt der Kapelle
Missionare aus.
statt dessen für eine denkmal1903 ließen die Pallottiner die gerechte Sanierung des gesam- Vor allem der zweigeteilte Saal

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