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Jüdisches Echo 2015

Seite 152 Jüdisches Echo 2015Ivanji, Ivan. Geboren 1929 in Veliki Beckerek im serbischen Banat,
damals Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. Als
Sohn einer jüdischen Ärztefamilie wurde er 1944 in das NS-Konzentrationslager Auschwitz und danach nach Buchenwald verschleppt. Nach
der Befreiung studierte er in Belgrad Architektur und Germanistik. Er
war u.a. als Dolmetscher für Staatschef Josip Broz Tito und von 1974
bis 1978 als jugoslawischer Kulturattaché in Bonn tätig. Er verfasste
zahlreiche Romane, darunter ,,Der Aschenmensch von Buchenwald"
(1999), ,,Geister aus einer kleinen Stadt" (2008), ,,Buchstaben von
Feuer" (2011) und ,,Mein schönes Leben in der Hölle" (2014), die im
Wiener Picus-Verlag erschienen sind.
Kirchner, Irmgard. Geboren 1959 in Innsbruck. Sie studierte Kulturund Sozialanthropologie sowie Psychologie an der Universität Wien.
1989 Promotion mit einer Arbeit zur Kolonialgeschichte Ghanas. Seit
mehr als zwanzig Jahren im entwicklungspolitischen Bereich tätig.
Von 2007 bis 2013 war sie Lehrbeauftragte an der Universität Wien
(Studiengang Internationale Entwicklung) im Themenbereich Interkulturelle Kommunikation. Sie ist Chefredakteurin von ,,Südwind", dem
österreichischen Monatsmagazin für Internationale Politik, Kultur und
Entwicklung, freie Journalistin und lebt im Wien.

Lahodynsky, Otmar. Geboren 1954 in Linz. Studierte Sprachwissenschaften an der Uni Wien. Journalist, u.a. bei ,,Presse" und ,,Kurier",
nun Redakteur für EU und Innenpolitik beim ,,profil" und Präsident der
,,Vereinigung Europäischer Journalisten" (AEJ) mit zwanzig Sektionen
in Europa. Verfasser mehrerer Bücher, darunter des ersten Schulbuchs
über die EU (mit Wolfgang Böhm): ,,EU for you! So funktioniert die
Europäische Union" (G&G-Verlag, Wien). Fremdsprachige Ausgaben in
Kroatien, Slowenien, Montenegro, Estland, Rumänien und in der Türkei.
Menasse, Eva. Geboren 1970 in Wien. Nach dem Studium
(Geschichte und Germanistik) begann sie als Journalistin beim ,,profil".
Danach wurde sie Redakteurin der ,,Frankfurter Allgemeinen Zeitung"
und begleitete den Prozess um den Holocaust-Leugner David Irving in
London. Sie lebt seit 2003 als Publizistin und freie Schriftstellerin in
Berlin. Im Debütroman ,,Vienna" (2005) erzählte sie die Geschichte
ihrer Familie. 2009 folgte der Erzählungsband ,,Lässliche Todsünden".
Für ihren Roman ,,Quasikristalle" (Kiepenheuer & Witsch, 2013)
wurde sie u.a. mit dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln und mit dem
Literaturpreis Alpha ausgezeichnet. 2015 war sie Stipendiatin der Villa
Massimo in Rom.

Morton, Frederic. 1924 als Fritz Mandelbaum in Wien geboren. Am
20. April 2015 ist der in der US-Emigration als Schriftsteller bekannt
Gewordene in seiner Geburtsstadt gestorben. 1939 war er mit seinen
Eltern zunächst nach Großbritannien und dann in die USA geflüchtet.
Er arbeitete als Journalist u. a. für die ,,New York Times", den ,,Playboy",
für ,,Esquire" und die New Yorker Gegenkultur-Zeitschrift ,,Village Voice".
1962 wurde er als Schriftsteller international bekannt: Sein Buch ,,Die
Rothschilds" wurde in 23 Sprachen übersetzt. Viele seiner seither
erschienenen Bücher haben etwas mit seiner Herkunft aus Wien zu
tun, einer Stadt, die er ­ vom offiziellen Österreich nun hoch geehrt in
seinen letzten Lebensjahren immer öfter besuchte.
Pohoryles, Ronald. Geboren 1952 in Zürich, aufgewachsen in Wien.
Studium der Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität
Wien, Habilitation an der Universität Innsbruck für Vergleichende Lehre
der Politik. Institutsvorstand eines 1987 gegründeten Wiener Vereins,
der von der Forschungsstiftung ICCR Gemeinnützige Privatstiftung
(Stifter: WKO und Stadt Wien) übernommen wurde. Autor zahlreicher

Vol.64: Identität? Welche Identität?

