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Jüdisches Echo 2015

Seite 63 Jüdisches Echo 2015In der Zwei-Perez-Chajes-Schule: Symbol des Bleibens

dort niederließen. Der Bedarf ist auch nach der Masseneinwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion nicht
besonders gestiegen, da die Religion in deren Gruppen
identität fast keine Rolle spielte. Sie hatten eine ethnische jüdische Identität und keine religiöse.
In Wien änderte sich die Situation ab den 1980erJahren. Der Liquidationsphase (1945­1980), in der ein
großer Teil der IKG-Liegenschaften für einen niedrigen Preis verkauft und nur ein Minimum an Infrastruktur auf ebaut wurde, folgte nun die Wiederaufbauphase
g
(1980er- und 1990er-Jahre). Als die IKG von einer Führung übernommen wurde, für die Religion eine wichtige


Mitte der Achtzigerjahre kam es dann zu einer starken
Erweiterung der jüdischen Infrastruktur: ZPC-Kindergarten und -Schule sind in ein größeres Gebäude übersiedelt und 1986 wurde das Gymnasium eröffnet; das
Elternheim (Maimonides-Zentrum) wurde renoviert;
das psychosoziale Zentrum ESRA (1994) wurde errichtet, um die Spätfolgen der Schoah zu behandeln und die
Einwanderer besser zu integrieren; weiters entstanden
Institutionen wie das jüdische Institut für Erwachsenenbildung (1989), das jüdische Wohnhaus in der Tempelgasse (1995), das Sefardische Zentrum (1992) und das
JBBZ (1998).
Die Einwanderer aus der Sowjetunion haben die jüdische Infrastruktur in Wien weiter belebt. Sie eröffneten
Restaurants und koschere Geschäfte, initiierten die Errichtung religiöser und kultureller Institutionen, wie das Sefardische Zentrum mit seinen zwei Synagogen (eine bucharische und eine georgische) und das Jehuda Halevi Zentrum
für Kunst und Kultur mit seiner Musikschule (1999).
Auch die internationale Organisation Chabad errichtete mehrere religiöse und pädagogische Institutionen, wie Kindergärten, die Lauder-Chabad-Schule
(1998), die Jüdische Pädagogische Akademie (1997) und
die Lauder Business School (2003).
Heute befindet sich die IKG in der Ausbauphase.
Als Folge der staatlichen Restitutionszahlungen hatte die
IKG zum ersten Mal seit 1945 eine finanzielle Stabilität
erreicht und konnte nun ihre Infrastruktur weiter ausbauen. Um die Bedingungen für jüdische Bildung, Fürsorgearbeit und Freizeit zu verbessern, wurde der IKGCampus (2008) errichtet. Seine großen und markanten
Gebäude, die mit modernsten Einrichtungen ausgestattet sind, beherbergen nun die ZPC-Kindergärten und
-Schule mit Platz für 600 Kinder, das Maimonides-Zentrum, eine Synagoge und eine Bibliothek für die ZPCSchüler und die Bewohner des Elternheims sowie das
Hakoah Sport- und Freizeitzentrum.

«Die Einwanderer aus der Sowjetunion
haben die jüdische Infrastruktur in Wien
weiter belebt. Sie eröffneten Restaurants und
koschere Geschäfte, sie initiierten religiöse
Institutionen.»
Rolle in ihrem Leben spielte und die auch aus Angehörigen
der Nachkriegsgenerationen bestand, die sich nun in Wien
schon zu Hause fühlten und ein starkes Selbstbewusstsein
als Juden hatten, wurde die jüdische Infrastruktur stark
ausgebaut. Schon in den späten Siebzigerjahren war diese
Generation in der IKG-Politik präsent und bemüht, dem
Selbstbild der Liquidationsgemeinde ein Ende zu setzen
und jüdische Infrastruktur, besonders Bildungsinstitutionen, aufzubauen. Die Entstehung einer IKG-Schule
(charedische Schulen gab es schon) war damals eines der
Streitthemen zwischen der IKG-Führung und der Nachkriegsgeneration. Die junge Generation sah den Aufbau
einer Schule als wichtigen Schritt in der jüdischen Identitätsbildung und für eine Zukunft für Juden in Wien.
Die Errichtung der Zwi-Perez-Chajes-Schule (ZPC)
und des Gemeindezentrums 1980 spiegelte letztendlich
die Entscheidung wider, in Wien zu bleiben. Ab der
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J o rit Aust /L B S Sch o o l , Z P C Sch o o l

Lauder Business School Wien: Für jüdische Zentraleuropäer

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