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Koblenz - Stadt am Deutschen Eck 2017

Seite 12 Koblenz - Stadt am Deutschen Eck 2017Koblenz

Die Stadt am Deutschen Eck

Hochheim beherbergt ein bemerkenswertes privates Museum

Eine Leidenschaft rund um den Gerstensaft
Der frühere Brauerei-Repräsentant Peter Wings hat eine Sammlung rund um Bier und Brauen zusammengetragen

Bereits in der Garage des Hauses von Wings bekommt der Besucher
einen ersten Eindruck von der Sammelleidenschaft des Hausherrn.

Das Herz Sammlung ist die Sechzigerjahre-Kneipe, die Peter Wings in seinem Keller stilecht aufgebaut hat. Gerne
zeigt er die stolze und durchaus funktionsfähige Sammlung rund ums Bier.
Fotos: BSB
Koblenz-Horchheim. Ein Biermuseum in den eigenen vier Wänden
­ wer kann damit schon aufwarten?
Peter Wings kann das. Seit 1960

Sammler von allem, was mit den
Brauereien seiner Heimat in Verbindung steht. Viele Exponate trug er
zusammen ­ Brauerei-Auflösungen

de der Kellertreppe, darunFotografische Dokumente zieren die Wän
rten GastAufnahme der im Zweiten Weltkrieg zerstö
ter auch eine
Wings` Großvater gehörte.
stätte Hunsrücker Hof, die Peter
war er mehr als vierzig Jahre lang
Brauerei-Repräsentant, davon 28
Jahre für die 1857 gegründete
Schultheis Brauerei, die seit 1860 in
Weißenthurm braute. Ihren Hauptsitz hatte sie ab dem Jahr 1879 am
Florinsmarkt in Koblenz, wo Vertrieb, Verwaltung, Bierlager und Flaschenabfüllung angesiedelt waren.
Nach Verkauf der Brauerei 1993 an
die Bitburger Braugruppe war
Wings weitere zehn Jahre für das
Eifeler Unternehmen in gleicher
Funktion im Einsatz. Seine Arbeit
prägte ihn und machte ihn seit Anfang der 1960er-Jahre zu einem
passionierten und akribischen

waren oftmals eine sprudelnde
Quelle. Andere Stücke verdankt er
Freunden und Gönnern, die von
seiner Leidenschaft wussten und
ihn dabei gern unterstützten.
Besuchern seines privaten ,,Biermuseums" öffnet Wings immer zuerst
die Garage. Hier reihen sich entlang
der Wände historische Bierkästen,
die verschiedensten Arten von Biergläsern und -krügen, Fässer, Werbeschilder und vieles mehr. Alles
sind Originale, mehrheitlich aus Beständen von heute nicht mehr existierenden Brauereien. Wie viel
Herzblut in der Sammlung steckt, ist
auf Anhieb spürbar. Die Geschich-

ten sprudeln nur so aus ihm heraus,
genau so ,,querbeet", wie er sammelt. Zu den besonders schönen
Stücken zählt das mit Koblenzer
Motiven und einem kleinen Schängel verzierte Holz-Werbeschild der
Schultheis Brauerei für ihr ,,Schängel-Alt". Wings erinnert sich. Die
Biersorte wurde 1975 aus der Taufe
gehoben, als die Brauerei die ,,KG
Rheinfreunde 1845" und den von ihr
gestellten Karnevalsprinzen HansHugo Legrand sponserte.
Der Textabdruck des 1516 von Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt erlassenen Reinheitsgebots darf in der
lehrreichen und überaus interessanten Sammlung natürlich nicht
fehlen. Wings, der im vorigen Jahr,
anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums
des Reinheitsgebots, an der Volkshochschule Weißenthurm Vorträge
hielt zu den Themen ,,10.000 Jahre
Geschichte des Bieres" und ,,Aufstieg und Niedergang der mittelrheinischen Brauereien", erweist sich
bei der Besichtigung der zum Teil
sorgfältig aufgearbeiteten Schätze
als echter Fachmann, der keine Fragen unbeantwortet lässt. Eine große Anzahl seiner einstigen Sammlungsstücke, wertvolle Teile seiner
speziellen Schultheis-Sammlung,
schenkte er im Jahr 2015 der Stadt
Weißenthurm. Sie werden in einer
Dauerausstellung gezeigt, für die
der Weißenthurmer Bürgermeister
Gerd Heim einen speziellen Raum
im Rathaus herrichten ließ. Wings
und der Freundeskreis ehemaliger
Schultheis-Mitarbeiter hatten sich
lange dafür stark gemacht, im ehe-

maligen Sudhaus der Schultheis
Brauerei ein Biermuseum einzurichten, doch zu Wings großem Bedauern wurde es im vorigen Jahr abgerissen. So hegt und pflegt er eben
sein mit unzähligen Exponaten bestücktes ,,Biermuseum" zu Hause
weiter.
Mehr als ein Jahrhundert
Bier- und Brautradition
Neben den Bereichen in der Garage befinden sich im Untergeschoss
des Wohnhauses weitere Ausstellungsflächen. Schon die Wand des
hinunter führenden Treppenhauses
wird genutzt. Hier sind auch einige
Bilder und Dokumente der ,,Coblenzer Closterbrauerei" aus KoblenzMetternich aufgehängt. ,,Wertvolle,
rund einhundert Jahre alte Exponate" ­ eine Schenkung von Heidi
Merz, wie Wings herausstellt. Auch
die Closterbrauerei, die seit 1955
zur Schultheis Brauerei gehörte,
wurde von Bitburger übernommen.
Heute erinnert nur noch die im ehe-

maligen Sudhaus eingerichtete
Gaststätte ,,Closter Sudhaus" an die
Braustätte. Wings zeigt an der
Wand außerdem zwei Fotos der
ehemaligen, an der Ecke Stegemann-/Viktoriastraße befindlichen
Gaststätte ,,Hunsrücker Hof", die
von seinem Großvater betrieben, im
Krieg jedoch zerstört wurde. Vielleicht ließen Wings schon die Eindrücke dieser Zeit später den beruflichen Weg in die Bierbranche finden. In einem weiteren Kellerraum
hat sich der Sammler eine stilechte
Sechzigerjahre-Kneipe mit Biertheke und Barhockern eingerichtet.
Wohin man schaut: Bierkrüge, -gläser, -deckel, dazu grüne und braune
Flaschen mit Reliefbedruckung und
noch vieles mehr, was es rund ums
Bier und seine Geschichte, um
Schultheis, Bitburger und andere
Brauereien zu sammeln gibt. Sogar
die Zimmerdecke ist museal bestückt. Hier hat der Hausherr Hopfensäcke aus dem letzten Jahrhundert aus allen Anbaugebieten

Das Engagement des Horchheimers für seine Heimat wird allgemein geschätzt, was nicht zuletzt viele Auszeichnungen bezeugen.

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