Publikationen und Gründer sowie Chefredakteur der Fachzeitschrift
,,Innovation The European Journal of Social Science Research", die
im 28. Jahrgang beim internationalen Routledge-Verlag (London &
New York) erscheint.

Rabinowich, Julya. Geboren 1970 in Leningrad in der damaligen
Sowjetunion. Lebt seit 1977 in Wien, wo sie an der Universität Wien
ein Dolmetschstudium absolvierte und an der Universität für angewandte Kunst ein Studium mit Schwerpunkt Malerei und Philosophie
abschloss. Als Dolmetscherin arbeitete sie u. a. für das Integrationshaus Wien und in der Flüchtlingsbetreuung der Diakonie. Sie schrieb
Romane und andere Prosa (,,Spaltkopf", 2008, ,,Herznovelle", 2011,
,,Die Erdfresserin", 2012) und Theaterstücke (darunter ,,Stück ohne
Juden", 2010 und ,,Tagfinsternis", Uraufführung 2013), für die sie
zahlreiche Preise erhielt.
Radzyner, Joana. Geboren 1954 in Warschau. Ihre Familie emigrierte
1959 nach Wien, wo sie später Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaften studierte und 1978 zum Doktor der Philosophie
promovierte. Im Anschluss daran studierte sie auch an der University of
Minnesota. 1983 kam sie zum ORF, wo sie in der Redaktion für Ost- und
Südosteuropa arbeitete. Bis Dezember 2009 war sie ORF-Korrespondentin für die Tschechische Republik, die Slowakei und für Polen.
Rath, Ari. Geboren 1925 in Wien. Ist nach dem ,,Anschluss" 1938
der zionistischen Jugendbewegung Makkabi Hazair beigetreten und
konnte im November 1938 mit seinem Bruder noch rechtzeitig vor
den Nationalsozialisten nach Palästina flüchten. War viele Jahre in der
Kibbuzbewegung engagiert und fuhr Ende 1946 im Auftrag der zionistischen Jugendbewegung Habonim in die USA. Studierte Zeitgeschichte
und Volkswirtschaft an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Als
langjähriger Chefredakteur der ,,Jerusalem Post" unterstützte er immer
den Nahostfriedensprozess und ein friedliches Nebeneinander der
beiden Völker. 2012 sind im Zsolnay Verlag unter dem Titel ,,Ari heißt
Löwe" seine Erinnerungen erschienen. Er ist einer der Protagonisten
der Burgtheater-Produktion ,,Die letzten Zeugen" von Doron Rabinovici
und Matthias Hartmann, die ein enormer Publikumserfolg war und zum
Berliner Theatertreffen 2014 eingeladen wurde.
Roth, Christa. Geboren 1986 in Siebenbürgen, Rumänien. Sie kam
1990 nach Deutschland. Studium der Politikwissenschaft an der
Freien Universität Berlin, danach Teil des 34. Lehrgangs der Hamburger
Henri-Nannen-Schule. Seither Mitglied der Journalistengemeinschaft
,,Kill your darlings". Zwischen 2009 und 2014 lebte Roth immer wieder
in Israel. Tätigkeiten dort: Praktika bei der Friedrich-Ebert-Stiftung
in Herzliya und bei der Jerusalemer Konrad-Adenauer-Stiftung sowie
Hospitanz bei der Deutschen Presse-Agentur in Tel Aviv. Mittlerweile
arbeitet sie wieder überwiegend in Berlin als freie Autorin für diverse
Medien. Schwerpunkte: Jüdisches Leben, Bildungs-, Wirtschafts- und
Sozialthemen. Hin und wieder hält sie an der Georg-von-VollmarAkademie, einer Bildungsstätte im bayerischen Kochel am See,
Vorträge über Israel.

Schindel, Robert. Geboren 1944 in Bad Hall in Oberösterreich als
Kind jüdischer Kommunisten und Widerstandskämpfer. Nach der
Verhaftung der Eltern retteten ihn Mitarbeiterinnen des jüdischen
Kinderspitals in der Wiener Tempelgasse. Sein Vater wurde in Dachau
ermordet, die Mutter kehrte 1945 nach der Befreiung aus dem KZ
Ravensbrück zu ihm zurück. Er begann eine Buchhändlerlehre, machte
1967 die Externistenmatura und war dann als Student der Uni Wien
(Philosophie, Jus) in der linken Studentenbewegung aktiv. Gleichzeitig

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